„Mein Thema ist die Vielfalt der Welt“ Der rheinland-pfälzische Wissenschafts-und Kulturminister Konrad Wolf im Gespräch.

Konrad Wolf ist ein Freund klarer Worte und schlüssiger Argumente. Und die trägt er mit einer verbindlichen Leichtigkeit vor, die man im gedankenschweren Deutschland nicht ohne weiteres erwartet. Klarheit und Transparenz vermittelt auch das Büro des promovierten Physikers, der seit Mai 2016 Chef des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur ist. Mit Wissenschaft ist der vormalige Präsident der Hochschule Kaiserslautern, der an so renommierten Einrichtungen wie dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching und dem Fraunhofer-Institut in Dresden arbeitete, in Theorie und Praxis besten vertraut. Was Wunder dass er, angesprochen auf den Brandbrief der Direktoren der Mainzer Universitätsmedizin, die gleich zu Beginn seiner Amtszeit Lehre und Forschung wegen fehlender Geldmittel gefährdet sahen, gelassen bleibt. „Die Wissenschaft lebt wie die Kultur von sehr engagierten Menschen, die ganz viele Ideen haben, viel mehr als finanzierbar sind“, erklärt Wolf. „Deshalb ist sie auch so lebendig“. Das wird auch so bleiben, obwohl das Land im Doppelhaushalt 2017/18 die Ansätze für Wissenschaft um fast 70 Millionen Euro erhöht hat. Auch wenn -anders als in der Antike- die Wissenschaften heute nicht mehr zu den „sieben freien Künsten“ gerechnet werden, so bleiben Wissenschaft und Kultur doch ein spannendes Kräftefeld, dessen Bereiche sich durchdringen. Auch für Minister Wolf ist ihre Verbindung im eigenen Ressort eine organische. Nicht allein dass die moderne Wissenschaft fest im kulturellen Raum verortet und abhängig von seiner Ideenlage ist. In beiden Bereichen habe man es mit nachgelagerten autonomen Einrichtungen zu tun, erklärt Wolf. Der Bauernsohn aus der Nähe von Regensburg, der zunächst eine Elektro-Lehre machte, hat den Kontakt zur Basis nicht verloren. Dem 55jährigen Sozialdemokraten ist die angemessene Balance zwischen den großen Eirichtungen und den Initiativen der Breitenkultur wichtig. „Wir brauchen beides und zwar in allen Regionen des Landes. Das ist ein ganz wichtiger Faktor für die Wahrnehmung der Kultur und die Diskussion darüber“. Ihren großen Auftritt hat die Kultur alljährlich im facettenreichen „Kultursommer“ des Landes. „Wir haben in Rheinland-Pfalz eine Vielzahl von kulturellen Projekten, die über das ganze Land verteilt und ganz stark hier im Kulturraum integriert sind. Sie spiegeln die kulturelle Vielfalt und Kreativität des ländlichen Raums“, erklärt Wolf. Die Fördermittel wirkten da als Impulsgeber. Irritationen gab es im Land unlängst bei der ein oder anderen Einrichtung der so genannten Hochkultur. So hatte der Intendant der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Michael Kaufmann, nach längeren Finanzdebatten und einer nicht zustande gekommenen Kooperation im Mai das Handtuch geworfen. Der Minister gibt Entwarnung. Was die Nachfolge Kaufmanns angehe, sei man im Auswahlverfahren. Im übrigen bleibe die Finanzlage für das Orchester auch künftig unverändert. Die Substanz werde erhalten, Tarifsteigerungen würden austariert. Zulagen gebe es allerdings nicht. Den Erhalt der drei Sparten beim von finanziellen wie personellen Turbulenzen erschütterten Theater Trier will das Land wie anderswo weiterhin mit etwa fünfzig Prozent des Kapitalbedarfs fördern. Auch da gehe es um eine gleichmäßige kulturelle Versorgung aller Regionen. „Wir ermöglichen mit unseren Zuschüssen, dass sich auch kleinere Städte ein Drei-Sparten-Haus leisten können“. Nicht zuletzt aus eigener Erfahrung ist dem Professor für Physik, der, wie er berichtet, als Kind über die Literatur zur Beschäftigung mit der Kultur kam, wichtig, junge Leute möglichst früh an Kunst und Kultur heranzuführen. Wozu neue Formate wie „Jedem Kind seine Kunst“ oder Generation „K“, beitragen sollen. Am Herzen liegt dem Ressortchef zudem die Pflege des zum Teil einmaligen kulturellen Erbes. Längst werde es noch nicht so präsentiert, wie es seine Bedeutung verdiene. „Act local, think global“: darauf setzt auch Minister Wolf. „Wir haben sowohl in der Wissenschaft wie in der Kultur einen starken lokalen Bezug, weil die Menschen auf die Region bezogen sind. Allerdings geht es auch darum, eine Wirksamkeit zu erreichen, die über die Region und Rheinland-Pfalz hinausgeht“. Auch was die eigenen kulturellen Vorlieben angeht, setzt der Minister auf Öffnung: „Mein Thema ist die Vielfalt der Welt. Die schaue ich mir an und überlege, was ich daraus ziehen kann“.

Eva-Maria Reuther

Foto: Minister Konrad Wolf, (C)Tomkowitz

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