Für ein konkurrenzfähiges Kongresszentrum in Saarbrücken

Die Alternativen in einem städtebaulichen Realisierungswettbewerb prüfen!

Erweiterung Congresszentrum Saar nach Westen in den Bürgerpark mit Dachbegrünung © Eric Schwarz

Seit rund zehn Jahren hat sich die Stadt Saarbrücken von ihrem Messezentrum getrennt mit dem Ziel, das Kongresszentrum am alten Hafen auszubauen. Mit Unterstützung ausgewiesener Fachleute kam man zu dem Ergebnis, dass die Congresshalle am alten Hafen in Saarbrücken um einen großen Ausstellungsbereich von 5-6000 m² erweitert und entsprechend den aktuellen Anforderungen an das Tagungsgeschäft ausgebaut und modernisiert werden sollte, um die Landeshauptstadt im Kongress- und Messegeschäft zukunftsorientiert zu positionieren .

Der Durchbruch schien vor ca. eineinhalb Jahren gelungen, als der Fraktionsvorsitzende der CDU im Landtag, Alexander Funk, die Zusage des Bundes über die Gewährung eines Zuschusses von 50 Mio Euro aus einem städtebaulichen Sonderprogramm verkündete.

Nach vielfältigen Planungsansätzen, mehrfach veränderten Nutzungsanforderungen und städtebaulichen Erwägungen sieht es so aus, als solle das Ausstellungsgebäude auf der jetzt als Parkplatz genutzten Fläche vor der Bundesagentur für Arbeit angrenzend an den Vorplatz der Kongresshalle errichtet und mit einem schrägen Korridor mit der Kongresshalle verbunden werden. Der notwendige Raum für den ruhenden Verkehr soll durch ein Parkhaus auf dem Parkplatz der Saarland Sporttoto GmbH geschaffen und mit einer Fußgängerbrücke über die Saar mit dem Kongresszentrum verbunden werden.

Von der Saarländischen Gesellschaft für Kulturpolitik e.V. ist zwischenzeitlich ein Alternativvorschlag zur Diskussion gestellt worden, der im Titelbild des Beitrages zu sehen ist.

Danach soll der Neubau des Ausstellungsgebäudes im Anschluss an die Congresshalle entlang der Saar in westlicher Richtung ausgeführt – mit etwas Abstand zur Halle West, um deren natürliche Belichtung zu erhalten: ein gläserner Korridor soll die jetzige Congresshalle mit dem Neubau verbinden.

Optimale Bedingungen für Besucher und Aussteller

Diese Lösung hätte im Vergleich zu der bereits geschilderten und von der Landeshauptstadt favorisierten Variante eine ganze Reihe von durchschlagenden Vorteilen.

