Historisches Museum Saar stellt nächste Sonderausstellung vor: „Monumente des Krieges“

Detail Siegesgöttin Victoria © Historisches Museum Saar, Selina Wagner

(red.) Obwohl die Museen aufgrund der Corona-Pandemie vorübergehend geschlossen sind, bleiben sie aktive Kulturbetriebe: Ausstellungen werden vorbereitet, eigene Abläufe optimiert, Reinigungs- und kleinere Umbaumaßnahmen durchgeführt. Ebenso setzt sich die Arbeit im Magazin und mit der Sammlung fort. Dennoch bleibt es in der aktuellen Situation schwer, den Zeitplan für kommende Projekte abschließend festzulegen. Das Historische Museum Saar wird die laufende Ausstellung „Die 20er Jahre“ verlängern und gibt den Titel der folgenden Ausstellung bekannt: „Monumente des Krieges. Der Saarbrücker Rathauszyklus Anton von Werners und unser Bild vom Deutsch-Französischen Krieg 1870/71.“

Dem Museum ist es gelungen, die erstmals vor 140 Jahren präsentierten und seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr ausgestellten Werke jenes Gemäldezyklus zu leihen. Dabei handelt es sich um sieben monumentale Darstellungen Anton von Werners, der als einer der bedeutendsten Historienmalers seiner Zeit und als Freund des preußischen Kronprinzen, starken Einfluss auf die Kulturpolitik des Deutschen Reiches hatte. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören das Mosaik im Sockel der Berliner Siegessäule und die Darstellung der Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles. Der Saarbrücker Rathausfestsaal, in dem sich die Gemälde befanden, war ein Gebäude am heutigen Nanteser Platz, hinter dem Alt-Saarbrücker Rathaus. Zusammen mit dem Bilderzyklus wurde er in Erinnerung an den Beginn des Deutsch-Französischen Krieges, die Schlacht von Spichern und die Gründung des Deutschen Reiches konzipiert.

Ziel einer solchen Ausstellung muss somit die Dekonstruktion der nationalen Propaganda sein, eine Darstellung vor dem Hintergrund der realen Ereignisse. Es geht darum, die Subjektivität der Bilder zu entlarven und mit Bezug auf die Deutsch-Französische Freundschaft, aktuelle Fragestellungen zu gesellschaftlichen Auswirkungen eines übersteigerten Nationalismus aufzugreifen. Der Direktor des Museums, Simon Matzerath: „Die mit einer Seitenlänge von bis zu 5,5 Metern sehr großen Gemälde stellen eine wichtige und aufgrund der nationalistischen Bildsprache gleichzeitig inhaltlich schwierige Quelle dar. Das Historische Museum Saar, das in unmittelbarer Nähe des Alt-Saarbrücker Rathauses liegt und damit unweit vom ursprünglichen Standort der Gemälde entfernt ist, wird die Kunstwerke in die Kulturgeschichte einordnen und einer kritischen Analyse unterziehen.“

Weiterhin ist geplant, für die Ausstellung mit französischen Institutionen und Museen zu kooperieren.

Das Museum interessiert sich auch für Hinweise und für Objekte zur Schlacht bei Spichern, die sich u. U. in Privatbesitz befinden könnten. Sollten Sie Hinweise haben oder Gegenstände besitzen, die Sie für eine Ausstellung zur Verfügung stellen würden, so senden Sie bitte eine E-Mail sowie ein Foto des Objektes an:  T.Seibert@hismus.de.

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