Vom Greesenumzug zum Fastnachtsmuseum – Zum Brauchtum der fünften Jahreszeit

Greesen in Saarwelling © Wolfgang Sauer und Gemeinde Saarwellingen

In der fünften Jahreszeit werden neben Karnevalsveranstaltungen, Büttenreden und Rathausstürmen auch noch andere, ursprünglichere Bräuche gefeiert. Einer davon wird jedes Jahr in Saarwellingen begangen. Dann sind wieder die „Greesen“ los. „Der ‚Fette Donnerstag‘, der Donnerstag vor Fastnacht, wird hier von jeher auf eine eigene Art gefeiert. In den Nachbargemeinden findet sich dazu kein ähnliches Gegenstück“, erklärt Norbert Müller-Adams, Ehrenpräsident der Saarwellinger Karnevalsgesellschaft Gold-Blaue-Funken e.V. Seit vierhundert Jahren, so die älteste urkundliche Erwähnung der Saarwellinger Fastnacht, treiben die „Greesen“ an diesem Tag ihr Unwesen. „Über die Figur und die Herkunft der ‚Greesen‘ gibt es vielerlei Deutungen. Auf den ersten Blick lässt sich die sprachliche Verbindung zur Greis herstellen“, berichtet Norbert Müller-Adams. Es gäbe aber auch andere Deutungen. Die „Greesen“ sind verkleidete junge Frauen, heute auch Männer, in altmodischen Frauenkleidern, die eine runzelige Maske und Kapotthütchen tragen. Der „Fette Donnerstag“ in Saarwellingen beginnt vormittags mit einem Sternenmarsch zum Rathaus. Höhepunkt des Saarwellinger Greesentags ist abends der Umzug zum Schlossplatz mit Rathaussturm und großem Feuerwerk. „In den letzten Jahren nimmt dieses Volksfest immer größere Ausmaße an. Viele tausend Besucher kommen aus den benachbarten Regionen, um das närrische Treiben mitzuerleben“, sagt Norbert Müller-Adams.

Der „Greesentag“ in Saarwellingen ist wohl einer der ältesten Fastnachtsbräuche in unserer Region. Daneben gibt es auch sehr junge Bräuche, die immer mehr in Mode kommen. Einer davon ist der Nachtumzug, der in vielen Orten in den letzten Jahren eingeführt wurde, wie in Graach, Osann-Monzel und Bernkastel-Kues an der Mosel, aber auch in Birkenfeld und Besseringen.

Wer mehr über das Brauchtum der Fastnacht wissen und sich über die lange Tradition des Karnevals informieren möchte, dem bieten die Fastnachtsmuseen in Mainz, Koblenz und Speyer allerhand Wissenswertes rund um Kostüme, Kamelle und Karneval. Oder man schaut sich die Sonderausstellung „Die Welt steht Kopf: Eine Kulturgeschichte des Karnevals“ im Stadtmuseum Simeonstift Trier bis zum 26.2. an.

Nicole Baronsky-Ottmann im OPUS Kulturmagazin Nr. 77 (Januar / Februar 2020), S. 93

Tipps für Umzüge

Nachtumzug in Graach: So., 23.2., 18:11 Uhr

Osann-Monzel: Fr., 21.2.

Bernkastel-Kues: Sa., 22.2., 18:33

Birkenfeld: Fr., 21.2.

Holz: Sa., 22.2. Besseringen: Fr., 21.2.

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