Erster Übersichtsband zu den 20er Jahren im Saargebiet

Peter Gillo, Regionalverbandsdirektor und stellvertretender Vorsteher des Zweckverbandes Historisches Museum Saar (Mitte), sowie die Herausgeber Jessica Siebeneich (vorne) und Simon Matzerath (hinten) präsentieren den neu erschienenen Ausstellungskatalog „Die 20er Jahre“ © Historisches Museum Saar

(red.) Der Katalog zur aktuellen Sonderausstellung des Historischen Museums Saar ist da: „Die 20er Jahre – Leben zwischen Tradition und Moderne im internationalen Saargebiet (1920–1935)“. Reich bebildert mit historischen Fotos berichten 27 Übersichts-Beiträge von Gesellschaft, Kultur, Politik und dem alltäglichen Leben der Menschen in der Saarregion.

Die weißen Dächer der Stände sind aufgespannt und reihen sich dicht aneinander, Menschen streifen munter durch die schmalen Gänge. Es ist Markttag in Dudweiler und die Autos stehen am Rand, voller Erwartung auf gefüllte Einkaufstaschen. Direkt daneben zwei Holzwagen, vor denen Pferde gespannt sind. Ein kleiner Junge zieht einen Bollerwagen mit seiner Marktausbeute hinter sich nach Hause. Diese Fotoaufnahme vom Sommer 1931 steht exemplarisch für das Leben der Menschen im Saargebiet nicht nur zwischen – sondern auch im Nebeneinander – von Tradition und Moderne. Dessen ganze Bandbreite bildet der noch druckfrische Katalog „Die 20er Jahre“ nun erstmals in Bild und Text ab.

Neben Entwicklungen in Politik und Zeitgeschehen, die übersichtlich und nachvollziehbar in einer Chronologie gegliedert sind, werden unter anderem Themen wie Freizeitgestaltung, Kultur, Mode, Arbeiterbewegung, jüdisches Leben, die moderne Frau, Wohnen und Architektur sowie Presse und Mobilität aufgearbeitet. Ergänzt durch zahlreiche Bilder entsteht ein Gesamteindruck: da wird Fastnacht im Matrosenkostüm gefeiert und Charleston im Café Kiefer getanzt, es finden Boxkämpfe auf dem St. Johanner Markt statt und wer es sich leisten kann, fährt Auto oder Motorrad.  Aber auch die Not der Nachkriegszeit, Armut, viele Kriegsversehrte, politische Unruhen, Streiks und die großen, international verfolgten Ereignisse wie die „Jahrtausendfeier der Rheinlande“ 1925 und die Volksabstimmung 1935 werden von den Autoren vermittelt. Jeder Beitrag wird zudem durch eine zusammengefasste Version in Französisch und Englisch ergänzt.

Schirmherr der Ausstellung und Ministerpräsident des Saarlandes Tobias Hans: „Am 10. Januar 2020 ist es hundert Jahre her, dass unser Land mit der Geburt des Saargebietes erstmals eine eigene politische Einheit bildete. Dieses Jubiläum gibt uns Anlass, in vielfältiger Weise auf die nachfolgende Zeit unter dem Völkerbundsmandat zurückzublicken. Das Historische Museum Saar ergänzt mit seiner Ausstellung und dem Katalog das Bild der europäischen Geschichte unseres Landes um zahlreiche wichtige Mosaiksteine.“

Der Katalog „Die 20er Jahre – Leben zwischen Tradition und Moderne im internationalen Saargebiet (1920–1935 )“ ist im Berliner Imhof-Verlag erschienen und kostet 29,95 Euro. Er ist im Museumsshop des Historischen Museums Saar und beim Verlag erhältlich.

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