Staatstheater Mainz – Novemberprogramm

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Wehret den Anfängen: Unter diesem Titel laden wir Sie ein, mit uns am 8. November die mahnende Erinnerung an die Reichspogromnacht wachzuhalten, die vor 80 Jahren das furchtbare Fanal zur Vertreibung und systematischen Ermordung der Juden in Deutschland war. Friedrich Roeingh spricht mit Michel Friedman über die Vergangenheit, aber vor allem auch über die Gegenwart. „Der Schoß ist fruchtbar noch aus dem das kroch“, schrieb Bertolt Brecht: Wie bedrohlich ist die gesellschaftliche und politische Entwicklung heute? Dass es mittlerweile bei uns wieder eine sehr lebendige jüdische Kulturszene gibt, ist hingegen ein großes Glück. Das wollen wir zeigen und feiern – und haben Sandra Kreisler mit ihrem jüdischen Liederabend Schum Davar eingeladen. Sie wird die Veranstaltung im Kleinen Haus eröffnen und mit einem Konzert abschließen. Wir freuen uns sehr, wenn Sie den Abend ankündigen und laden Sie sehr herzlich dazu ein! Unsere große Musiktheaterpremiere im November sortiert sich ebenfalls in diesen Kontext: Als Theater stehen wir auch in der Verantwortung, das Erbe der Künstlerinnen und Künstler lebendig zu halten, die unter den Nationalsozialisten verboten, verjagt, verhindert wurden. Paul Abrahams Märchen im Grand Hotel wird bei uns über achtzig Jahre nach seiner Entstehung die szenische Erstaufführung in Deutschland erleben. Der jüdisch-ungarische Komponist verließ nach der Machtergreifung Anfang der 1930er Jahre Berlin, als seine Werke hier längst nicht mehr gespielt werden durften. Märchen im Grand Hotel wurde in Wien uraufgeführt und gefeiert. Mit Recht, denn es ist ein wunderbar mitreißendes Werk, musikalisch faszinierend in der lässigen Kombination aus Operette, Jazz und Swing. Peter Jordan und Leonhard Koppelmann, die bei uns bereits Pension Schöller und Im Weißen Rössl inszeniert haben, führen Regie, die musikalische
Leitung liegt bei Samuel Hogarth. Am 25. November ist Premiere im Großen Haus.

Wir bleiben beim Thema, auch im Schauspiel. Wenn zunehmend radikaler Nationalismus das liberale Europa zu ersticken droht, gilt es, das Konzept der Nation zu durchleuchten. Der britische Autor und Theatermacher Chris Thorpe hat das auf bemerken werte Weise getan. Mit der Uraufführung seines Monologs Status gewann er in diesem Jahr einen der begehrten Fringe First Awards — nun kommt die deutsche
Variante des vom Staatstheater Mainz koproduzierten Abends zur Premiere. Regie führt Jana Vetten.
Um herauszufinden, was es eigentlich bedeutet britisch zu sein, hat sich Thorpe auf die Reise begeben: Sie führt ihn nach Deutschland, dann nach Amerika ins Land der Navaho, nach Singapur ins Herz des ungezähmten Radikalkapitalismus und schließlich wieder über Frankfurt zurück nach England. Status ist ein
Road Movie mit Musik, an dessen Ende Chris Thorpes Erkenntnis steht, dass trotz allen Entsetzens über den Brexit die nationale Identität nichts ist, das man so einfach loswerden kann… Wir laden Sie herzlich ein zur Premiere am 24. November auf U17.

Nothing, also Nichts, steht am Anfang, wenn der Choreograf Roy Assaf seine kreative Arbeit mit einer Compagnie beginnt. Ganz bewusst entwickelt er seine Produktionen im Austausch mit den Tänzerinnen und Tänzern, wenn er sie kennengelernt hat und sich von ihnen inspirieren lässt. Wir wissen nur, dass uns eine sehr tänzerische Arbeit erwartet. Und man darf gespannt sein, wie virtuos das Ensemble von tanzmainz aus dem Nichts eine neue Tanzproduktion erschaffen hat, wenn am 21. November im Kleinen Haus Premiere ist.

Mit schöner Zuverlässigkeit beginnt im November die Zeit der großen Familienstücke und Weihnachtsmärchen. Pünktchen und Anton nach dem Roman von Erich Kästner wird in diesem Jahr tausende Kinder mit ihren Familien oder Schulklassen ins Staatstheater Mainz führen. Wir freuen uns sehr auf die Inszenierung von Niklaus Helbling, Premiere ist am 4. November, natürlich im Großen Haus.

Im 3. Sinfoniekonzert am 9. und 10. November stehen Beethoven, Tschaikowskij und Alexander Zemlinsky auf dem Programm, als Solist spielt Mihail Katev (Violine),
Eugene Tzigane wird als Dirigent zu Gast im GroßenHaus des Staatstheaters sein.

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