Zu Gast aus aller Welt: Das Aquarell „Im Café (Hakenkreuzritter)“ von Georg Scholz auf Besuch in der Ausstellung „(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle 1933 bis 1945 und die Folgen“

Georg Scholz: Im Café (Hakenkreuzritter), 1921, Aquarell und Gouache über Bleistift auf Papier // Copyright:The Merrill C. Berman Collection, New York


Von Marc Chagall über Robert Delaunay bis hin zu Georg Scholz reichen die Kunstwerke, die unter dem Titel „Zu Gast aus aller Welt“ an einer Wand der Ausstellung „(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle 1933 bis 1945 und die Folgen“ im Wechsel präsentiert werden. Hier begrüßt die Kunsthalle Werke, die 1937 aus ihrer berühmten Moderne-Sammlung als „Entartete Kunst“ beschlagnahmt wurden und heute in Museen oder privaten Sammlungen auf der ganzen Welt beheimatet sind – oftmals als Glanzstücke der jeweiligen Institution. Dies zeigt eindrücklich, welche Kunstschätze die Kunsthalle einst besessen hat und die ihr durch die nationalsozialistischen Beschlagnahmungen genommen worden sind.

Seit 18. September 2018 kann nun das 1921 entstandene Aquarell „Im Café (Hakenkreuzritter)“ von Georg Scholz im Jugendstilbau bewundert werden. Wie viele der 1937 brutal aus der Sammlung gerissenen Werke hatte die Kunsthalle auch diese kleine, fast prophetische Karikatur eines großbürgerlichen Parteigängers der Nationalsozialisten von dem Mannheimer Kunsthändler Herbert Tannenbaum angekauft. Für 130 Reichsmark kam es 1929 in die Sammlung.

Über das Schicksal des Blattes nach seiner Beschlagnahmung ist relativ wenig bekannt: So ist es zwischen 1938 und 1941 im Depot für die Wanderausstellung „Entartete Kunst“ im brandenburgischen Velten nachzuweisen, ehe sich seine Spuren für Jahrzehnte verlieren. Erst Mitte der 1970er Jahre taucht „Im Café“ wieder im Kunsthandel auf. Heute ist das Aquarell im Bestand der New Yorker Merrill C. Berman Collection, die es freundlicherweise für die Ausstellung „(Wieder-) Entdecken“ als Leihgabe zur Verfügung stellt, wo es bis 02. Dezember 2018 bestaunt werden darf.

Die Dauerausstellung „(Wieder-)Entdecken – Die Kunsthalle Mannheim 1933 bis 1945 und die Folgen“ veranschaulicht die Auswirkungen, welche die Zeit des Nationalsozialismus bis heute auf die Kunsthalle Mannheim, ihre Sammlung sowie auf die mit dem Museum verbundenen Menschen hat. Ein Fokus liegt auf dem dauerhaften Verlust von über 500 Werken, den das Museum 1937 im Zuge der Beschlagnahmungen „entarteter Kunst“ erlitten hat. Deutlich wird aber auch, dass die Kunsthalle Mannheim nicht ausschließlich als Opfer zu begreifen ist. In der Ausstellung wird mit den „Kulturbolschewistischen Bildern“ gleichzeitig auch der Blick auf jene 1933 von der Kunsthalle Mannheim durchgeführte Propaganda-Ausstellung gelenkt, die am Anfang der nationalsozialistischen Hetzkampagnen gegen die moderne Avantgarde steht.

Mit den bisherigen Ergebnissen der Provenienzforschung an der Kunsthalle Mannheim werden abschließend die Anstrengungen thematisiert, die das Museum aktuell unternimmt, um von den Nationalsozialisten begangenes Unrecht aufzudecken und möglichst wieder gut zu machen. Der Besucher hat hier die Möglichkeit, die komplizierte Suche nach sogenannter NS-Raubkunst in der Mannheimer Sammlung nachzuvollziehen. Die Provenienzforschungsstelle wird gefördert durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste.

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