Nationaltheater Mannheim – Junge Autoren stehen im Mittelpunkt

Schauspiel-Intendant Burkhard C. Kosminski verlässt nach elf Jahren das Nationaltheater Mannheim. © Burkhard C. Kosminski

Schauspiel-Intendant Burkhard C. Kosminski stellt seinen letzten Spielplan für Mannheim vor

So etwas gilt in der Theaterszene schon fast als Ära. Seit elf Jahren lenkt Burkhard C. Kosminski die Geschicke am Schauspiel des Mannheimer Nationaltheaters. Zur Saison 2018/19 geht er ans Staatsschauspiel Stuttgart als Intendant und folgt dort Armin Petras. „Für mich ist es eine große Freude und Ehre bald in dem Theater zu arbeiten, in dem ich sozialisiert worden bin“, sagt der gebürtige Schwabe in einem Interview. In der baden-württembergischen Landeshauptstadt will er jene Akzente setzen, für die er auch in Mannheim bekannt ist: die Förderung junger Autoren. Sie stellt der 56-jährige Theatermann noch stärker in den Vordergrund als neue Regie-Handschriften. „Ich gehe erst einmal von der Literatur aus“, betont er.
Diese Herangehensweise spiegelt sich auch im letzten Spielplan für sein Mannheimer Ensemble wider. Sechs Uraufführungen sind geplant, dazu die deutsche Erstaufführung von „X“, der dritten Arbeit des Briten Alistar McDowell, die am Nationaltheater zu sehen ist, sowie die Inszenierung von „Dosenfleisch“ des Österreichers Ferdinand Schmalz. Sein deftig-derber Bühnenthriller, 2015 am Wiener Burgtheater uraufgeführt, rast durch Autobahnverkehr und Raststätten-Philosophie.

Regelmäßig erteilte Kosminski zeitgenössischen Dramatikern wie Roland Schimmelpfennig, Philipp Löhle, Albert Ostermaier oder Theresia Walser Aufträge, für das Mannheimer Haus Stücke zu schreiben. Und mit Walser, 1999 zur Autorin des Jahres gekürt, schließt sich nun ein Kreis. Zu Kosminskis Einstand verfasste sie 2006 „Ein bisschen Ruhe vor dem Sturm“. Das Kurzdrama handelt von drei Schauspielern, die sich auf eine Podiumsdiskussion vorbereiten, in der es um die Darstellbarkeit Hitlers gehen soll. Jetzt fügt die Autorin dem Stück mit „Nach der Ruhe vor dem Sturm“ einen Schlussakkord hinzu. Uraufgeführt werden darüber hinaus Anja Hillings Theatertext mit dem komplizierten Titel „Wie kann ich dich finden, zu mir ziehen und überreden zu bleiben“ und „Paradies spielen“ des ehemaligen Hausautors Thomas Köck.

Ein Merkmal der Intendanz Kosminskis ist auch die Öffnung für neue Tendenzen. Es gab und gibt Flüchtlings- und Bürgertheater Ebenfalls ein Beispiel für die Experimentierlust ist die sechs Stunden dauernde Theater-Installation „Das Heuvolk“, welche die Performance-Gruppe Signa während der Internationalen Schillertage im Juni in einer ehemaligen US-Kaserne geschaffen hat. Höhepunkt der Kosminski- Jahre war das Festival „Theater der Welt“, das der Schauspielchef zusammen mit dem Kurator und jetzigen Intendanten der Münchner Kammerspiele, Matthias Lilienthal, 2014 in Mannheim präsentierte. Die Aufführungen drangen in Grenzregionen vor und bezogen dabei die ganze Stadt mit ein. Für das Projekt „Hotel shabbyshabby“ etwa wurden auf Dächern, Bäumen und Verkehrsinseln provisorische Hütten gezimmert, in denen Freiwillige übernachten konnten. Geblieben ist das Bürgertheater. Es bringt in der kommenden Spielzeit noch zwei neue Projekte auf die Bühne, bevor sich im Juli 2018 der Vorhang für Kosminski am Nationaltheater senkt.

Text: Astrid Möslinger

 

 

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