Die Psychologie des Außenseiters Tannhäuser – die letzte Opernpremiere der Ära Schlingmann

„Tannhäuser“ ist die letzte Opernpremiere der Ära Schlingmann. Die Inszenierung zeigt das, was Joachim Kaiser an dieser Oper schätzte: „Zauber, raffinierte Ambivalenz und die Unerschöpflichkeit“.

Regie führte Johannes Erath, der sich nach Lohengrin (2011 in Graz) zum zweiten Mal intensiv mit Wagner auf der Bühne beschäftigt. Erath bringt seinen Saarbrücker „Tannhäuser“ als zeitloses psychologisches Drama auf die Bühne, das aber durchaus im Heute ankommt. Denn Tannhäusers Persönlichkeit, so Erath spiegele Probleme auch der modernen Psychologie , wo zwei Seiten nicht zusammenkommen, „wo wir das andere nicht zulassen wollen, als gefährlich empfinden und mit Neid betrachten“ Und auch in anderer Hinsicht ist dieser Stoff aktuell, denn wir erleben heute mehr denn je den Drang nach ordnender Hand, und wir sehen, wie heute auch die religiös fundierte Haltung des Islam bis in unserer Gesellschaft hineinreicht.

Aber der „Tannhäuser“ ist in erster Linie ein inneres Drama. Es geht um Flucht aus der Gesellschaft, um das Verführtwerden, das Erliegen, um die Suche nach dem Selbst, und um den Zwiespalt zwischen Selbstverwirklichung und dem Konflikt mit der Obrigkeit. Schließlich geht es darum, sich in der Gesellschaft zu arrangieren, auch wenn der Preis dafür sehr hoch ist.

Die Sängerebesetzung überzeugt auf der ganzen Linie. Ganz großartig die Leistung von Nal Cooper, der den Tannhäuser verkörpert – mit einer Leidenshaft in der Stimme, und einer Klarheit, die dem Charakter des Tannhäuser entgegenkommt. Werner van Mechelen als Wolfram, Freund, dann Antagonist, dann wieder Freund, überzeugt mit seinem emotionaleren Zugang ebenso. Auch die beiden weiblichen Hauprollen, Jennifer Maines als Venus und Susanne Braunsteffer als Elisabeth verkörpern ihre Rollen mit großen und überzeugenden Stimmen, aber auch mit ihrer Hingabe und Leidenschaft.

Musikalisch ist die Aufführung vorzüglich. Der Generalmusikdirektor Nicholas Milton leitet das gesamte Ensemble mit großer Souveränität, mit dem Gespür auch für die Zwischentöne und mit der Lust am Ausmusizieren. Vor allem seine dynamischen Stufungen waren überzeugend. Jeder Sänger war zu verstehen, selbst ohne das eingeblendete Libretto. Das Ochester passt sich den Sängern und dem so aktiven Chor an und entfaltetet sich in den instrumentalen Vorspielen vor jedem Akt. Besonders zart und pastellartig war das Piano des Orchesters im 3. Akt, in dem das Orchester quasi hauchen konnte.

Das Bühnenbild war so einfach wie überwäitgend: Eine aufsteigende Treppe, die Landschaft, Höhle, Aufführungsstätte und Kapelle war. Diese Idee ist für eine gute Akustik sehr hilfreich. Herrlich das letzte Bild, wenn alle Vorhänge gezogen sind und man durch die hinteren Fenster den südlchen Abendhimmel Saarbrückens sieht.

Die Kostüme stammen von dem Modeschöpfer Christian Lacroix, dea die männlichen Protagonisten einfach mit Hose und Weste bekleidet und die Frauen im schimmernden Kleid. Die Chordamen mit Ordensgewand a la ‚Haute Couture‘ mit den kleinen Accessoires von leichten Mädchen und die CHorherren im weißen Anzug.

Die Personenführung hat einige sinnträchtige und schöne Momente, etwa am Beginn des 3. Aktes, an dem die Pilgermädchen nach und nach den Schauplatz verlassen; das warein Abschied von Tannhäuser als Spiel, wobei man bis zu diesem Zeitpunkt novh gar nicht weiß, wie der Past entschieden hat.

Ein gelungener Abschie der scheidenden Intendantin vom Saarbrücker Staatstheater.

Friedrich Spangemacher

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.