Stiftung Künstlernachlässe Mannheim – Arbeit ohne Ende, aber keine feste Bleibe

Die erfolgreiche Stiftung hat noch viel vor

Entwurf für Fenster der deutschsprachigen Kirche in Barcelona von Will Sohl © Familie Sohl, Foto H. J. Schröder

Es soll Künstlerwitwen gegeben haben, die den Nachlass ihres fleißigen Mannes aus Verzweiflung im Müll entsorgten. Zumindest in Mannheim muss man das nicht mehr befürchten – hier gibt es seit 2005 die Stiftung Künstlernachlässe, die sich mit 16 ehrenamtlichen Mitarbeitern um bedeutende Nachlässe von Söhnen (und Töchtern) der Stadt bemüht. Das Lebenswerk von zurzeit 14 Persönlichkeiten, die den kulturellen Stellenwert der Stadt prägten, ist bereits aufgearbeitet: in Form von Ausstellungen, digitalen Werkverzeichnissen, Publikationen, Vortragsreihen und dem Hochregallager in einer Industriehalle, wo Bilder und Skulpturen deponiert werden können.

Doch die 16 fleißigen Leute, (der Vorstand besteht heute aus Silvia Köhler, Susanne Kaeppele und Christine Schumann), können zwar seit 2012 auf die Hilfe eines Freundeskreises rechnen, aber es bleibt noch viel zu tun: Das Depot ist begrenzt, um Ausstellungsräume wird ständig gekämpft, und ein festes Domizil ist jüngst wieder ins Reich Utopia entschwunden, nachdem der Vermieter keine Nerven mehr hatte, auf Förderzusagen der Stadt zu warten. Die Stiftung strahlt einen schier unendlichen Optimismus aus; sie ist über den Mannheimer Kunstverein sowie über eine private Adresse zu erreichen und verfügt über den Zeitraum eines Jahres sogar über einen Ausstellungsraum, wo zuvor eine Fachbuchhandlung residierte. Aber das Terrain gehört zum Finanzamt, und das muss demnächst wegen Asbestverseuchung auseinandergenommen werden.

Landschaft von Hans Graeder aus dem umfangreichen Diabestand des Malers © H. J. Schröder

Immerhin findet bis 15. August eine zauberhafte kleine Sommerschau in dem nett hergerichteten Raum statt: „Sommer, Sonne, Strand und Meer“ vereint die französischen Sand- und Fundstücke-Collagen des Bretagne-Fans Norbert Nüssle (1932-2012). Die Exponate sind käuflich, und das ist für die Stiftung wichtig, finanziert sie sich doch zum Teil aus Verkäufen, zum andern Teil ist man interessiert daran, Kunstwerke nicht in einem „Bilderfriedhof“ zu verwahren, sondern wieder unter die Liebhaber zu bringen.

Mit Malerin Gabriele Dahms (1944-1999) wird die Ausstellungsserie vom 20. August bis 26. September fortgesetzt, es folgen Trude Stolp-Seitz (1913-2004)  vom 1. Oktober bis 5. November, Hans Graeder (1919-1998) vom 7. November bis 3. Dezember sowie Will Sohl (1906-1969) mit Arbeiten zu Kunst am Bau (5. Dezember bis 14. Januar). Und wer zum Freundeskreis stoßen will: mit 30 Euro im Jahr ist man dabei.

 

 

Christel Heybrock im OPUS Kulturmagazin Nr. 81 (September / Oktober 2020)

Weitere Informationen: www.kuenstlernachlaesse-mannheim.de

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