  1. Der Fortsetzungsbau entlang der Saar nimmt eine Gestaltungsidee des französischen Baumeisters Pinguisson auf, der nach dem Krieg eine städtebauliche Neugestaltung entlang der Flussaue anstrebte, konnte mit dem Bau der schlanken und eleganten französischen Botschaft, in der über lange Jahre das Kultusministerium residierte, jedoch nur den ersten glanzvollen Akzent setzen. Danach wurde dieses städtebaulich vielversprechende Projekt ad acta gelegt.
  2. Da der Abstand zwischen der aktuellen Nutzungsebene der Kongresshalle zu dem tiefer gelegenen Flussufer circa sechs Meter beträgt, könnte durch entsprechende Verstärkung der Fundamentpfeiler und das Einhängen von Betonelementen ein zusätzliches Parkhaus zu äußerst günstigen Konditionen entstehen, das an das vorhandene Parkhaus westlich der Congresshalle unmittelbar angegliedert und in der Verkehrsführung darüber erschlossen werden könnte. So können die Besucher/innen aus dem Parkdeck trockenen Fußes über Treppen oder Aufzüge in das Ausstellungsgebäude gelangen und von dort aus in den Tagungsbereich der Congresshalle gelangen. Die städtische Variante der Planung mutet demgegenüber einem Großteil der Besucher/innen des Kongresszentrums einen Fußmarsch bei Wind und Wetter über eine neue Brücke zu, eine alles andere als besucherfreundliche Lösung.
  3. Der gern zitierte Hinweis der Politik, Saarbrücken liege im Herzen Europas darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stadt am Rande der Republik liegt. Um konkurrenzfähig zu sein, muss Saarbrücken deswegen mit komparativen Vorteilen aufwarten können, die uns gegenüber anderen Kongressstädten profilieren und attraktiv machen. Dass man trockenen Fußes bequem und sogar durch die für die Öffentlichkeit und das Fachpublikum präsentierten kongressbegleitenden Ausstellungen in den Tagungsbereich gelangt, ist eindeutig ein solcher Vorzug, der nicht hoch genug bewertet werden kann.
  4.  Das Saarland und seine Landeshauptstadt sind bekanntlich finanziell nicht auf Rosen gebettet. Der Anbau einer Halle mit Parkdeck in westlicher Richtung entlang der Saar hätte auch finanziell im Vergleich zu der seitens der Stadt geplanten Variante deutliche Vorteile:
  • Die für das Projekt der Stadt erforderlichen Grundstücke vor der Bundesagentur für Arbeit und am Toto Haus gehören wegen ihrer Stadtkernlage zu den teuersten in Saarbrücken.
  • Zudem wäre der Bau eines Parkhauses – von einer Tiefgarage ganz zu schweigen – deutlich teurer als das vergleichsweise kostengünstig realisierbare Parkdeck unter dem Anbau nach Westen. Allein die Kosten für die Fußgängerbrücke werden mit ca. 8 Millionen Euro veranschlagt. Dass sich die Mehrkosten des aktuell in Aussicht genommenen Vorhabens der Stadt auf ca. 20 Millionen Euro summieren könnten, dürfte nicht übertrieben sein.

5. Ersatz für die Saarlandhalle

Der Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Saarbrücken Uwe Conradt hat dieser Tage zu Recht gefordert, dass die völlig veraltete Saarlandhalle durch einen Neubau für bis zu 10.000 Besucher/innen ersetzt werden sollte. Aus Synergie- und Kostengründen drängt es sich geradezu auf, das von der Saarländischen Gesellschaft für Kulturpolitik angestrebte neue Ausstellungsgebäude auch dafür zu nutzen und in entsprechender Größenordnung zu planen und zu bauen. Diese Doppelnutzung wäre in vielfacher Hinsicht sinnvoll und wirtschaftlich, nicht nur bei den Investitions- und Errichtungskosten, sondern auch – und das zählt auf Dauer – bei den Unterhaltungs- und Bewirtschaftungskosten. Auch wäre ein kombinierter Bau einschließlich der Veranstaltungshalle wesentlich kostengünstiger als zwei getrennte Hallen.

Ein nicht hoch genug zu veranschlagender Vorteil wäre zudem, dass die Mehrzahl der Pop- und Rock- Events im mittleren Bereich bis zu 5000 Besuchern parallel zu kongressbegleitenden Ausstellungen über die Bühne gehen könnten, geradezu ein Optimum an Flexibilität und Wirtschaftlichkeit.

Und ganz nebenbei: dieses Bauvorhaben könnte realisiert werden, ohne dass irgendeine vorhandene Einrichtung im Geringsten betroffen wäre. Nach Fertigstellung könnte der Betrieb der Saarlandhalle verlust- und reibungslos in der neuen Eventhalle am Kongresszentrum weitergeführt werden.

Der kostengünstige und besucherfreundliche Parkplatz am Toto-Haus bliebe erhalten und der Parkplatz vor der Bundesagentur für Arbeit könnte für ein privatwirtschaftlich finanziertes dienstleistungswirtschaftlich orientiertes neues Gebäude genutzt werden

Ist der Bürgerpark wichtiger als ein konkurrenzfähiges, besucherfreundliches Kongresszentrum?

Dem westlichen Anbau an die Kongresshalle entlang der Saar stehen der Erhalt und die Tabuisierung des Bürgerparks entgegen. Es ist nicht zu bestreiten, dass ein Anbau nach Westen den aktuellen Park zu einem wesentlichen Teil grundlegend verändern, ja sogar aufheben würde.

