Große Kunst mit kleinen Tücken

Thomas Schreckenberger war mit dem Programm “Ene, mene, muh – wem traust du?” in der St. Ingberter Pfanne // Copyright: SUSANNE KRUM



St. Ingberter Pfanne

Große Kunst mit kleinen Tücken

Dank der exzellenten Auswahl der Jury hat sich der Sankt Ingberter Wettbewerb als Top-Event in der deutschen Kleinkunstszene etabliert.

von Kurt Bohr

Der dritte Abend des Wettbewerbs war ein echter Kracher. Das begann mit dem gereimten Opening des Moderators Philipp Scharrenberg, der seine Erfahrungen als Veganer mit der fleischlastigen lokalen Gastronomie auf die Schippe nahm, elegant und witzig – entschieden zu lang für den Anfang – aber im weiteren Verlauf immer kurzweilig und spritzig.
Robert Blöchl Und Roland Penzinger („Blözinger“), zwei erfahrene und gewiefte Kabarettisten, hatten nicht gerade leichte Kost mitgebracht. Unsere Erfahrungen mit dem Tod und den letzten Dingen spießten sie mit dem spitzen Florett erbarmungslos auf. Mit beißender Ironie, alle Facetten unserer Ängste ausleuchtend, mimten die beiden denn auch schmerzlich real die Schwächen und Gebrechen am Ende des Lebens, die wir so gerne verdrängen. Das war mäßig erheiternd, wenn es auch einige Lacher gab. Schwarzer Humor vom Feinsten.
Pralle Comedy boten anschließend Ariane Müller (Piano, Gesang) und Julia Gamez Martìn (Gesang), die das begeisterte Publikum zu wahren Jubelstürmen hinrissen. Musikalisch und gesanglich weingängig und auf hohem Niveau geißeln sie Dummheit Fanatismus und schlechten Geschmack und ließen auch Pointen im wahrsten Sinne des Wortes unter der Gürtellinie nicht aus. Ihr Künstlername „Suchtpotenzial“ steht auch für die Lust, mit der sie agieren, mit reizvollen Kabbeleien, ja sogar mit einem gelungenen echten Spagat der vor Energie strotzenden Martìn mit Ihrer hinreißend röhrenden Stimme.

Zum fulminanten Abschluss dann Thomas Schreckenberger, ein ausgewiesener Spezialist für das politische Kabarett. Mit heftigen Salven von Hohn, Spott und Schmäh nimmt er die Politszene zielsicher aufs Korn. Er spart nicht mit Kraftausdrücken und Schimpfwörtern, wenn es darum geht, Untätigkeit, Hilflosigkeit und Versagen in der Politik zu geißeln. Warum schauen wir zu, wenn die europäischen Fischfangflotten Tabula rasa machen vor der afrikanischen Küste und den heimischen Fischern keine Chance mehr lassen, fragt er sich. Oder warum der amerikanische Geheimdienst mehr von uns weiß als unsere neugierige Nachbarin. So reihten sich Pointen Pointen, ein wahres Feuerwerk. Aber: bekamen die nicht auch Zuschauer den Spiegel vorgehalten?
Zurecht starker Beifall für alle Protagonisten des Abends.

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