Nadine Fecht. AMOK

Ausstellungseröffnung am Donnerstag, 18. Juli um 19 Uhr in der Kunsthalle Mannheim

Fecht – Beginnings © Schwab

Braucht jedes Kollektiv eine Richtung? 1.805 blaue Kugelschreiber sind mit einem Klebeband zu einem Bündel zusammengeschnürt und gleiten gemeinsam über eine riesige weiße Bahn. Wie ein Strom von Linien ziehen sie über das Papier, verdichten sich, nur um direkt wieder leicht auseinanderzustreben, scheinbar chaotisch und doch geordnet. „Jedes Kollektiv braucht eine Richtung“ (2012) ist Teil der Sonderausstellung „Nadine Fecht. AMOK“, die am 18. Juli 2019 (19 Uhr) von Dr. Inge Herold, stellvertretende Direktorin der Kunsthalle Mannheim, und Dr. Thomas Köllhofer, Kurator der Graphischen Sammlung, im Auditorium der Kunsthalle Mannheim eröffnet wird.

Nadine Fecht (geboren 1976 in Mannheim) gilt als eine der vielversprechend- sten zeitgenössischen Positionen im Bereich der Zeichnung und Konzeptkunst. Zentral ist für die Wahl-Berlinerin der Materialbegriff: Fecht bezieht die konzeptuellen und assoziativen Bedeutungszusammenhänge des verwendeten Materials konsequent ein; oft sind diese die Ausgangspunkte für ihre Kunstwerke, in denen sie Spannungsfelder aufbaut, die unaufgelöst fixiert werden und deren Pole den Bereichen der sozialen Ökonomie, der gesellschaftlichen Rollen-Zuschreibung und der Selbstermächtigung eines Individuums entstammen. Gemeinsam ist allen Arbeiten die Aufforderung an den Betrachter, diese Spannungen nicht in die eine oder andere Richtung aufzulösen, sondern in ihrer Instabilität – die hier als Potential verstanden sein will – auszuhalten.

Im Akt des Zeichnens oder Schreibens lotet Fecht die Grenzen der eigenen Belastbarkeit aus, überschreitet diese bisweilen und beobachtet mit Neugierde, welche ästhetischen Folgen diese psychophysischen Grenzsituationen erzeugen. Der pure Akt der Zeichnung oder des schreibenden Zeichnens ist an vielen Werken ablesbar und macht die Handlung, den Prozess sichtbar. Mit konzeptuellen Arbeiten wie „hysteria“ (2016), „privileged“ (2016) und „close reading“ (2013) gelingt es der Künstlerin, politische Themen auf überraschende Weise künstlerisch zu bearbeiten. Dabei wirkt das Erscheinungsbild der Werke spielerisch einfach, trägt jedoch gleichsam eine vielschichtige Komplexität in sich, die sich nachhaltig im Gedächtnis der Betrachtenden festsetzt.

Nadine Fecht unterrichtet seit 2018 an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und verwaltet die Professur Grundklasse Zeichnung. Für ihr künstlerisches Schaffen wurde sie u.a. 2009 mit dem Preis für Malerei der Schulz-Stübner-Stiftung und 2014 dem Will-Grohmann-Preis der Akademie der Künste in Berlin ausgezeichnet.

Ihre Arbeiten sind bereits in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten – unter anderen im Kupferstichkabinett der Museen Preußischer Kulturbesitz in Berlin, Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig und im Kunstmuseum Basel.

„Nadine Fecht. AMOK“ in der Kunsthalle Mannheim ist die erste museale Einzelausstellung der Künstlerin. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog mit Beiträgen von Krisztina Hunya, Thomas Köllhofer und Kolja Reichert (Distanz Verlag, 148 Seiten, 100 Abbildungen, Preis. 22,90 €. Ab 28.08. erhältlich.).

Gleichzeitig mit der Sonderausstellung wird die Neupräsentation der Sammlung zum Thema Landschaft in Kubus 3 eröffnet, kuratiert von Dr. Inge Herold.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.