Kultursommer Rheinland-Pfalz: Auf dem Weg zum Landesfestival 4.0 – Kulturszene und Minister diskutieren auf zehn Regionalkonferenzen über die Zukunft

RLP-Kulturminister Konrad Wolf (r.) und Kultursommer-Leiter Jürgend Hardeck © Kultursommer Rheinland-Pfalz

Es ist noch etwas hin bis zum runden Geburtstag des Kultursommers Rheinland-Pfalz. 2021 wird die Landeseinrichtung dann 30 Jahre lang das Kulturgeschehen zwischen Südpfalz und Oberwesterwald mitgeprägt haben. 1981 von der Landesregierung aus der Taufe gehoben, um das kulturelle Geschehen im Sommerhalbjahr und nicht zuletzt in der Fläche des Landes zu beleben, verstand und versteht sich der Kultursommer (KuSo) als „Dienstleister, Berater, Ermöglicher, finanzieller Helfer“ für Kulturveranstalter vor Ort. Derart brachte der  rheinland-pfälzische Kulturminister Konrad Wolf bei den ersten von zehn Regionalkonferenzen zur Zukunft des KuSo dessen Aufgabenstellung in Erinnerung.

Die Rundtour begann mit Treffen in Mainz, Hachenburg und Edenkoben. Bis zum Frühjahr folgen weitere in Kaiserslautern, Koblenz und anderwärts. Eingeladen sind in den betreffenden Regionen aktive Veranstalter/Kulturschaffende, die teils seit Jahren mit dem KuSo zusammenarbeiten und aus seinem Vier-Millionen-Budget gefördert wurden. Eingeladen sind aber auch potenzielle, vor allem jüngere, Neulinge.

Um worüber zu sprechen? Über Ideen, Möglichkeiten, Notwendigkeiten, den Kultursommer einer sich verändernden Welt anzupassen. „Wir wollen vor allem zuhören und sammeln“, erklären Minister Wolf und KuSo-Leiter Jürgen Hardeck. Es gehe „um die Einleitung eines Prozesses zur KuSo-Weiterentwicklung“. Was Not tut, denn die Institution ist in die Jahre gekommen, wie auch viele der Akteure in der Landeskulturszene: Bei den Konferenzen ist die Generation 50plus überproportional stark vertreten – die Notwendigkeit zum baldigen Generationenwechsel unverkennbar. In den Anregungen und Wünschen der Teilnehmer spiegeln sich sowohl (altbekannte) Probleme mit der Förderpraxis als auch mit in drei Jahrzehnten zementierten Strukturen. Gerade den kleineren Veranstaltern brennt etwa der bürokratische Aufwand für die Förderungsbeantragung beim KuSo auf den Nägeln. Ebenso, dass ihre Projektorganisation und der späte jährliche Bewilligungszeitpunkt oft schlecht zueinander passen. Andere Veranstalter plädieren für längerfristige Institutionsförderung statt der sommerlichen Projektförderung. Dieses Ansinnen widerspricht indes der ursprünglichen Zielsetzung des KuSo – wenngleich de facto manche Veranstaltungsreihe überhaupt nur noch dank wiederkehrender KuSo-Förderung existiert.

Darüber wird zu reden sein, wie auch über das mehrfach verlangte höhere Maß an Transparenz von Entscheidungsprozessen: Die Kulturszene will wissen, nach welchen Kriterien fließen einigen Projekten viele tausend Euro zu, anderen nur ein paar hundert oder gar nichts. Deutlich wird auch: Die Lage in den ländlichen Regionen unterscheidet sich von derjenigen in den Städten. Die allgemeine Strukturentwicklung dort – Schrumpfung und Überalterung der Dörfer etwa – schlägt teils deutlich auf Besucherzahlen und Alterszusammensetzung des Publikums durch. „Wir werden in naher Zukunft erhöhte Anstrengungen auf dem Land unternehmen müssen“, sagt Hardeck denn auch. Da es Stadt und Land gleichermaßen mit dem Phänomen sinkender Bereitschaft zu ausgreifendem ehrenamtlichen Engagement bei den nachwachsenden Altersklassen zu tun haben, kann auch das Thema einer Bezahlung von Kulturorganisatoren kein Tabu mehr sein.    

Andreas Pecht im OPUS Kulturmagazin 76 (November / Dezember 2019) auf S. 160. Weitere Beiträge zu relevanten Neuigkeiten erhalten Sie in der Rubrik “Kulturpolitik”.

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