Existenz der Saarbrücker Hefte ist vorläufig gesichert

Das saarländische Kultusministerium fördert die älteste Kulturzeitschrift des Saarlandes in diesem Jahr mit 6000 Euro

© Saarbrücker Hefte, www.saarbrücker-hefte.de

(red.) Die Existenz der Saarbrücker Hefte ist vorläufig gesichert. Das saarländische Kultusministerium fördert die älteste Kulturzeitschrift des Saarlandes in diesem Jahr mit 6000 Euro. Der Trägerverein des Magazins wird keinen Zuschuss aus dem städtischen Corona-Hilfsfonds beantragen.

Entgegen der Empfehlung des Kulturdezernats der Stadt werden die Redaktion und der Trägerverein der Saarbrücker Hefte keinen Antrag auf finanzielle Förderung aus dem Corona-Hilfsfonds stellen.  Nachdem es Oberbürgermeister Uwe Conradt (CDU) im Mai abgelehnt hatte, das älteste Kulturmagazin des Saarlandes aus seinem persönlichen Verfügungsfonds zu unterstützen, geriet die Existenz des Blattes in Gefahr. Die bis 2019 von Conradts Vorgängerin Charlotte Britz (SPD) mit jährlich 10 000 Euro unterstützte Zeitschrift war 1955 vom Kulturamt der Landeshauptstadt gegründet worden. Im Januar 2020 feierte sie ihr 65jähriges Bestehen. Bis 2006 wurde sie aus dem regulären Haushalt der Stadt finanziert. Damals beendete die CDU-FDP-Rathauskoalition die Unterstützung. Conradt wollte nun die Praxis von Britz nicht fortsetzen. Er begründete dies mit unüberschaubaren finanziellen Folgen der Corona-Pandemie.

Eine Vertreterin des städtischen Kulturdezernats empfahl den Saarbrücker Heften letzte Woche, ausgerechnet einen Antrag auf Unterstützung in gleicher Höhe aus dem Corona-Hilfsfonds der Stadt zu stellen. Die Redaktion lehnt dies ab, da die Hefte – anders als viele Künstler, die z.B. nicht mehr auftreten können – nicht durch die Pandemie in Mitleidenschaft gezogen wurden, sondern allein durch die Entscheidung des Oberbürgermeisters. Es wäre aus Sicht der Redaktion deshalb zynisch, in Konkurrenz zu jenen zu treten, die tatsächlich dramatische Einbußen durch die massiven Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie erlitten und erleiden.

Äußerst befremdet sind Redaktion und Trägerverein auch darüber, dass die schwarz-gelb-grüne Jamaikakoalition im Saarbrücker Rathaus eine von SPD, Linken und Die Partei im Kulturausschuss beantragte Förderung in Höhe von 10 000 Euro aus dem regulären Haushalt mit dem Hinweis ablehnte, es müsse zunächst geprüft werden, ob es sich bei der Halbjahreszeitschrift für Kultur und Gesellschaft, die 1989 von einem gemeinnützigen Trägerverein übernommen wurde, tatsächlich um Kultur handele. Erst wenn dies geklärt sei, könne entschieden werden, ob eine reguläre Förderung möglich sei. Einen vergleichbar absurden Fall hat es in der Landeshauptstadt bisher wohl noch nicht gegeben. Die Redaktion der Saarbrücker Hefte ist sich bewusst, dass sie keinen gesetzlichen Anspruch auf finanzielle Förderung durch die Kommune hat. Das Mindeste ist jedoch ein Anspruch auf eine ehrliche Diskussion. Der hat sich die Jamaika-Koalition bisher entzogen. Wenn die Opposition ihren Förderantrag auch im Rat der Stadt stellen würde, müssten sich die Mehrheitsfraktionen einer breiten öffentlichen Debatte stellen. Dann könnten zumindest die kulturpolitischen Verhältnisse klarer werden.

Die finanzielle Existenz der Saarbrücker Hefte ist unterdessen zumindest bis zum Winter, wenn die übernächste Ausgabe (Heft 122) erscheinen soll, gesichert: Das saarländische Kultusministerium wird den Trägerverein in diesem Jahr mit einem Druckkostenzuschuss in Höhe von 6000 Euro fördern. Hinzu kommen 2500 Euro von der Saarland-Sporttoto GmbH und eine Vielzahl an Spenden und neuen Abonnenten. Redaktion und Verein bemühen sich intensiv weiter um alternative Finanzierungsmodelle.

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