Gemäldezyklus des Alt-Saarbrücker Rathauses zurück am Schlossplatz

Ankauf ermöglicht dem Historischen Museums Saar eine kritische Auseinandersetzung

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Anton von Werner, Victoria, 1880, Ölgemälde, H: 3,35 m, B: 2,35 m, Historisches Museum Saar.
© Historisches Museum Saar, Thomas Roessler

 

(red.) Das Historische Museum Saar zeigt in seiner kommenden Sonderausstellung „Monumente des Krieges“ (ab 27. Februar 2021) die Gemälde des Saarbrücker Rathauszyklus aus dem Jahr 1880, die lange Zeit als verschollen galten. Erstmals nach 76 Jahren sind diese nun wieder öffentlich zugänglich. Das Museum konnte den Zyklus nun für seine Sammlung erwerben. Dazu Museumsdirektor Simon Matzerath: „Es handelt sich um den größten Ankauf in der Geschichte des 1985 gegründeten Museums.“
Entstanden ist der Gemäldezyklus auf Initiative des preußischen Kultusministers zur Erinnerung an den Beginn des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71 und die darauffolgende Reichseinigung. Für die Ausgestaltung der Gemälde und des für die Präsentation angefertigten Anbaus an das Alt-Saarbrücker Rathaus wurde Anton von Werner beauftragt, einer der bedeutendsten deutschen Historienmaler seiner Zeit. Die monumentalen Gemälde zeigen den Sturm auf den Spicherer Berg, die Ankunft des preußischen Königs in Saarbrücken und Victoria als Allegorie des Sieges über Frankreich sowie der damit verbundenen Reichseinigung. Großformatige Porträts der wichtigsten Protagonisten König Wilhelm, Bismarck, Moltke und des Kronprinzen Friedrich gehörten ebenfalls zum Bildprogramm.
Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Fördervereins für das Historische Museum Saar, der Willy-Walch-Stiftung und der Saarland Sporttoto GmbH konnte das Museum den kompletten Zyklus ankaufen. Fünf der sieben monumentalen Gemälde wurden auf Initiative und mit hohem persönlichen Einsatz von Klaus Gersonde und Paul Strieder 1998-2001 von zwei in Thüringen tätigen, russischen Restauratoren (Vladimir Nikolajew und Valentin Andrejew) fachgerecht restauriert.
Das Historische Museum Saar hilft dabei die Werke einzuordnen und wird sich in der Sonderausstellung kritisch mit ihrer Bildsprache und der nationalen Botschaft auseinandersetzen. Zudem werden die Gemälde fotografisch dokumentiert und in Zukunft über die digiCULT-Plattform online zur Verfügung gestellt.
Ministerin Streichert-Clivot: „Der Blick in die Vergangenheit sagt uns etwas über unsere Herkunft und die Entwicklung unserer Gesellschaft. Die Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit versetzt uns erst in die Lage, darüber nachzudenken, wie unsere gemeinsame Zukunft aussehen soll, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen. Deshalb freue ich mich sehr darüber, dass die Gemälde wieder gezeigt werden und als Zeugnisse nationaler Propaganda des deutschen Kaiserreiches zum kritischen Hinterfragen einladen.“

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