Nils Holger Moormann: Möbelhändler und Designer mit dem Instinkt für Erfolg

Manchmal kommt es darauf an, im richtigen Moment anzuhalten. So wie Nils Holger Moormann, der Anfang der 1980er einen Anhalter mitnahm und damit seinem Lebensweg eine entscheidende Wendung gab. Seitdem sitzt und denkt der Designer und Möbelhersteller in seinem gleichnamigen Unternehmen mitten im beschaulichen Aschau im Chiemgau und revolutioniert nachhaltig das Möbeldesign. Ein Freigeist mit unaufhaltsamer Leidenschaft für Eigen- wie Besonderheiten. Quer zu den Konventionen: Ob mit Piratenflaggen vor weiß-blauem Himmel oder einem Rennen mit motorisierten Lesesesseln, für „Spinnereien“ ist er sich nie zu schade; sie gehören bei Moormann irgendwie zum guten Ton, sind quasi Alltag. Kreativität ist sein Markenzeichen. Als Sohn eines Stuttgarter Textilunternehmers hat sich der Quereinsteiger schon immer seinen eigenen Weg gesucht. Ganz nach seinem Lieblingssatz: „In einer Sache bin ich stur: Flexibilität.“

Nils Holger Moormann, Bild 2, FNP Raum-off,

Nach besagter Autofahrt beendete der 29-Jährige sein Jurastudium und begann – inspiriert von der jungen engagierten Designszene, über die der Anhalter erzählt hatte – von heute auf morgen Möbel zu vertreiben. Ohne Vorkenntnisse, ohne Businessplan, voller Neugierde und Entdeckerdrang. Seinen ersten Erfolg feierte er mit dem „Gespannten Regal“ von Wolfgang Laubersheimer, das bis heute im Schwange geblieben ist. Im Laufe der Jahre etablierte sich die Firma zu einem der wichtigsten Vertreter des Neuen Deutschen Designs. Einfachheit und Funktionalität stehen im Fokus, sowohl in den Detaillösungen wie im Material. „Ich wollte nie im Trend sein“, meint Moormann, der inzwischen mit unzähligen Designpreisen ausgezeichnet wurde und selbst als Juror tätig ist. Und vermutlich liegt genau hier das Geheimnis seiner Genialität und seines Erfolgs. Ob mit dem Regalklassiker „FNP“ von Axel Kufus, der Garderobe „Hut ab“ von Konstantin Grcic oder dem „Pressed Chair“ von Harry Thaler, einem standhaften Stuhl geformt aus einem einzigen Stück Blech.
Im Mittelpunkt steht nie der Name des Designers, sondern immer die Überzeugungskraft des Entwurfs. Über 50 Möbel gehören inzwischen zur Kollektion. Dazu zählen auch viele Möbel, die von Moormann selbst entworfen wurden, wie die Truhe „Trude“, der Lesesessel „Bookinist“ oder die „Kampenwand“, eine gut gesicherte Bank mit rotem Faden. Sie alle verbindet eine reduzierte Formensprache mit viel Sinn fürs Detail und Material – die Reduktion aufs Wesentliche sowie die regional orientierte Produktion. Die nachhaltige Produktion mit regionalen Betrieben ist Teil von Moormanns Philosophie. Hier haben die Kühe auf der Weide tatsächlich noch fast alles im Blick. Und stehen von Zeit zu Zeit auch gerne mal im Weg herum.
Seit ein paar Jahren gehört auch das Gästehaus „berge“ zum Portfolio des Kreuz- und Querdenkers. Hier heißt es „Wer die Berge liebt, akzeptiert ihre Bedingungen.“ Almenrausch statt Fernsehgeflimmer, Bauerngarten statt Wellnesswhirlpool, Selbstversorgung statt Sterneküche und selbst der Handyempfang ist nur eingeschränkt verfügbar. Dafür hat jedes Zimmer und jede Wohnung ihren ganz eigenen und besonderen Charakter, mit sehr viel Liebe zum Detail. Alles weglassen, was unnötig ist. Und einfach nur sein. Die Berge und ihre Umgebung sind auch für den Herbergsvater ein elementarer Inspirationsquell.

Denn hier findet der kreative Kopf seine Ruhe und seinen Rückzug, schon beim Anblick und am liebsten natürlich beim Ausblick zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Kurz an- und innehalten, im richtigen Moment. Und Luft holen, bevor es wieder weitergeht mit dem nächsten Projekt. Denn wirklich lange stillsitzen kann Moormann nicht. Dafür hat er viel zu viel Spaß an den Dingen und am Ideen spinnen – mit klarer Haltung, in alle Himmelrichtungen. Übrigens, wenn man nicht nach Bayern reisen will, um Moormanns Möbel zu Gesicht zu bekommen: bei Möbel Maurer in der Dudweilerstr. 94 in Saarbrücken gibt es die Gelegenheit dazu.

www.maurer-einrichtungen.de

Text: Kurt Bohr

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