Experimente mit Form, Prozess und Rezeption – “Robert Morris. The Perceiving Body” ab 8.2. im MUDAM Luxembourg

Robert Morris, Untitled (Portland Mirrors), 1977, Collection of the Estate of Robert Morris | Courtesy Castelli Gallery, New York © 2020 The Estate of Robert Morris / Artists Rights Society (ARS), New York

Das Mudam Luxemburg – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean zeigt eine bedeutende monografische Ausstellung des Frühwerks von Robert Morris (1931, Kansas City, Missouri; †2018, Kingston, New York).

Morris, der eine führende Rolle in der Entwicklung der Minimal-, Postminimal- und Konzeptkunst spielte, ist eine Schlüsselfigur in der Geschichte der amerikanischen Bildhauerei nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Ausstellung, die im Dialog mit dem Künstler vor seinem Tod im Jahr 2018 entwickelt wurde, bietet die seltene Gelegenheit, bedeutende Arbeiten der 1960er- und 70er-Jahre aus renommierten öffentlichen und privaten Sammlungen und dem Nachlass des Künstlers zu sehen.

Die über fünf Räume auf zwei Ebenen des Museums verteilte Ausstellung Robert Morris. The Perceiving Body rückt die frühen Experimente des Künstlers mit Form, Prozess und Rezeption in den Blickpunkt. Die Arbeiten aus den Jahren 1961 bis 1977 stehen fast ausnahmslos im Zusammenhang mit der Minimal- und Postminimal-Kunst, die Morris auch durch seine zahlreichen theoretischen Schriften entscheidend mitgeprägt hat. Morris’ Arbeit rückt die direkte oder nicht vermittelte Begegnung mit dem skulpturalen Objekt in den Vordergrund der künstlerischen Erfahrung. Die Ausstellung greift diesen Gedanken auf, indem sie die konventionelle Form der Anthologie oder Retrospektive zugunsten einer Auswahl von großen Installationen und verwandten Werkgruppen aufgibt. Jeder Raum hebt somit einen bestimmten Aspekt im Gesamtwerk hervor, der aber gleichzeitig in seiner Beziehung zu allen anderen erscheint. Morris selbst bezeichnete seine Praxis als eine Reihe von „Untersuchungen“ (investigations). Die hier versammelten Arbeiten, die unter Anwendung von wiederkehrenden Arbeitsprinzipien wie Permutation, Wiederholung und Zufall entstanden sind, zeugen von analytischer Präzision und affektiver Wirkmacht zugleich.

Zu den Exponaten in der Ausstellung gehören richtungsweisende Arbeiten wie Untitled (3Ls) (1965/1970), Untitled (Mirrored Cubes) (1965/1971) und Untitled (Ring with Light), (1965-66/1993) sowie eine Serie von Arbeiten aus Industriefilz. Gezeigt werden zudem zwei großformatige Werke, die jeweils einen Raum einnehmen: Untitled (Scatter Piece) (1968-69/2009), ein Werk „ohne Idealoder Originalzustand“, nimmt die Form einer raumgreifenden, 200-teiligen Installation ein, die zur Hälfte aus sechs Metallen (Stahl, Aluminium, Zink, Kupfer, Blei, Messing) und zur anderen aus Industriefilz besteht, und deren aleatorisches Herstellungsprinzip dem Werk des Komponisten John Cage (1912, Los Angeles – 1992, New York) entlehnt ist. Ihre Anordnung ist nicht vorab festgelegt, sondern ergibt sich bei jeder Ausstellung neu. Daneben wird Untitled (Portland Mirrors) (1977), ein Arrangement aus Spiegeln und Balken, das einen imaginären Raum entstehen lässt, in der großen Eingangshalle zu sehen sein.

Die Ausstellung Robert Morris. The Perceiving Body enthält zahlreiche Leihgaben aus renommierten Museen, darunter das Solomon R. Guggenheim Museum, New York, das Art Institute of Chicago und die Tate Modern in London und weitere öffentliche und private Sammlungen. Sie wurde in Zusammenarbeit mit dem Musée d’art moderne et contemporain de Saint-Étienne Métropole entworfen, wo sie vom 6. Juni bis zum 27. September 2020 gezeigt wird.

Biographie des Künstlers

Robert Morris (1931, Kansas City, Missouri; †2018, Kingston, New York) war eine der führenden Künstlerfiguren in der Geschichte der Minimal-, Postminimal- und Konzeptkunst. Als prominenter Kritiker trug er zudem maßgeblich zum theoretischen Diskurs der Kunst nach 1960 bei. Seine erste Ausstellung in der Green Gallery im Jahr 1963 war die Geburtsstunde des Minimalismus, einer Bewegung, die 1966 durch die Gruppenausstellung Primary Structures im Jewish Museum in New York, wo Morris’ Arbeiten neben Skulpturen von Carl Andre, Dan Flavin, Donald Judd, Sol LeWitt und anderen zu sehen waren, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich wurde. Morris leistete zudem wichtige Beiträge zur Land Art, Process Art und Performance sowie zum Avantgarde-Film. Sein Werk war Gegenstand umfangreicher monografischer Ausstellungen am Institut Valencià d’Art Modern (2011); Museum Abteiberg, Mönchengladbach (2009); Tate Modern, London (2009); Museum of Modern Art, New York (2008); Museum Ludwig, Köln (2002); und Musée d’art contemporain de Lyon (2000).

Biografie des Kurators
Jeffrey Weiss ist freischaffender Kurator und Kritiker. Er war Chefkurator am Solomon R. Guggenheim Museum in New York (2010–2018); Direktor der Dia Art Foundation, New York (2007–2008); sowie Kurator und Leiter der Abteilung für moderne und zeitgenössische Kunst der National Gallery of Art, Washington, D.C. (2000–2007). Seit 2008 ist er Außerordentlicher Professor am Institute of Fine Arts der New York University. Weiss hat bedeutende Werkausstellungen unter anderem von On Kawara, Mark Rothko, Pablo Picasso, Jasper Johns und Robert Morris organisiert. Er schreibt regelmäßig Beiträge für Artforum und ist Herausgeber und Autor mehrerer Bücher, darunter Robert Morris: Object Sculpture, 1960–1965 (2014). Er lebt und arbeitet in New York.

Weitere Informationen: www.mudam.com

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