Der rote Faden der Moderne: Geburtstagsschau mit Stargästen im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen

Ausstellung "Darf ich dir meine Sammlung zeigen?" bis 26.1.2020

Aus Madrid in die Pfalzkommt Lyonel Feiningers Lady in Mauve © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Museen denken in der Kategorie großer Epochen. Vierzig Jahre sind da kein Alter, aber ein Grund zu feiern! Und das tut man im Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum auch. 1979 wurde das Ausstellungshaus in der pfälzischen Chemiehauptstadt eröffnet. Zum runden Geburtstag spendiert Museumsdirektor René Zechlin dem Publikum jetzt die Schau „Darf ich dir meine Sammlung  zeigen“. Highlights aus dem eigenen Fundus werden darin mit thematisch verwandten Werken aus anderen Institutionen konfrontiert.

„Bei der Auswahl“, beschreibt Zechlin das Konzept, „waren wir darauf bedacht, den Kontext zu erweitern, also Positionen zu zeigen, die nicht oder in ganz anderer Form in unserer Sammlung vertreten sind.“ So trifft eine Ludwigshafener Arbeit von Wassily Kandinsky auf dessen Bauhaus-Kollegen Lyonel Feininger und seine aus dem Madrider Museum Thyssen-Bornemisza angereiste „Lady in Mauve“. Der Eigenbesitz von Robert Delaunays gläsernem Farbenspiel „Formes circulaires“ wiederum steht einem Stargast wie August Mackes „Mädchen mit Fischglas“ aus dem Wuppertaler Von-der-Heydt-Museum gegenüber. Eine Konstellation, die offenbart, wie viel magische Leuchtkraft sich der Maler des Blauen Reiters bei dem Franzosen abgeschaut hat.

Doch nicht um die Hervorhebung einzelner Künstlerpersönlichkeiten geht es Zechlin und seiner Kuratorin Julia Nebenführ, sondern um den roten Faden der kreativen Evolution. „Die Ausstellung“, so der Hausherr, „verfolgt die Entwicklung der Kunst, insbesondere der Abstraktion im gesamten 20. Jahrhundert.“ Geometrie etwa ist ein durchgängiges Thema: bei avantgardistischen Altmeistern wie Piet Mondrian oder El Lissitzky ebenso wie bei der 1967 geborenen Sarah Morris.

Den Grundstock des Ludwigshafener Museums bildete seinerzeit der Bilderschatz des Kölner Kunstfreundes Wilhelm Hack (1899-1985). Dessen Schenkung wurde in der Folgezeit kontinuierlich ergänzt und umfasst aktuell rund 10.000 Werke, wobei der Fokus weiterhin auf der Klassischen Moderne liegt, dem Spezialgebiet des Museumspaten. Neuere Entwicklungen ausblenden will Zechlin aber keineswegs und hat Gegenwartskünstler eingeladen, sich ortsbezogen mit der Tradition des Hauses auseinanderzusetzen. Während Leni Hoffmann sich von der Architektur des Museums und seiner Glasfassade inspirierten lässt, macht Dan Perjovschi die weißen Wände selbst zum Zeichengrund, um mit bissigen Spontankarikaturen den Kunstbetrieb aufs Korn zu nehmen. Das hat in seiner anarchischen Eigendynamik nur noch wenig mit Expressionismus, Konstruktivismus und anderen Schulen der Moderne zu tun. Doch Zechlin ist überzeugt, dass der hintergründige Karnevalismus des rumänischen Cartoonisten auch dem Rheinländer Wilhelm Hack gefallen hätte.

Georg Leisten im OPUS Kulturmagazin Nr. 76 (November / Dezember 2019) auf S. 52. Weitere Beiträge zum Thema Kunst finden Sie in der Rubrik “Farben und Formen”.

Info: www.wilhelmhack.museum

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