Wer Kaffee macht, muss davon leben können

Genossenschaft finanziert und fördert Kaffeeanbau in Kooperativen

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Kaffeebäuerin Dalinda Castillo in der Cafeteria, die sie mit Kolleginnen in San Ignacio im Norden Perus betreibt. Foto: © Opmeer Reports/Oikocredit

(red.) Auch wenn „das beliebteste Heißgetränk der Deutschen“ seit 2015 sogar einen internationalen Ehrentag am 1. Oktober bekommen hat: Vom Megageschäft mit dem Kaffee kommt bei den kleinbäuerlichen Produzent*innen oft nicht genug Geld für ein menschenwürdiges Leben an. Die internationale Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit finanziert und unterstützt deshalb zunehmend Kaffee-Kooperativen im globalen Süden.

„Wir halten zusammen“, sagt Dalinda Castillo. Sie ist Bäuerin und Mitglied der Kaffeekooperative Aprocassi in St. Ignacio im Norden Perus, eine der Partnerorganisationen, die seit 2012 mit Oikocredit zusammenarbeitet. Rund 600 Mitglieder haben sich bei Aprocassi zusammengeschlossen. Deren Zusammenhalt ist bitter nötig, damit die Kaffeeproduzent*innen überhaupt eine Chance auf dem Weltmarkt haben. Vom Kaffeegeschäft profitieren vor allem große Konzerne und Staaten im Norden – auf dem Rücken der Erzeuger*innen und Erzeugerländer, wie eine Studie des Forschungsinstituts BASIC im Auftrag der Fair-Handels-Organisationen Commerce Equitable France und Max Havelaar France sowie des Netzwerks “Repenser les filières” (zu Deutsch “Wertschöpfungsketten neu denken”) belegt. „Die Erzeugerländer erhalten nur einen geringen Anteil des in der Branche erwirtschafteten Wertes, während sie die meisten sozialen und umweltbedingten Folgen der Lieferkette zu tragen haben“, heißt es darin.

In Peru beispielsweise sind im Jahr 2017 nicht mehr als etwa zehn Prozent des durchschnittlichen, von den Konsument*innen gezahlten Kaffeepreises bei den Kaffeebäuer*innen angekommen, vom Endverkaufspreis des portionierten Kaffees sogar nur 2,7 Prozent – bei steigenden Produktionskosten. 1.500 bis 3.000 Dollar im Jahr erwirtschaften die Farmer*innen bei Aprocassi mit dem Kaffeeanbau im Schnitt. Rund drei Viertel der Mitglieder produzieren Bio-Kaffee, die anderen sind dabei umzustellen. Die Kooperative hat sich einen nationalen und internationalen Kundenstamm aufgebaut, der den hochwertigen Bio-Kaffee zu Fairhandels-Preisen abnimmt. „Landwirtschaft zu finanzieren erfordert viel Know-how und ist risikoreich, aber hier können wir ökonomisch und ökologisch wirklich viel erreichen“, sagt Werner Thorne, Leiter des Oikocredit-Büros Peru in Lima.

Damit Partner im Kaffeesektor klimabedingten Problemen wie Pilzbefall begegnen können, unterstützt Oikocredit sie mit Kapital zu besonderen Konditionen, beispielsweise mit variablen Rückzahlungen im Falle von Ernteausfällen. Beratung und Schulungen sollen sie zudem fit machen, um sich auf veränderte klimatische Bedingungen einzustellen und die Preisschwankungen im Kaffeesektor besser abfedern zu können. Um ihre Position in der Kaffee-Wertschöpfungskette zu verbessern und mehr Einkommen zu erwirtschaften, weiß man bei Oikocredit, brauchen die Kaffeeproduzent*innen und ihre Organisationen Zugang zu Finanzierungsmitteln. Menschen, die ihr Geld bei Oikocredit nachhaltig anlegen (derzeit 59.000 Anleger*innen weltweit), tragen dazu bei, dass der Kaffee nicht nur den Konsument*innen, sondern auch den Produzent*innen schmeckt.

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