Wie wäre es mit einem Tag in Speyer?

In der geheimen (unterschätzten) Pfälzer Metropole gibt es viel zu entdecken

Dom zu Speyer – Morgenstimmung © Karl Hoffmann

Warum nicht mal einen Ausflug nach Speyer machen? Die Stadt am Rhein mit etwas über 50.000 Einwohnern überrascht mit ihrer reizvollen Geschichte, ihrer charmanten historischen Fußgängerzone, aber auch mit vielen Museen, die alle vom Dom aus bequem zu Fuß zu erreichen sind. Natürlich ist aber erstmal ein Besuch des Speyrer Doms unumgänglich. Die Domkirche St. Maria und St. Stephan, so der offizielle Name, ist mit der vermutlichen Grundsteinlegung im Jahr 1025 die größte erhaltene romanische Kirche der Welt. Wenn auch Renovierungen, Veränderungen und Fresken des 19. Jahrhunderts unübersehbar sind, so beeindruckt die alle Zeiten überstandene Krypta und die Grablege der salischen Kaiser immer wieder.

Judenhof – Treppenhaus der Mikwe
© Karl Hoffmann

Beim Verlassen des Doms lockt nur wenige Meter entfernt zu linker Hand das Historische Museum der Pfalz. Die Dauerausstellungen des Museums bezeugen die Geschichte der Region von der Urgeschichte über die Römerzeit bis in die Neuzeit, inklusive Domschatz. Seinen besonderen Ruf hat sich das Museum mit seinen vielen Sonderausstellungen erarbeitet. Bis August 2019 ist eine Schau über die Pfalz der Spätantike zu sehen, flankiert von einer Ausstellung über die „unbekannte“ Marilyn Monroe. Wer sich für Bildende Kunst interessiert, für den warten in Speyer gleich zwei besondere Häuser.

Da wäre einmal das Purrmann-Haus in der Kleinen Greifengasse. Es liegt nur 700 Meter vom Dom entfernt und ist das Geburtshaus des berühmten Pfälzer Malers Hans Purrmann. Seine intensiven, farbigen Landschaftsdarstellungen begeistern. Das Besondere für Kunstliebhaber ist jedoch, dass man in dem Museum die Gelegenheit hat, die Werke seiner nicht minder begabten Ehefrau Mathilde Vollmoeller-Purrmann kennenzulernen.

Ein weiterer bekannter Maler wird in Speyer mit einem eigenen Museum bedacht, Anselm Feuerbach. Auch sein Geburtshaus in der zentral gelegenen Allerheiligenstraße ist heute Gedenkstätte, Studienbibliothek und Archiv für den berühmten Maler und seine Familie. Ein wichtiges Thema in Speyer ist das jüdische Erbe der Stadt. Zwischen 1084 und 1349 entfaltete sich in Speyer ein reiches jüdisches Gemeindeleben. Bis heute sind steinerne Zeugen dieser Zeit im Judenhof samt Museum, Überresten der Synagoge und Frauenschule, Synagogenhof und Ritualbad erhaltenen. Das Ritualbad ist sogar die älteste Anlage ihrer Art in Mitteleuropa.

Aber auch technisch interessierte Besucher kommen in Speyer auf ihre Kosten. Da wäre zuerst das in Richtung Rhein gelegene Technik-Museum Speyer zu nennen, das seit 1991 Exponate aus den Bereichen Luftfahrt, Eisenbahn, Feuerwehr und Schiffsbau zeigt. Für Familien ist das Sea Life Speyer mit seiner atemberaubenden Unterwasserwelt ein Anziehungspunkt. Neben lebenden Fischen, Seepferdchen, Oktopussen, Schildkröten oder vielen verschiedenen Rochenarten gilt es seit März letzten Jahres eine neue Themenwelt, „die Saurier der Meere“, zu entdecken.

Speyer wäre nicht typisch pfälzisch, wenn nicht auch Weingenießer auf ihre Kosten kämen, wie vom 9. bis 11. August bei der Kaisertafel oder am 21. und 22. September beim Bauernmarkt. Neben Weinfesten werden über die Tourist Information auch „Speyerer Genießerproben“ angeboten. Und wer es nicht so mit dem Wein hat – direkt gegenüber des Doms lockt seit vielen Jahren ein Brauhaus.

Nicole Baronsky-Ottmann in OPUS 74 (Juli / August 2019) auf S. 91 & 92

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