Es wird noch länger gediegen gespottet – verlängert bis 9. September

Blick in die Ausstellung GEDIEGENER SPOTT // Copyright: Thomas Viering



Noch länger regiert der Spott in Baden-Baden: Das Museum LA8 verlängert die Ausstellung „GEDIEGENER SPOTT. Bilder aus Krähwinkel“ bis einschließlich zum 9. September. Mit rund 250 Grafiken präsentiert die Ausstellung erstmals einen umfassenden Überblick über die unbekannte, spöttisch-subversive Bilderwelt des Biedermeier, die zugleich die politisch turbulente Vormärz-Zeit ist. In den Grafiken fanden die Künstler einen Weg, in Form bildlicher Ambivalenzen auch das Ungelöste und Verdrängte zu zeigen. Anschaulich und eindrucksvoll wird die Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts in vielen relevanten Lebensbereichen, wie Familie, Politik, Gesellschaft und Militär innerhalb der Schau erlebbar gemacht.

Das Biedermeier zwischen 1815 und 1848 bestand nicht nur aus behaglichen Möbeln, Hausmusik und unpolitischer Privatheit. In den bürgerlichen Wohnstuben wurde manchmal laut gelacht, und zwar über die populären, allgegenwärtigen und bunten Bilder, die das absurde Treiben der anständigen Bürger in Krähwinkel zeigten und Ausdruck spöttisch kritisierwürdiger Kleinbürgerlichkeit waren. Die beliebten Drucke hatten durchaus auch politische Relevanz, indem sie als scheinbar kindlich-lustige Text-Bild-Kombination die damals herrschende Pressezensur unterliefen.

Das Biedermeier stand für den Versuch, in einer Phase tiefgreifender wirtschaftlicher, politischer und sozialer Umbrüche persönlichen und familiären Halt zu finden an harmonisch gestalteten Gegenständen: vor allem an Möbeln, auch an ansehnlicher, dabei zugleich praktisch schlichter Kleidung, an volksliedhaft kurzen Dichtungen, an Musikinstrumenten, die man zu Hause spielen konnte. Für die Besucher der Ausstellung wird das Gediegene der Epoche erfahrbar durch historisches Mobiliar. Ergänzt wird das (allzu) Behagliche durch Puppenstuben des 19. Jahrhunderts, erlebte doch das Puppenhaus seinen ersten großen Aufschwung als massenhaft hergestelltes Spielzeug im Biedermeier. Womöglich mehr noch als reale Wohnräume wurde die Puppenstube zum Idealort des kindlich unpolitischen Rückzugs ins Private.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Wilhelm Busch – Deutschen Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover.

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