Dirigent von nobler Führungsart Pietari. Inkinen und sein Debütkonzert mit der Deutschen Radio Philharmonie

von Friedrich Spangemacher

Mit der neuen Spielzeit der Deutschen Radio Philharmonie hat sich der neue Chefdirigent Pietari Inkinen dem Saarbrücker Publikum vorgestellt – und es hingerissen, selbst wenn der Stoff nicht so leicht war: eine Uraufführung des finnischen Komponisten Einijuhani Rautavaara stand am Beginn, ein mystisches Stück mit dem Titel „In the Beginnung,“das an die „Vorstellung“des Chaos in Joseph Haydns „Schöpfung“ denken läßt, das aber auch finnische Naturwelten zu öffnen scheint. Dann das zwölftönige Violinkonzert „Dem Andenken eines Engels“von Alban Berg, dessen emotionale Welt bis ins Detail von der hervorragenden Solistin Carolin Widmann nachgespürt wurde. Schließlich stand Beethoven „Vierte“ auf dem Programm, von Inkinen weniger klassisch rund als etwas rau und mystisch aufgefasst, aber auch mit großer Musizierlust gespielt. Inkinens erster Auftritt bot genug Gelegenheit, ihn als Orchesterleiter zu studieren. Eines wird sofort klar: Inkinen ist sehr souverän am Dirigentenpult, er fühlt sich dort wohl. Er kennt auch alle Wege., die sein Orchester gehen muss, um seine Klangvorstellung umzusetzen. Er kann der Souverän sein, mit nach hinten durchgedrücktem Rücken und Blick himmelwärts,dann wieder ist er ganz bei den Musikern, kriecht quasi in das Klanggeschehen hinein. Er wird einer der Mitspieler , aber er hält den Kompass , er behält die Übersicht. Inkinen scheint mit den Augen die Phrasen und Motive durch das Orchester zu verfolgen und nimmt durch wenige körperliche Hinweise das Kommende vorweg. Er steht fest und hat alle Musiker in seinem Blick, der immer aufmunternd wirkt. Er kann sich aber auch tänzerisch bewegen. Mit seiner linken, leicht geöffneten Hand und mit eher her spärlichen Gesten formt er den Klang nach, fühlt ihn quasi. Inkinen ist ganz auf sein Orchester konzentriert, und das dankt ihm für seine noble Führungsart und hilft ihm, seine Klangvorstellung umzusetzen. Die erste Begegnung verspricht viele schöne Konzerte mit Inkinen und seinem neuen Orchester.

FOTO:(C)DRP

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