Kunstforum Ingelheim zeigt ab September Tierwelten von Paul Klee

Paul Klee: Muttertier, 1937; Ölfarbe auf Grundierung auf Papier auf Karton © Zentrum Paul Klee, Bern

(red.) Die 61. Ausstellung der Internationalen Tage Ingelheim war für das Frühjahr 2020 angekündigt, aufgrund der Covid 19-Pandemie musste sie verschoben werden und nun ist „Paul Klee. Tierisches“ vom 5. September bis 8. November 2020 im Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus zu sehen. Im Werk von Paul Klee (1879 – 1940) spielt die Darstellung von Tieren eine besondere Rolle. Mit großer Freude an der Zeichnung und mit hintergründigem Humor erforscht der Künstler die Grenzen zwischen der Vermenschlichung der Tiere und der „Vertierung“ des Menschen.

Klees Tierdarstellungen bewegen sich zwischen der Erkundung der Natur und der Erschaffung neuer geheimnisvoller Kreaturen. Mit humorvollen Kommentaren zum vielschichtigen Verhältnis von Mensch und Tier lässt sich Klee durch die unerschöpfliche Formenvielfalt der Natur anregen und interpretiert spielerisch ihre typischen Rollen, Eigenschaften und Verhaltensweisen. In seinen spontanen, von kurvigen oder eckigen Linien bestimmten Zeichnungen sind immer wieder neue Bezüge und ironische Hinweise auf das Zusammenspiel von Menschen, Tieren und Mischwesen zu entdecken. Klees oft poetische bis satirische Bildtitel fördern zudem den Spaß für Erwachsene und Kinder gleichermaßen, jedes einzelne Wesen aufzuspüren.

Auch die Erfindung einer neuen Tierart, dem URCHS, steht in diesem Kontext. In der Wortraffung kombiniert Klee den Ochsen mit dem längst ausgestorbenen Ur. Außerdem klingt im URCHS das Wort „urchig“ an, berndeutsch für „urig“. Der Name charakterisiert sie als urtümliche Kreaturen, während der naiv-kindliche Zeichenstil ihnen eine gewisse Komik verleiht. Klee lässt typische Bewegungsmuster oder charakteristische Proportionen seiner Spezies in all seine Darstellungen einfließen. So wirken manche der Wesen auf diese Weise fremd und vertraut zugleich.

Paul Klee interessiert sich auch für den Vogelflug als freie Bewegung im dreidimensionalen Raum. Viele seiner Werke sind aus geometrischen Formen und Elementen von Vögeln zusammengesetzt, die sich im Sturzflug befinden, oder aber er zeichnet Vögel, die in wundersamen Apparaturen typische Dinge tun. In der Vorzeichnung zu seinem Werk Zwitschermaschine sehen wir etwa Vögel, die auf einem Ast sitzen und per Kurbel als akustische Maschine betrieben werden können.

Ebenso für die Unterwasserwelt und ihre Farben- und Formenvielfalt hegt Paul Klee eine große Faszination. Wie die Vögel in der Luft sind auch die Fische nicht durch die Schwerkraft an die Erdoberfläche gebunden. Die Ursprünglichkeit der Wasserwesen und die Bewegungsfreiheit dieser Tiere haben den Künstler besonders angezogen. So zeigt die Ingelheimer Ausstellung eine ganze Serie von Fischzeichnungen, die mit Inspirationsquellen seiner Arbeit, Klees eigener Sammlung von gefundenen Muscheln und Steinen, kombiniert werden.

Klee ist ein ausgesprochener Katzennarr. Seit seiner Kindheit begleiten ihn Katzen als Haustiere. In seinen Werken tauchen sie zahlreich auf, wobei er unterschiedliche Facetten der Tiere beleuchtet. In Fotoalben der Familie Klee finden sich unzählige Katzenbilder. Etliche fotografierte der Künstler selbst, viele sind davon verschwommen, da die vierbeinigen Mitbewohner nicht lange genug stillhielten. Auch in Klees Korrespondenz mit seiner Frau Lily und anderen Familienmitgliedern sind die Katzen immer wieder ein Thema.

Damals wie heute ist das Verhältnis von Mensch zu Tier kompliziert und widersprüchlich. Geliebte Haustiere werden zu Mitgliedern der Familie, während Nutztiere einer industriellen Verarbeitung ausgeliefert werden. Über diese Widersprüche denkt Klee genauso nach, wie über die Unterschiede und Wesensmerkmale verschiedener Kreaturen. Mit seinen zutiefst menschlichen Tieren und vertierten Menschen hinterfragt Paul Klee unser Verständnis zueinander und schafft eine irritierende, bisweilen ironische Distanz, deren Betrachtung oft schmunzeln lässt.

Die Ausstellung „Paul Klee. Tierisches“ zeigt ca. 110 Werke auf Papier (Zeichnungen, Aquarelle, Radierungen), vier Gemälde, Fotografien aus dem Familienalbum von Paul Klee sowie Beispiele aus Klees eigener Naturaliensammlung.

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