IKOB im August und September

Jetzt teilen

Che-Yu Hsu, Perfect Suspect (2012/2020), animation, 7’43”, Format: 4:3 © ikob.be

 

(red.) 2020 ist bisher ein unplanbares Jahr. Mit Ausbruch der Pandemie stellte sich das Museum – wie allen anderen auch – einige Fragen: “Sollen wir weiter machen wie bisher? Ist es am schlausten alles zu verschieben? Müssen wir sogar Ausstellungen absagen?” All das kam für ikob nicht infrage.

Das Museum will aus Not Tugend machen.

Statt auf Ausstellungen zu verzichteten, wurde  ohne Eröffnungsevents geplant und die Taktung der Ausstellungsereignisse radikal erhöht. Statt wie geplant vier Ausstellungen im ganzen Jahr gibt es nun zwölf Ausstellungen. Das Motto lautet kurz gesagt: Mehr Angebote durch kleinere Ausstellungen in schneller Taktung mit jüngeren Künstler*innen.

Hier ein Einblick in die nächsten vier Ausstellungen, die parallel zu der bereits eröffneten Ausstellung “Unter gewissen Umständen” im August und September gezeigt werden. Auf das Oktober- und Novemberprogramm weisen wir Sie noch einmal gesondert hin.

 

11.08.–30.08.2020
The Upper Hand
Mit: Helen Anna Flanagan, Aziz Hazara, Che-Yu Hsu, Diego Lama und Paulius Šliaupa & Elia Claessen. Kuratorin: Daniella Géo

 

The Upper Hand präsentiert eine Auswahl von Videos, die sich direkt oder indirekt mit der Ausübung von Herrschaft befassen: des Selbst, des Andersseins, der Ressourcen, der Natur, der Repräsentation usw.Herrschaft als soziale Praxis ist nicht auf Autoritarismus oder die offene Anwendung von Gewalt beschränkt. Sie kann durchaus die Schaffung und Beobachtung eines Systems beinhalten, in dem Unterwerfung durch die beteiligten Parteien legitimiert ist. Während die Handlungen der Herrschenden formell frei sind, garantieren die verborgenen Mechanismen, die im Spiel sind, asymmetrische Beziehungen auf verschiedenen Ebenen und Substrukturen sowie Interdependenz. Jenseits von antidemokratischen oder halb-demokratischen Nationen wird die Herrschaft sowohl in den eigenen vier Wänden als auch in gesellschaftlichen Institutionen in der sogenannten entwickelten Welt genährt: ein Großteil dieser Entwicklung ist auf die Anatomie der Herrschaft selbst zurückzuführen. (Notwendig? Gerechtfertigt? Erwünscht?) Bei ihrer Gründung waren das “so ist es/war es”, “Jungen sind eben Jungen”, “Gottes Wille” und andere Prinzipien, die das individuelle und kollektive Verhalten naturalisieren.Von der toxischen Männlichkeit und den Hinterlassenschaften einer kolonialen Vergangenheit bis hin zu einer scheinbaren Symbiose zwischen Natur und Technik stellt The upper Hand die systemische Präsenz der Herrschaft in unserer Gesellschaft dar.
Das von Daniella Géo kuratierte Projekt bespielt in diesem Sommer die Black Box des IKOB mit Werken von Helen Anna Flanagan, Aziz Hazara, Che-Yu Hsu, Diego Lama und Paulius Šliaupa & Elia Claessen.

 

