Eine überzeugende Zauberkomödie – Frank Martins „Sturm“ am Saarländischen Staatstheater

Sungmin Song (Trinculo), Julian Younjin Kim (Stephano) und Markus Jaursch (Caliban), Copyright: Martin Kaufhold
 


von Friedrich Spangemacher
 
Irritation und Faszination, ein Kaleidoskop der Temperamente, ein Gesellschaftsbild, Streit, Hass, Unerbittlichkeit und Versöhnung, ein Psychogramm eines Ausgestossenen, eine Versammlung von Geistern, eine Liebesgeschichte und ein Happy End: Frank Martins „Der Sturm“ nach William Shakespeare, der am Samstag am Staatstheater Saarbrücken Premiere hatte.
Die Zuschauer werden anfangs überrollt von der Fülle der Personen, von den vielfarbigen Szenen, von den Geschichten, die erzählt wurden, von den Emotionen, die frei werden und von der strengen Sprache. Nicht leicht, da gleich durchzufinden. Ordnend dabei war die Musik, die klare Linien setzte. Sie macht Anleihen bei Mendelssohns „Sommernachtstraum“, bei George Gershwin, bei den harmonischen Verwebungen eines Olivier Messiaen, bei Wagner, (u.a. bei Leitmotivpassagen, vor allem in klanglicher Hinsicht), bei sakraler Musik und bei Tanzmusik. Martin hatte nie Scheu, sich auch in den leichteren Genres der Musik zu orientieren. Die Musik ist trotzdem stringent, oft elegent und mit jeder Note wirksam.
Die Grundzüger der Shakespeareschen Geschichte sind schnell erzählt: Prospero, Herzog von Mailand, hatte sich mehr um seine Bibliothek als ums Regieren gekümmert und wurde von seinen Brüdern zusammen mit seiner dreijährigen Tochter Miranda auf eine einsame Insel verbannt, wo er sich -. er hatte Geheimwissenschaften studiert – mit Dämonen umgab und sie zu seinen dienstbaren Geistern machte. Diese Dämonen stehen gleichzeitig auch für sein Inneres, das Innere eines Verlassenen, der sich seine Welt erschafft. Er hatte Ariel, den Luftgeist aus einem Baum befreit und dieser Geist hilft ihm schließlich, mit seiner Familie wieder in Kontakt zu treten, weil Ariel einen Sturm entfacht, der das Boot mit den Brüdern an der Insel stranden läßt. Am Ende wird Prospero rehabilitiert und die Familie findet wieder zusammen, die Starken und die Schwachen, die Bösen, die Rachsüchtigen und die Reinen.
Es war eine sehr bunte Inszenierung (Regie: Lorenzo Fiaroni/ Bühnenbild: Ralf Kääselau) um einen Tisch, der für eine Hochzeit im Freien gerüset schien. Dort, mit einem Bankett, beginnt auch die Oper. Im Hintergrund der Baum, aus dem Ariel befreit wurde und in dem die Dämonen weiter hausen. Unter dem Tisch befindet sich die Höhle des Prospero. Peter Schöne war fantastisch in der dominanten Rolle des Prospero, auch die andere Sängerbesetzung (11 Männer und eine Frau) war vorzüglich, ebenso der immer höchst präsente Chor. .Roger Epple am Pult leitete überzeugend durch die nicht ganz leicht zu koordinierende Partitur. Hatten viele Zuschauer nach dem ersten – für manche etwas verstörendem Akt – das Theater verlassen, so gab es Jubel am Ende für ein ingesamt mitreißendes Ensemble. Ein Experiment mit einer kaum bekannten Oper: das war mehr als gelungen, Chapeau!

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