Mord am Cellisten und Freiheitskampf

Sehenswerter Gillaume Tell am Saarbrücker Staatstheater

Ein überzeugender Einstand für den neuen Intendanten am Saarländischen Staatstheater, Bodo Busse, mit der Neuinszenierung von „Guillaume Tell“ in der Regie von Roland Schwab, der mit den Bühnenbildner Piero Vinciguerra ein hölzenes Schiff auf die Bühne gesetzt hat, das an Bauten von Renzo Piano erinnerte. Das Schiff  war Wirtshaus, Dorfszenerie, schweizerischer Marktplatz einerseits, Wald und Gebirgsregion anderseits und schließlich – auf der Fahrt über den Vierwaldstätter See – wurde das Bild zum Gefangenenschiff, aus dem Tell sich mit unbändigem Freiheitswillen den Unterdrückern entreißt.

Das Publikum war überaus begeistert von den spektakulären Bilden, den Massenszenen aber auch von einer eindrucksvollen Liebesszene. Überragend der Tenor Sungmin Song als Arnold Melchtal und Paulina Linnosaari als Mathilde. Peter Schöne als Tell beherrschte die Szene mit großer sängerischer Präsenz, aber auch und vor allem durch seine überragende schauspielerische Leistung.

Die Stärke dieser Inszenierung sind die großen Ensembleszenen mit Volksfesten, Streitereien und kriegerischen Auseinandersetzungen. Der Regisseur inszeniert ein ums andere Mal gegen die Musik, Tänzerisches in der Partitur wird schon mal mit Gewaltszenen auf der Bühne illustriert. Die Unterdrücker um Gessler wirken wie IS-Kämpfer und sie lassen an Grausamkeiten nichts aus: Verstümmelugen, Vergewaltigungen, Erniedrigungen und Schläge. Die Blut- und Boden-Ideologie, zu der die Geschichte verführen könnte, tritt hier ganz in den Hintergrund – nicht aber der Revolutionsmythos.. Beim imposanten Rütli-Schwur stand das Bild „Die Freiheit führt das Volk“ von Delacroix wohl Pate. Es ist die Idee von der Suche nach der Freiheit, mit allen Opfern, die dieser Kampf kostet. Wie schrieb der Regisseur ins Programmheft „Das Stück ist die Sehnsucht nach Freiheit, die nie erreicht wird.“

Die einleitende Cellokantilene der Ouvertüre hat in dieser Inszenierung nichts Schmelzendes, wie oft interpretiert wird, sondern sie ist, von Trauer und Besinnung geprägt, Sie zieht sich als Motto bis weit in das Stück hinein. Genial war der Regieeinfall, das Solocello später live auf der Bühne spielen zu lassen, bis die Schergen den Cellisten ermorden. Es ist  eine Schlüsselszene insofern, als hier Trost und Mitgefühl radikal abgetötet werden. Und die tänzerische Musik auf der Bühne wirkt dann wie bloßer Hohn.

Die erregte Stimmung auf der Bühne hat Sébastian Rouland am Pult des Staatsorchesters hervorragend musikalisch umsetzen können. Das Orchester zeigte großes Engagement und war ohne Fehl und Tadel. Insgesamt eine sehenswerte Produktion.

Autor: Dr Friedrich Spangenmacher

Copyright Martin Kaufhold

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