Jeremiah Day ab dem 7.2. beim Badischer Kunstverein in Karlsruhe

Jeremiah Day & Simone Forrti, ‘News Animations’ Emily Harvey Foundation, New York 2018. Foto: James Welling. Courtesy Arcade LondonJeremiah Day, Performance Still, ‘LA Homicide’, Brussels & Ellen De Bruijne Projects, Amsterdam 2010. Courtesy Arcade London

Wie sieht die Kultur einer multiethnischen Demokratie aus? Wer sind die Menschen, und wie beschreiben, reflektieren, denken und spekulieren sie (wir) über ihre (unsere) Lebensumstände? Was müsste verändert oder anders geregelt werden? Können Bilder und Texte (und Ausstellungen und Performances) etwas zu solchen Fragen beitragen?

In einer Serie von Performances, Workshops und einer Ausstellung im Badischen Kunstverein wird sich der Künstler Jeremiah Day diesen Fragen widmen. Day definiert seine Praxis zwischen darstellender und bildender Kunst und beschäftigt sich insbesondere mit den Augenblicken der Erinnerung und des bürgerlichen Engagements. Dafür hat der Künstler ein spezifisches Vokabular entwickelt, das dicht und vielschichtig ist, dabei aber auch über ein hohes Maß an Improvisation verfügt. Neben Performance als zentrales Format seiner Arbeit, bezieht Day auch Fotografien, Zeichnungen, Dias, Texte und Objekte in seine Projekte mit ein. Stets an der Schnittstelle zwischen persönlicher Erfahrung und größeren, historischen wie politischen Zusammenhängen arbeitend, führen uns Days Performances durch Anti-Kriegs-Cafés in Kaiserslautern und Bürgerversammlungen in Neuengland. Seine Installationen sind wie Patchwork-Schreine, in denen sich Politik und Landschaft gegenseitig beeinflussen: von der Parallelwirtschaft in Istanbul, wo Day einst lebte, bis zur Carl-Schurz-Straße in Karlsruhe.

In der Ausstellung im Kunstverein wird Jeremiah Day erstmals einige seiner aktuellen Arbeiten vorstellen, die in einer neuen Installation unter dem Titel The Opposite of Fatalism zusammengeführt werden. Das Projekt adressiert Momente (politischer) Handlung in unterschiedlichen gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen und fragt nach den Möglichkeiten, sich in der Komplexität politischer Realitäten ein Zuhause zu schaffen. In diesem Zusammenhang trifft die US-Bürgerrechtsaktivistin Joanne Bland aus Selma, Alabama, auf die junge Generation der „Fridays for Future“-Bewegung. Eine Gruppenperformance dokumentiert die zunehmende Gentrifizierung in Berlin, wegen der nahezu alle ursprünglichen Bewohner*innen eines Hauses vertrieben wurden und in einer neu entwickelten Dia-Performance begegnet Day den aktivistischen Bewegungen rund um die Atommülllagerung in Ahaus und in den Bergen von Idaho (USA). 

Ein weiteres zentrales Element des Projektes ist ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm mit Performance-Workshops, Live-Performances und Gesprächsrunden über die gesamte Dauer der Ausstellung. Jeremiah Day konzipiert und veranstaltet Workshops in der Tradition der Tänzerin und Choreografin Anna Halprin und dem Butoh Tanztheater, aber insbesondere der Schule des experimentellen Tänzers und Choreografen Steve Paxton sowie der einzigartigen Methode der Tänzerin und Choreografin Simone Forti, Improvisation durch Sprache und Bewegung zu unterrichten. Days Performance-Workshops leisten Allan Kaprows Plädoyer für eine „nichttheatralische Performance“ Folge und werden durch Gastlehrer*innen erweitert, die verschiedene Lehrerfahrungen und Überlegungen in Bezug auf die Umsetzung eines pluralistischen Performance-Modells vorstellen werden.

Das Projekt ist eine Kollaboration mit dem centre d’art Le Lait in Albi, dem M – Museum Leuven und der Villa Romana in Florenz. Im Anschluss an die Ausstellungsserie entsteht eine gemeinsame Publikation (gestaltet von Will Holder). Mit besonderem Dank an Arcade, London, und Ellen de Bruijne Projects, Amsterdam. 

Jeremiah Day (*1974, Plymouth, USA) lebt und arbeitet in Berlin. Zu seinen Ausstellungen gehören: BAK, Utrecht, NL (2017); Museum of Modern Art, Warschau, PL (2016); Ellen de Bruijne, Amsterdam, NL (2016); Universität der Künste, Berlin, DE (2016); Grundy art Gallery, Blackpool, UK (2016); Woods Hole Community Hall, Woods Hole, US (2016); Ruler, Helsinki, FI (2016); Deutsch – Russisches Museum, Berlin, DE (2016); CCA, Glasgow, UK (2015); MAXXI, Rom, IT (2015); Studio Stad, Maastricht, NL (2015); Liverpool Biennial, Liverpool, UK (2014); Arnolfini, Bristol, UK (2014); Santa Monica Museum of Art, Santa Monica, USA (2014); Centre George Pompidou, Paris, FR (2014).

2019–2020 befasst Jeremiah Day sich im Rahmen eines Post-Doc-Stipendiums am Center for Educational Research and Academic Development in the Arts (CERADA) der Uniarts Helsinki mit Lehr- und Fördermodellen an der Schnittstelle zwischen Tanz und bildender Kunst.

Ausstellung: Jeremiah Day, If It’s For The People, It Needs To Be Beautiful, She Said, vom 7.2. bis 19.4.2020

Sonstige aktuelle Ausstellung: Rory Pilgrim, The Undercurrent, vom 7.2. bis 19.4.2020

Weitere Informationen: www.badischer-kunstverein.de

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