Wäre dieser Verlust verkraftbar und vertretbar?

Die Berufung des Schöpfers des Bürgerparks, Prof. Latz, auf sein Urheberrecht wäre angesichts überragend wichtiger Wirtschaftsinteressen letztlich kein Hindernis, zumal sein ursprüngliches Konzept bereits sehr stark durch den Bau des Parkhauses in den Bürgerpark hinein beeinträchtigt wurde – in deren Rahmen übrigens die einzige Ikone des Alten Hafens, nämlich die Kaimauer ersatzlos verschwand! Auch der Denkmalschutz, mit dem die Stadt vor einiger Zeit den Bürgerpark aufwertete, steht letzten Endes nicht im Wege, wie uns die Erfahrungen der Vergangenheit in zahlreichen Fällen gezeigt haben. Außerdem verweisen Rechtsexperten darauf, dass der Stadtratsbeschluss, am Alten Hafen als Ersatz für die Saarmesse ein großes, modernes Kongresszentrum auszubauen rechtlich einem Wegfall der Geschäftsgrundlage gleichkomme mit der Folge, dass in diesem Umfeld sämtliche Flächen planerisch zur Disposition stehen müssten. Wenn ein zukunftsfähiges Kongresszentrum entstehen soll, geht es um nicht mehr und nicht weniger als um ein Jahrhundertprojekt für das Saarland und seine Metropole. Und wo gehobelt wird, fallen bekanntlich auch Späne.

Ist ein optimales Kongresszentrum in Verbindung mit einer bürgerfreundlichen Parkanlage denkbar?

Die abgebildete Zeichnung vermittelt einen spannenden Ausblick auf diese Vision. Es geht zunächst darum, einen umfassenden ökologischen Ausgleich an Blattgrün-Flächen für die westlich der Kongresshalle stehenden Bäume zu schaffen. Das ist sehr wohl möglich und realisierbar, denn die gesamte Dachfläche der kombinierten Ausstellungs- und Eventhalle in der Größenordnung von 10.000 m² konnte dafür ebenso zur Verfügung stehen wie die – derzeitig völlig unansehnlichen – Dachflächen der vorhandenen Parkhäuser westlich der Kongresshalle.

Im Anschluss an die städtebaulich eminent wichtige Freifläche im Vorfeld der Kongresshalle entstünde so eine hoch attraktive Grünfläche, die kombiniert mit der begrünten Dachfläche des Ergänzungsbaus eine ganz besondere neue Besucherattraktion schaffen würde. Die Aussichten, dass diese neuen Grünflächen von den Bürgerinnen und Bürgern, aber auch von auswärtigen Besucher/innen angenommen werden sind ungleich besser als für das derzeitige Parkareal im Anschluss an die Congresshalle.

Wie ein auswärtiger Besucher diesen Teil des Bürgerparks bewertet, mag der Ausspruch des renommierten Verkehrsplaners Prof. Wilko Manz von der Universität Kaiserslautern zeigen, der Ende Januar in der IHK einen Aufsehen erregenden Vortrag zur Zukunft des Verkehrs in der Saarbrücker City hielt. Beim Anblick der Bäume, die auf steinigem Gelände stehen, sagt Manz ganz spontan: „Was für eine unwirtliche Gegend“.

Die politisch Verantwortlichen in Stadt und Land sollten den Mut fassen, im Interesse eines optimalen Dienstleistungsstandorts den Weg frei zu machen für ein modernes Kongresszentrum. Was aber das Mindeste ist: Die neuen Vorschläge sollten in einem städtebaulichen Realisierungswettbewerb im Vergleich zu den städtischen Plänen auf den Prüfstand gestellt werden. Nach Auffassung von Experten wäre das in drei bis vier Monaten über die Bühne zu bringen. Angesicht der weittragenden Bedeutung der anstehenden Investition erscheint das absolut vertretbar. Soviel Zeit muss dann doch sein.

Kurt Bohr im OPUS Kulturmagazin Nr. 78 ( März / April 2020) in der Rubrik Kulturpolitik

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