Mannheimer Sommer, digital

Nationaltheater Mannheim, Zuschauerraum des Opernhauses © NTM, Foto: Andreas Praefcke

 

Der „Mannheimer Sommer“ 2020 wird – vom 9. bis zum 19. Juli – in digitaler Version angeboten. Wegen der Covid-Pandemie sind diesmal die Verantwortlichen des veranstaltenden Nationaltheaters mit ihrem Festival ins Internet ausgewichen – und haben damit möglicherweise aus der Not eine Tugend gemacht. Könnte sich doch die ungewohnte Art der Präsentation als Gelegenheit zum Erproben neuartiger Formate und zur Öffnung in Richtung breiterer Besucherschichten erweisen. Auf jeden Fall verspricht Albrecht Puhlmann, Opernintendant der Mannheimer Schillerbühne, „dem Publikum modernes und aufregendes Musiktheater, das das Internet nicht als Ausweichort begreift, sondern sich das für uns so neue Medium zunutze macht.“

Veröffentlicht werden die Programmbeiträge (in Anlehnung an den ursprünglichen Plan) tageweise und bleiben auch im Anschluss noch auf der Webseite des Mannheimer Nationaltheaters kostenlos abrufbar. Im dramaturgischen Mittelpunkt des „Europäischen Festivals für Musik und Theater von Mozart bis heute“ stehen Orient und Okzident: als bei allen Unterschieden „vielfach verflochtener, gemeinsamer Kulturraum“ verstanden, erklärte der künstlerische Leiter des Festivals, Jan Dvorak. Zentrale Themen sind Oper, Orient und Aufklärung. Um diese „drei hoch aufgeladenen, brisanten Begriffe“, so Dvorak, „kreist in diesem Jahr das Festival“. Den Ausgangspunkt bildet Mozarts „Entführung aus dem Serail“. Vorgestellt wird das Singspiel in Luk Percevals Genfer Inszenierung mit Dialogtexten der türkischen Autorin Asli Erdogan. In der Performance „Ecstatic Mozart“ wird sich dann der Künstler Daniel Cremer als Medium für Mozarts Geist präsentieren.

Zur Erinnerung: der Mannheimer Sommer ist aus dem Mozartsommer hervorgegangen. Mozarts Name, schrieb Intendant Puhlmann, erscheine zwar nicht auf jedem Programmzettel des Mannheimer Sommers, aber sein Geist, der Geist eines in jeder Richtung aufgeschlossenen Künstlers und Erneuerers, sei stets präsent. „Mozart wäre stolz auf uns“ meinte seinerseits Jan Dvorak selbstbewusst.

Das Online-Programm des Mannheimer Sommers besteht unter anderem aus Musiktheater, Video-Performance, Tanz, Ausstellung, darunter für das Internet konzipierten neuen Arbeiten angesehener Gastkünstler, zu denen Sängerin Ghalia Benali, die Choreografen Omar Rajeh und Boris Charmatz, die Regisseure Luk Perceval und Philipp Quesne, das Kollektiv Hotel Pro Forma und viele andere zählen.

Gabor Halasz

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