Neuerwerbung für die Sammlung der Kunsthalle Karlsruhe

Selbstbildnis von Marie Benoist bereichert die französische Abteilung

Jetzt teilen
Selbstbildnis von Marie Benoist © Kunsthalle Karlsruhe

 

Karlsruhe, 05.11.2020. Gerade in diesen unbeständigen Zeiten ist es wichtig, positive Meldungen zu kommunizieren: Die Staatliche Kunsthalle Karlsruhe hat ihre Sammlung durch ein bedeutendes Gemälde, das Selbstbildnis der Marie-Guilhelmine Laville-Leroux, die unter ihrem späteren Namen Benoist (1768–1826) bekannt ist, erweitert. Das Werk der 1786 erst siebzehnjährigen Künstlerin konnte aus dem New Yorker Kunsthandel erworben werden. Die Finanzierung wurde durch die Museumsstiftung des Landes Baden-Württemberg ermöglicht.

„Dank der Museumsstiftung des Landes Baden-Württemberg ist es auch in finanziell schwierigen Zeiten möglich, bedeutende Kunstwerke für die staatlichen Museen zu erwerben“, sagte Kunststaatssekretärin Petra Olschowski. Hierfür stünden pro Jahr 3,5 Millionen Euro zur Verfügung. „Das Selbstbildnis der jungen Künstlerin passt hervorragend in die Sammlung der Kunsthalle Karlsruhe. Mit der Neuerwerbung wird der herausragende Bestand an französischer Malerei, Zeichenkunst und Druckgrafik der Kunsthalle erweitert. Zudem trägt sie dazu bei, die bislang noch weitgehend unsichtbare Kunstgeschichte von Frauen ein Stück weit sichtbarer zu machen.“

Die lebendige Selbstdarstellung der jungen Künstlerin entstand an einer biografischen Schnittstelle: Kurz zuvor hatte sie das Atelier von Elisabeth Vigée-Lebrun, wo sie ihre erste Ausbildung erfahren hatte, hinter sich gelassen und war zu Jacques-Louis David gewechselt, der als klassizistischer Erneuerer der Malerei galt und später zu einem Anhänger der Revolution und Napoleons wurde.

In der Anmut und der antikisierenden Idealisierung ihrer Erscheinung knüpft Marie Benoist an die Bildnisse ihrer einstigen Lehrerin Vigée-Lebrun an, während das Werk auf der Staffelei auf eine Vorstudie von Davids 1781 entstandenem Gemälde „Belisarius“ verweist, die von ihr kopiert wird. Das Selbstbildnis stellt somit eine Hommage an die beiden prägenden Vorbilder der Künstlerin dar. Die Art ihrer Selbstinszenierung mit klassischer Kleidung und halbentblößter Brust spielt außerdem auf allegorische Darstellungen an, die das Selbstporträt in Kombination mit Pinsel und Palette als Pictura, als Personifikation der Malerei, in Erscheinung treten lässt.

Als das Bild 1786 auf der jährlich stattfindenden Ausstellung des künstlerischen Nachwuchses, der „Exposition de la Jeunesse“, zu sehen war, wurde der Wechsel von Vigée-Lebrun zu David als vielversprechender Schritt der jungen Malerin kommentiert. In der blühenden Kunstmetropole Paris lebend und arbeitend, entwickelte sich Benoist zu einer gefragten Porträtistin, die auch offizielle Aufträge für Bildnisse Napoleon Bonapartes übernahm. Ihre Werke wurden intensiv diskutiert und erfuhren große Anerkennung. Mit dem Ende der napoleonischen Ära zog sie sich zunehmend aus dem öffentlichen Leben zurück.

Marie Benoist zählt zu den Künstlerinnen, die in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit erfahren haben. Zu Ihren Hauptwerken gehört das Bild einer Afrikanerin im Pariser Louvre, das das Interesse von Forschung und Öffentlichkeit in besonderer Weise auf sich gezogen hat. Bis heute befindet sich der Großteil von Benoists Œuvre nicht in Museen, sondern in – zumeist französischem – Privatbesitz. Dies galt bis 2004 auch für das jetzt erworbene Gemälde, dessen Provenienz lückenlos belegt ist. Der Erhaltungszustand des 95,7 x 78,5 cm messenden Leinwandbildes ist sehr gut.

„Werke von Künstlerinnen zu erwerben, ist ein in der Ankaufskonzeption der Kunsthalle erklärtes Ziel“, betonte die Direktorin Pia Müller-Tamm. „Gerade im Bereich der älteren Kunst ist das jedoch nicht einfach. Der Ankauf eines Gemäldes dieser Qualität ist von daher ein echter Glücksfall für die Kunsthalle und besitzt wegweisende Bedeutung für die weitere Entwicklung der Sammlung.“

Die Neuerwerbung ist im Obergeschoss der Kunsthalle, in der Sammlung französischer Kunst, ausgestellt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.