Rheingau Musik Festival: Sternstunden

Anna Prohaska und Valentin Malinin // Copyright: Christoph Valentien & Daria Kornysheva / Rheingau Musik Festival /


von Kurt Bohr

Nicht erst seit dieser Saison hat sich das Rheingau Musik Festival – auch im internationalen Vergleich – in der Topliga etabliert. Das gilt für die Qualität der Darbietungen und den Zuspruch des Publikums gleichermaßen.
Es war eine echte Sternstunde, als am 7. August im Kloster Eberbach das renommierte und Ensemble Il Giardino Armonico unter Giovanni Antonini auftrat und mit Henry Purcells Ouvertüre aus „Dido und Äneas“ das Auditorium in ihren Bann zog. Dieses „solistische“ Ensemble begleitete dann die fabelhafte Sopranistin Anna Prohaska zu Arien der Dido aus den Opern von Francesco Cavalli, Christoph Graupner, Johann Adolf Hasse und Henry Purcell sowie der Kleopatra aus „Cäsar in Ägypten“ von Daniele da Castrovillari, Georg Friedrich Händel und Antonio Sartorius. Mit ihrer geschmeidigen, betörend schönen Stimme meistert sie die Oktavensprünge und so manche exzentrische Herausforderung der Barockoper mit scheinbar müheloser Perfektion. Und sie schafft es auch, die Gefühle ihrer Heldinnen und deren Leiden, Qualen und Sehnsüchte authentisch wirken zu lassen, nicht zuletzt auch durch ihr lebhaftes Mienenspiel und ihre Körpersprache. Zwischen den Arien bezaubert der Giardino Armonico mit Orchesterstücken von Matthew Locke („The Tempest“), Händel (Concertio Grosso OP. 6 Nr. 8) und einer Passacaille vonLuigi Rossi, wobei Maestro Antonini auch als Flötensolist brilliert. Zum Abschluss Standing Ovations des begeisterten Publikums.
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Es hat nahezu schon Tradition, dass beim Rheingau Musik Festival virtuose Nachwuchspianisten der russischen Schule auftreten. Am 19. August wurde in der Reihe „Next Generation“ wieder einmal erlesene Klavierkunst präsentiert. Nicht gerade leichte Kost haben sich die jungen Leute ausgesucht, es waren eher Bravourstücke. Ale studieren noch am Tschakowski Konservatorium in Moskau
Die 14-jährige Aksinia Potemkin bietet bereits ausgereifte Technik bei den „Variations brillantes“ von Chopin, Partienen aus den „Cinq morceaux de fantaisie“ von Rachmaninow und den „Années de pélerinage“ von Liszt. Große interpretatorische Reife gepaart mit exzellenter Technik zeichnet die 2011 geborene Angelina Kuznetsowa aus. Sie überzeugt mit dem „Thème Original et varitions“ aus den „Six morceaux“ von Tschaikowski und der exquisiten Sonate für Klavier Nummer 7 von Prokofjew.
Glanzvoller Höhepunkt dieses Klavierrécitals war schließlich der Auftritt von Valentin Malinin, der Pianokunst auf allerhöchstem Niveau zu Gehör brachte. Mit geradezu atemberaubenden Tastenläufen stupender künstlerischer Reife eroberte er die Herzen des Publikums im Sturm. Er spielte Einzelstücke aus den vier Etüden von Prokofjew, den „Grandes Études nach Paganini“ von Liszt und aus den zwölf Etüden in allen Molltonarten von Marc-André Hamelin sowie aus Präludien von Rachmaninow und den „Cinq morceaux“ von Georgi Catoire. Dieser auch im Auftritt ausdrucksstarke junge Pianist bringt alle Voraussetzungen für eine große internationale Karriere mit nach dem Vorbild zahlreicher Weltstars der russischen Schule. Lang anhaltender lebhafter Beifall für die jungen Klaviervirtuosen, die sich mit mehreren Zugaben bedankten. Man darf sich auf die nächste Ausgabe des Rheingau Musik Festival 2019 freuen.

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