11.08.–30.08.2020MEDUSA – Floating Body #4von Kleiner & Biermann

Das Recherche- und Performance-Projekt “Medusa : floating body #4” besteht aus einer Video-Installation, deren Bilder bei einer vorherigen Aktion auf dem Rhein entstanden sind. Die von den Künstlern eigens für die Installation im IKOB überarbeitete Präsentation bezieht sich auf die Ausstellung “in order of appearance” im K21, Düsseldorf, 2020. Die Luftmatratzen, die zunächst ins Auge springen bestehen, aus robustem PVC, die der ebenfalls selbst konzipierten Matratze von der Aktion aus dem Video nachempfunden sind. Die Originalluftmatratze wurde zum Schauplatz einer waghalsigen Performance auf dem Rhein, auf dem sich die Künstler begleitet von einer Drohne treiben ließen. Ihre Aktion ließ sie über die Wellen und Strömungen gleiten, vorbei an Schiffen, Anlegern und Uferbefestigungen. Ihr Dahingleiten ist durchaus metaphorisch zu deuten. Aufbruch, Reise, Wagnis sind die kulturellen Bezugsgrößen. Inszenatorisch erlauben sie den Betrachterinnen und Betrachtern auf einem Berg an Matratzen liegend das Video ihrer Reise nachzuempfinden. Der Blick, der von unten nach Oben gerichtet ist, spiegelt den Blick der Drohne.
08.09.–27.09.2020Vanja Smiljanic – PLANT RANT: MEA CULPA ON CHLOROPHYLL SLING”Plant Rant: Mea Culpa on Chlorophyll Sling” bietet einen Raum für präkognitive (Wieder-)Schöpfung. Man könnte es einen Garten nennen. Was es auch ist. Der simulierte Garten, der eine Vielzahl von Möglichkeiten bietet, Zeit auf spirographische Weise darzustellen und zu deuten. Darin sind vielfältige Geschichten von Kräuterkunde, Aktivismus und Tiefzeit-Traumae eingewoben. Sie sind herzlich eingeladen, einen Spaziergang durch sein theologisches Multiversum zu unternehmen und seine bittersüßen Früchte zu kosten.
Agustina Androleti, schrieb über Vanja Smiljanićs Ausstellung für die Gemeinde Köln, auf der ihre IKOB-Ausstellung basiert:
“Die ortsspezifische Installation von Vanja Smiljanić für die Gemeinde Köln ist ein neues Kapitel ihrer poetischen Studie über zyklische Zeitabläufe. Indem sie Materialien – Teppich, Vinyl, bewegte Bilder, Ton, Handschuhe – malerischen Schnitten unterwirft, bietet Smiljanić nicht nur Alternativen zum linearen, traditionellen Fortschritt der Zeit, dem wir noch immer gehorchen müssen; sie evoziert auch einen Teil seiner Gewalt durch Praktiken der Rückgewinnung. Trauma und Anerkennung entfesseln die grünere Seite des Empowerment (Seltermächtigung) , in der Art eines Gartens, in dem selbst die unschuldigste Pflanze je nach Dosierung und Kombination ein Heilmittel oder ein Gift sein könnte. Die Herstellung von Beziehungen zur Vergangenheit durch die Erinnerung an unterdrückte Agenten schafft Allianzen. Die verschiedenen Spezies in der Installation von Smiljanić geben einen Einblick in das, was Körper tun können und wozu sie veranlasst werden können, und verweben dabei vielfältige Geschichten von Kräuterkunde und Aktivismus”.
“Plant Rant: Mea Culpa on Chlorophyll Sling” versammelt drei Werke, die sich aus verschiedenen Elementen zusammensetzen: ein Labyrinth, eine weiche Säule, eine Videoinstallation, ein skulpturales Arrangement und ein Wandteppich. Der sich durch den Ausstellungsraum schlängelnde Weg des Labyrinths bietet den Besuchern einen schrittweisen Einblick in die verschiedenen Rollen von Frauen und Pflanzen. Auf der Säule könnte die Wiederholung von Motiven als Bewegungsablauf an die Aufzeichnung von in Stein gemeißelten Geschichten erinnern. Sie bieten jedoch durch die Beweglichkeit der Textilmuster einen flüssigeren Zugang dazu.15.09.–04.10.2020Tanja Mosblech – THE GARDEN

Tanja Mosblechs neueste Arbeiten sind der Auslöser für Ihre erste Einzelausstellung im IKOB – Museum für Zeitgenössische Kunst.
Basis ihrer Arbeit waren über lange Zeit verschwommene oder übermalte Körper, die als gesichtslose Wesen im Bild präsent waren.
Die abstrakten Flächen und Malspuren, die diese Figuren zumeist umfassten, rahmten und im Bild hielten scheinen sich nun selbstständig gemacht zu haben.
Die Körper von Früher sind manchmal noch sichtbar, aber zumeist nimmt die Malerin sie extrem weit zurück.
Der faszinierende Effekt liegt in einer neuen Präsenz des Körpers, der in der Gefahr und Bedrohung immer am lebendigsten wird.Der eigens für die Ausstellung gebaute Raum im Erdgeschoss, der eine ganze Serie an kleinformatigen Bildern beherbergt, ist in diesem Kontext eine bewusste Setzung der Künstlerin Tanja Mosblech. Sie schafft es damit ihre Kunst und den abwesenden Menschen eine Heimat zu geben. Macht sie dies bewusst? Oder geschehen derlei Setzungen unterbewusst? Einer Antwort auf derlei Fragen bedarf es nicht, denn das Privileg der Kunst, und speziell der Kunst von Tanja Mosblech ist es nämlich, die Logik kausaler Zusammenhänge aus den Angeln heben zu können.
Rotenberg 12b
4700 Eupen
Belgien / Belgique / Belgium

Öffnungszeiten / Horaires d’ouverture / Opening hours
Di. – So. / Mar. – Dim. / Tue. – Sun.
13.00 – 18.00

Führungen auf Anfrage / Visites guidées sur demande / Guided tours on demand: m.elebe@ikob.be

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.