Die große Sonderausstellung „Hector Preis: Hiwa K“ in der Kunsthalle Mannheim

5. Juli bis 1. September

Hiwa K – Alchemy of Love © Daniels

Eine Luftaufnahme in Schwarzweiß von Mannheim 1943. Die Quadrate liegen zerstört in Reih und Glied nebeneinander. Dazwischen rote Linien: Es sind die Routen der Kampfmittelräumdienste. Dieses Foto hat Hiwa K für sein neustes Kunstwerk mit dem Titel „Alchemy of Love (Mannheim)“ auf einen riesigen Teppich drucken lassen. Dieser bespielt den mittleren Galerieraum der Sonderausstellung „Hector Preis: Hiwa K“, die am Donnerstag, feierlich von Dr. Peter Kurz, Oberbürgermeister der Stadt Mannheim, und Dr. Inge Herold, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle Mannheim, im Auditorium eröffnet wurde.

Hiwa K stellt Fragen der Zugehörigkeit und thematisiert Heimat, Identität und Macht. Mit konzeptionell und erzählerisch überzeugenden Kunstwerken liefert er Analysen global-gesellschaftlicher Verhältnisse und ihren Formen der Repräsentation. Mit seinem anekdotenreichen Werk hat er einen elementaren Beitrag zum interkulturellen Verständnis zwischen der arabischen und europäischen Lebenswelt geleistet. Kurator Dr. Sebastian Baden gruppiert in den drei Sonderausstellungsräumen des Neubaus ausgewählte Arbeiten des Hector-Preisträgers aus den Jahren 2009 bis 2019 in die Themenbereiche „Prekäre Telekommunikation“, „Meditation und Widerstand“ und „Migration der Gewalt“.

Zu den umfangreichsten jüngeren Arbeiten von Hiwa K zählt die Installation „The Bell Project“ (2014-15), die für die Biennale di Venezia 2015 entstanden ist. Aus den metallischen Überresten von Kriegsmaterial der Golfkriege im Irak, hat der Künstler eine Glocke gießen lassen. Die Metalle hatte der kurdische Munitionssammler Nazhad zusammenge-tragen, der aus Waffen, Minen und Kriegsgerät Eisenrohlinge herstellt und diese verkauft. So wurde ein historisch bekannter Prozess umgekehrt: Früher wurden Glocken wegen ihrer Bronze zu Kanonen eingeschmolzen, heute formt Hiwa K aus dem Metall alter Waffen eine Glocke.

Geboren wurde Hiwa K 1975 im kurdischen Teil des Irak, wo er Malerei studierte und sich mit europäischer Literatur, Philosophie und Musik Stellung und mischt sich ein in aktuelle gesellschaftliche Debatten – um Krieg, Ausgrenzung, Macht, Flucht, Identität und Herkunft. Diese Art der Auseinandersetzung sucht die neue Kunsthalle Mannheim, die sich einmischen und in die Gesellschaft hinein wirken will.“

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