Ein Spielzeitplan ohne Premierendatum – Staatstheater Mainz stellt Stücke vor

Staatstheater Mainz: Bis bald © Foto: Andreas Etter

Dieses Jahr ist alles anders: Produktion und Druck des Spielzeitheftes gestoppt, Pressekonferenz abgesagt, Spielplanpräsentation via Videostream. Das Staatstheater Mainz versucht zumindest den künftigen Betrieb am Laufen zu halten und präsentiert die Stücke der Spielzeit 2020/2021.

Da nicht bekannt ist, wann die Türen des Theaters wieder geöffnet werden dürfen, befindet sich der Zeitplan noch in der Schwebe. “Wir operieren mit unterschiedlichen Szenarien: Spielbeginn im späten Frühling, kurz vor den Ferien oder erst nach den Ferien. Jede Verschiebung hat weitreichende Auswirkungen auf den Probenplan, die Disposition, die Verfügbarkeit der künstlerischen Teams — ein Mehrspartenhaus ist ein kompliziertes Gebilde.”, erklären Intendant Markus Müller und Kommunikationsleiterin Sylvia Fritzinger.

Alle Termine sind ungewiss, das Programm aber steht. So dürfen sich Theaterfans, die sich gerade auf einer Durststrecke befinden, schonmal auf 30 Premieren und 26 Wiederaufnahmen freuen.

Historisches Programm im Schauspiel

In der heutigen, außergewöhnlichen Zeit, blickt das Staatstheater Mainz zurück auf Phasen des Ausnahmezustands, die sich im Rahmen der kommenden Spielzeit jähren. Das Ende des Zweiten Weltkrieges liegt 2020 bereits 75 Jahre zurück, die Deutsche Reisgründung jährt sich 2021 zum 150. Mal.

“Also versichern wir uns im Schauspielplan der kommenden Saison der Zeugenschaft in der Literatur — Autor*innen insbesondere des 20. Jahrhunderts, die als literarische Chronist*innen ihrer Zeit für uns wertvoll
sind. Denn wir spüren gerade in überfordernden Zeiten wie diesen, dass es hilfreich für die Gegenwart und erst recht für den Entwurf von Zukunft ist, die Vergangenheit nicht zu vergessen.”, so Jörg Vorhaber, Chefdramaturg des Schauspiels. Aus diesem Grund stehen Mutter Courage (Regie: K.D. Schmidt), Der Untertan (Regie: Christoph Frick), Transit (Regie: Brit Bartkowiak), Die bitteren Tränen der Petra von Kant (Regie: Pauline Beaulieu) und Nicht Fisch nicht Fleisch (Regie: K.D. Schmidt) auf dem Programm. Sven Regeners Tragikomödie Herr Lehmann und Schillers Kabale und Liebe reihen sich ein.

Im Fokus soll jedoch nicht nur die deutsche Geschichte stehen, sondern auch die europäische. Intendant Markus Müller erinnert ausdrücklich daran, dass zwar momentan die Grenzen geschlossen sind, wir jedoch den europäischgen Gedanken nicht vergessen dürfen und – sobald wieder möglich – leben sollen. Vor diesem Hintergrund wurde der flämische Autor Stijn Devillè damit beauftragt, ein Stück zu schreiben, das sich mit dem Versailler Vertrag und dessen Folgen auseinandersetzt. Dies wird nur eine von insgesamt fünf Uraufführungen werden.

Musiktheater in Umbruchszeiten

Die Spielzeit wird eröffnet mit einem Werk, das aufgrund seiner Geschichte kaum besser zur aktuellen Situation passen könnte: “Die Eröffnungspremiere der Oper entstand genau in der Umbruchszeit der Reichsgründung, ihre Uraufführung 1873 wurde wegen der Wirtschaftskrise („Gründerkrach der Börsen“) mehrfach verschoben —
Die Fledermaus von Johann Strauß wurde also geboren in einer Ausnahmesituation, womit wir wieder beim Thema wären. Die Sehnsucht nach kluger Unterhaltung wird bei uns durch die verordnete Vereinzelung unserer Zeit befeuert und so ist der Saisonstart mit einem rauschhaften
Champagnerwerk Grund zur Vorfreude. Die Produktion entsteht in Kooperation mit dem Staatstheater Nürnberg und der Opéra National du Rhin, die musikalische Leitung liegt bei Daniel Montané, es inszeniert Waut Koeken.”

Neben der Deutschen Erstaufführung der zeitgenössischen, französischen Oper Perelà (Arthur Honegger und Jacques Ibert) darf sich das Publikum auf selten gespielte Werke von Verdi und Mozart freuen: Ernani und La finta giardiniera.

Weitere Stücke:

  • Die Eroberung von Mexika (Wolfgang Rihm)
  • Marco Polo (Claude Vivier)
  • Im Dickicht (Isabel Mundry und Händl Klaus)
  • Der Freischütz (Carl Maria von Weber)

Tanz auf der Suche

“Für tanzmainz stellt sich die Frage nach der Entstehungszeit der Werke nicht, denn die erfolgreiche Tanzsparte wird als „Place of Creation“ auch weiterhin grundsätzlich originäre Werke erschaffen.” Dazu zählt beispielsweise die Performance Ikarus in der Choreografie von Felix Berner, die sich mit der Frage nach dem richtigen Maß an Risikobereitschaft auseinandersetzt. Mit Rätseln und möglicherweise auch Antworten geht es in Sphinx weiter (Uraufführung von Rafaële Giovanola). Und in die Thematik des Suchens reiht sich außerdem wannabee (not) me von Willi Dorner ein, mit einem Blick auf die eigene Persönlichkeit.

Zu ästhetischen Reisen sind alle Zuschauer*innen bei den Produktionen The Cell und Le Sacre eingeladen. Erstere wurde vom taiwanesischen Choreografen Po-Cheng Tsai inszeniert und verbindet zeitgenössischen westlichen Tanz, Urban Dance und asiatische Bewegungstraditionen. Zweitere bedient sich der Subkultur des Londoner Nachtlebens. “Vor der aktuellen Kulisse einer nie dagewesenen gesellschaftlichen und sozialen Abstinenz erscheint diese Feier der Freiheit fast schon wie ein utopisches
Moment.”

Für die Kleinsten

Als Familienstücke werden Timm Thaler im kleinen Haus und Die Bremer Stadtmusikanten im großen Haus aufgeführt. Das Kindermusiktheater Wunderland und die Tanzproduktion Ikarus gewähren auch den jungen Zuschauer*innen Einblicke in andere Sparten neben dem Schauspiel.

Weitere Informationen: www.staatstheater-mainz.com

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