Von Selbst- und Fremdkontrolle im Zeitalter der Digitalisierung

Neuer Roman der Saarbrücker Autorin Sonja Ruf: "Im Glanz der Kontrolle"

Buchcover “Im Glanz der Kontrolle”, Autorin: Sonja Ruf, erschienen im Konkursbuchverlag Claudia Gehrke Tübingen

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Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran, auch und gerade am Arbeitsplatz. Effizienz ist das, was zählt und oftmals auch das, wonach Menschen bewertet werden. Wer online nicht mithalten kann, der verliert den Anschluss – und damit ein Stück weit auch die Kontrolle über sein Tun. Das hat nicht selten Burnout zur Folge. In ihrem neuen Roman „Im Glanz der Kontrolle“ greift Sonja Ruf dieses absolut aktuelle gesellschaftspolitische Thema auf. Wer in der Arbeitswelt scheitert, der kommt in die Klinik Bad Hochwald. Dort sollen aus der Bahn Geratene wieder in die Spur gebracht werden. Um später reibungslos weiter zu funktionieren. Auch Miriam Schmitt, die Protagonistin des ersten von drei Buchteilen, landet in Hochwald: „Das Muster, das die meisten hierhertreibt, das auch mich einmal nach Bad Hochwald getrieben hat, ist einfach: mit fünfzig, mit plus minus fünfzig, passen wir nicht mehr zu unserer Arbeit. Wir versuchen wieder und wieder, uns passend zu machen und schaffen es nicht.“

In Bad Hochwald wird den Menschen geholfen. Auf eine wahnwitzig durchgeplante Art, die das Individuum gläsern macht und zur Nummer degradiert. Mit perfide ausgefeilter Kontrolle von außen, unter dem Deckmantel des Gutmenschentums. Miriam Schmitt bleibt auch nach Abschluss ihrer Behandlung in Hochwald und betreibt dort das Café Schmittchen. Sie stemmt sich gegen das System, findet kleine Schlupflöcher heraus aus der absoluten Kontrolle und mit dem Therapeuten Morten sogar eine neue Liebe.

“Im Glanz der Kontrolle“ wird erzählt aus der Perspektive von drei Frauen, deren Schicksale verknüpft sind. Auch Miriams Schwester Manuela, die dem zweiten Teil des Romans ihre Sichtweise verleiht, war eine Weile als Patientin in Bad Hochwald. Der Leser erfährt, wie sie ihr Leben nach der Klinik meistert – und auch, was Mobbing am Arbeitsplatz anrichten kann, ein weiteres hochaktuelles Thema in unserer Zeit. Im dritten Teil kommt Journalistin und Lyrikerin Mara Prochazka zu Wort, eine Freundin von Miriam und Manuela. Ihr „Menschenbuch“ ist das Ergebnis von Interviews mit Klinikangestellten und Rehabilitanden aus Bad Hochwald, in Gedichtform. Auch hier spielt Ruf auf vielfältige Weise mit „Kontrolle“ als Pattern.

Zur Autorin

Sonja Ruf, geboren 1967, lebt zur Zeit in Saarbrücken. Sie wuchs in einem 350-Seelen-Dorf im Nordschwarzwald auf. Seit 1990 Veröffentlichungen, Stipendien und Auszeichnungen, zuletzt u.a. Stadtschreiberin in Gotha und Stipendiatin in Wiepersdorf. Ruf arbeitete, sofern sie nicht in ein Künstlerhaus eingeladen war, als Lektorin, Kindermädchen, Ghostwriterin, Lokaljournalistin, Postausträgerin, Dramaturgin, im Anwaltsbüro, Geschichtsverein, Buchhandlung. Ab dem Alter von acht Jahren schrieb sie Tagebuch, das zu einem literarischen Notizbuch geworden ist. Seit 2015 ist Ruf Erzieherin in Teilzeit in städtischen Grundschulen.

Sonja Ruf © Franziska Ruf

red.

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