Sarkophag und Epitaph im Landesmuseum Mainz eingetroffen

Wertvolle Objekte aus Lorsch werden in Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ gezeigt

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Das Epitaph eines Lorscher Klosterlehrers © Staatliche Schlösser und Gärten Hessen

 

(red.) Sie stammen aus dem 9. Jahrhundert, sind herausragende Zeugnisse der karolingischen Epoche und haben heute erstmals die historischen Mauern des Klosters Lorsch in Hessen verlassen: ein Pilastersarkophag, in dem 876 der ostfränkische König Ludwig der Deutsche, Enkel Karls des Großen, beigesetzt worden sein soll, sowie das Epitaph eines Klosterlehrers mit einer poetischen lateinischen Inschrift. Beide Objekte sind heute Morgen aus dem Schaudepot Zehntscheune im Kloster Lorsch in Richtung Mainz abtransportiert worden. Dort bereichern sie die große Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht. Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa“, die ab 9. September 2020 im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) startet. „Der Sarkophag und das Epitaph passen hervorragend in das Konzept unserer Mittelalter-Schau. Wir sind den Kolleginnen und Kollegen von der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen daher sehr dankbar, dass wir diese Leihgaben in unserer Landesausstellung zeigen dürfen“, freut sich Thomas Metz, Generaldirektor der GDKE. „Wir kooperieren immer sehr gerne mit unseren rheinland-pfälzischen KollegInnen von der Generaldirektion Kulturelles Erbe“, bestätigt Kirsten Worms, Direktorin der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen (SG). „Unser gemeinsamer Kulturraum macht an den heutigen Ländergrenzen nicht halt. Daher freue mich sehr, dass wir mit unseren Leihgaben das große Ausstellungsprojekt im Mainzer Landesmuseum unterstützen können“, so Worms weiter.

Der Sarkophag aus hellem Sandstein wurde um 1800 zusammen mit anderen Sarkophagen auf dem Lorscher Klostergelände gefunden. Der kurmainzische Oberforstmeister Carl Freiherr von Hausen – Lorsch stand damals unter Kurmainzer Herrschaft – hatte dort nach Schätzen graben lassen. Alle anderen Sarkophage, die dabei entdeckt wurden, sind bis heute verschollen. Im abgebrochenen Ostchor der Basilika stieß man vermutlich auf eine verschüttete Gruft, die zuletzt der Mainzer Domvikar Georg Helwich Anfang des 17. Jahrhunderts in noch intaktem Zustand besichtigt und beschrieben hatte. Laut eigenen Angaben hat Helwich dort die Gräber der Könige gesehen, allerdings konnte er nicht feststellen, welcher König in welchem Sarkophag bestattet war – allen Särgen fehlte eine Inschrift. Nach zeitgenössischen Berichten lagen im Sarkophag, der bei der Bergung zerbrach, die Reste eines männlichen Toten, der in ein kostbares Gewand gehüllt war und Stiefel und Sporen trug. Diese Beigaben sind verschollen. Der Sarkophag wurde fortan in der karolingischen Torhalle aufbewahrt, wo Historikern später auffiel, dass sein Dekor Parallelen zur Bauzier der Torhalle aufwies. Dies nährte die Vermutung, dass es sich bei dem Sarkophag um die letzte Ruhestätte der prominentesten Persönlichkeit handeln könnte, die je im Kloster beigesetzt wurde: den ostfränkischen König Ludwig den Deutschen, der am 28. August 876 in Frankfurt gestorben war und schon einen Tag später in Lorsch begraben wurde.
Bei dem Epitaph handelt es sich um eine steinerne Tafel mit sorgfältig eingemeißelter Grabinschrift, es ist das einzige aus der Karolingerzeit bekannte inschriftliche Denkmal für einen Klosterlehrer. Der textliche Bezug auf den spätantiken Schulautor Prudentius verdeutlicht die Stellung des Klosters Lorsch als karolingisches Bildungszentrum. Die Capitalis-Buchstaben der Inschrift sind Ausdruck des karolingischen Klassizismus. Das Epitaph ist ein Beispiel für die unter Karl dem Großen angestrebte vereinheitlichte Schrift. Dr. Hermann Schefers, Leiter der Welterbestätte, vermutet: „Vielleicht war es ein Schüler, der seinem Klosterlehrer nicht nur ein Denkmal seines unermüdlichen pädagogischen Eifers setzte, sondern auch zeigen wollte, was er bei ihm in Latein gelernt hatte: Der Text ist im anspruchsvollen Versmaß eines leoninischen Hexameters formuliert. Und wir erfahren außerdem, dass Unterrichten auch vor über tausend Jahren kein leichtes Geschäft war.“
Für Dr. Birgit Heide, Direktorin des Landesmuseums Mainz, ergänzen die beiden Objekte ideal die ohnehin mit einzigartigen Exponaten bestückte Ausstellung: „Diese steinernen Zeugen unterstreichen die zentrale Bedeutung der Karolinger als eine der prägendsten Herrscherdynastien des Mittelalters – der Sarkophag steht dabei stellvertretend für die enorme Bedeutung des Klosters

Lorsch, während das Epitaph einen wunderbaren und amüsanten Einblick in das Leben einer Klosterschule gewährt und damit auch ein Beispiel karolingerzeitlicher Bildungspolitik ist.“
Die Leihgaben sind ab 9. September in der Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ zu sehen. Die Landesausstellung – unter der Schirmherrschaft der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer – beleuchtet erstmals das dynamische Beziehungsgeflecht, in dem über einen Zeitraum von fünf Jahrhunderten Kaiser und Könige, Fürsten und Feldherren, Ritter und Reichsfürsten, Bürger und Städte miteinander verwoben waren. Sie wagt einen Blick hinter die Kulissen und vermittelt ein differenziertes Bild vom Kaisertum im Mittelalter.

Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51.

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