Feurige Rhythmen, französische Geigenromantik und ein neuer Kosmos für Paganini

Neue CD-Veröffentlichungen der Deutschen Radio Philharmonie

CD-Cover “Revolutionary Rhythms // Copyright: OEHMS Classics



Feurige Rhythmen, französische Geigenromantik und ein neuer Kosmos für Paganini

Neue CD-Veröffentlichungen der Deutschen Radio Philharmonie


von Friedrich Spangemacher

Drei neue CDs hat die Deutsche Radio Philharmonie (DRP) in diesem Jahr herausgebracht: die Abschiedsproduktion von Karel Mark Chichon unter dem Titel “Revolutionary Rhythms”, das “New Paganini Project” mit Niklas Liepe und eine CD mit Musik für Geige des Franzosen Théodore Dubois.

Chichon hat in rhythmisch betonten Werken von Igor Strawinsky, Serge Prokofjew und Manuel de Falla noch einmal seine hohe Klangkultur, die er mit der DRP erreichte, unter Beweis gestellt: bestechend die hohe Präsenz, die Unbedingtheit beim Musizieren und der mitreißende Rhythmus, den er immer wieder entfesselt. Und er erzählt : hat das Gefühl, dass man direkt in diese Geschichten hineingetragen wird. Chichon spielt mit Nähe und Ferne, mit Exaltiertheit und Zurücknahme. Es gibt Tanzextasen aber auch sein sprichwörtliches Pianissimo. Und er abeitet die Schichten der Musik gut und transparent heraus, nichts überlagert oder überdeckt sich. Die schnellen Tempi nimmt er immer sehr rasch, wie etwa im Höllentanz des “Feuervogels”, spielerisch leicht dann “Julia, das kleine Mädchen” und mit viel Lokalkolorit kommt De Fallas “Dreispitz” . Bei “Jota” lässt er es noch einmal krachen. De Falla ist sowieso seine Welt, Musik in der er sich wohlfühlt.

Musik von Théodore Dubois ist hierzulande eine Entdeckung, vor allem seine Musik für Violine. Ingolf Turban hat diese Musik, Dubois’ Geigenkonert und seine Stücke für Violine und Klavier neu entdeckt, und das Konzert mit der DRP (Dirigent: Lukas Maria Kuen) eingespielt. Man hört sich zunächst erst allmählich hinein in dieses Werk, das pompös beginnt, mit religiösen Momenten spielt, das sich dann aber rasch freischwimmmt, dramatische Züge annimmt. Wenn das Soloinstrument eintritt, läßt es sich zuächst von der Dramatik anstecken lässt, findet dann den vorherrschenden lyrisch- ausdrucksstarken Ton, der aus dem zweiten Thema kommt. Ingolf Turban hat den für dieses Werk grossen und expressiven Ton, und er verhilft dieser spätromantischen Partitur zu einem überzeugenden Leben. Die traditionelle französische Musik der Romantik feiert hier Urständ, auch wenn das Werk fast parallel mit der impressionistischen Musik Frankreichs entstand. Die Virtuosenseele wird auch kräftig bedient, aber ebenso das Ruhige, Traute, wie im wunderbaren langsamen Satz, den Turban innig spielt. Er findet den absolut richigen Ton für diese Musik, oft mit hohem Druck, was ihr guttut. Das Orchester ist in seinem Element und der Tonmeister hat an den Reglern eine wunderbare Balance von Solisten und Orchester realisiert.

Noch einen Geiger stellt die DRP heraus: Niklas Liepe, der die Idee hatte, die 24 Capricen für Violine solo von Niccolo Paganini mit neuen Orchesterbearbeitungen zu versehen. Er nennt das Ganze “The New Paganini Project”. Einige Komponisten wie Robert Schumann, Fritz Kreisler oder Jacques Thibaud hatten schon Klavierbegleitungen erstellt, die der Komponist Andreas N. Tarkman für Liepes Projekt orchestrierte. Vor allem aber bestellte er bei zeitgenössischen Komponisten neue Orchesterversionen. Für jedes Capriccio suchte Liepe einen Komponisten. Einige stammen aus den Grenzbereichen wie der Filmmusik oder des Jazz, andere sind Persönlichkeiten der Neuen Musik. Bei Stephan Lenz, der das 12. Capriccio bearbeitet ist der Jazzbackground unüberhörbar. Sehr gelungene Versionen kommen von Claus Kühnl und Sidney Corbett, der ein musikalisches Bett schafft, aus dem der echte Paganini immer wieder herausspringt. Jazzig wiederum ist die Klavierversion des Komponisten Fazil Say, die Andeas Tarkman für Jazz-Quartett bearbeitet hat. Insgesamt kann man eine aufregende, klangvolle Reise durch einen neu geschaffenen Paganini-Kosmos erleben, sehr gut gespielt von Niklas Liepe und ebenso gut begleitet von der Deutschen Radio Philharmonie unter Gregor Bühl.


Angaben:

Revolutionary Rhythms: Deutsche Radio Philharmonie / Karel Mark Chicon
Oehms classics, OC 464

Theodore Dubois, Violon Concerto u.a.:
Ingiolf Turban, Violine / Deutsche Radio Philharmonie / Raoul Grüneis
cpo 777932-2

The New Paganini Project:
Nilas Liepe / Deutsche Radio Philharmonie / Gregor Bühl
Sony 190775823252

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