„Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“

von Eva-Maria Reuther

Jetzt teilen

Codex Manesse, Meister Heinrich Frauenlob, Universitätsbibliothek Heidelberg © Universitätsbibliothek Heidelberg

Im Landesmuseum Mainz erhellt die neue rheinland-pfälzische Landesausstellung zur mittelalterlichen Kaiserherrschaft den Wirkverband der Macht und glänzt mit wertvollen Exponaten. Die Schau ist das Highlight des bis April 2021 verlängerten „Kaiserjahrs“.

Von Karl dem Großen bis Friedrich Barbarossa: Seit dem 9. September ist im Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) die neue Landesausstellung „Die Kaiser und die Säulen ihrer Macht“ zu sehen. Die Schirmherrschaft hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Rund 300 zum Teil hochprominente Exponate von über 80 internationalen Leihgebern vermitteln auf etwa 1200 Quadratmetern Ausstellungsfläche, dass Rheinland-Pfalz und seine Rhein-Region über Jahrhunderte im Mittelalter eine zentrale Basis zum Machterhalt war. Ein wichtiger Teil jener „größten Kraft des Reiches”, die der im 12. Jahrhundert lebende Chronist Otto von Freising an der Rheinschiene zwischen Aachen und Basel verortete.

Rheinland-Pfalz sei ein Land des allgegenwärtigen kulturellen Erbes stellte der Mainzer Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, Konrad Wolf bei der Pressekonferenz vorab fest. Dafür wolle man Bewusstsein in der Bevölkerung schaffen und helfen den Kulturstandort weiter zu entwickeln. „Unverzichtbare Grundlage für die Kaiser und Könige im Mittelalter war die Herrschaft über den Raum am Rhein“, erklärt Bernd Schneidmüller, der wissenschaftliche Leiter des Ausstellungsprojekts. Dabei habe ihre Herrschaft auf einem dynamischen dichten Netzwerk gegründet. „Wir wollen diesen Wirkverband zeigen“, erklärt der Mittelalter-Spezialist.

Als „politisches Königsdrama“ und „filmische Erzählung“ hat das angesehene Züricher Büro Holzer Kobler Architekturen das mittelalterliche Netzwerk zur Machtsicherung und seine Protagonisten inszeniert. Kaiserpersönlichkeiten von Karl dem Großen bis Barbarossa widmet sich die Ausstellung ebenso wie der Machtposition von Kirche und Bischöfen und der Bedeutung der Städte im Kraftfeld der Macht. Thematisiert werden zudem Rittertum und höfische Kultur sowie jüdisches Leben. Ein weiterer Aspekt gilt der Rolle der adeligen Frauen, unter ihnen einflussreiche Gestalten wie die Kaiserinnen Theophanu und Gisela. Ein Spotlight wirft die Schau auf die nicht an der Macht beteiligte große Mehrheit des Volkes.

Unter den wertvollen Ausstellungsstücken sind zahlreiche hochkarätige  und selten gezeigte Exponate. Allen voran die Große Heidelberger Liederhandschrift, der Codex Manesse aus dem 14. Jahrhundert, die zuletzt 2011 gezeigt und unter Polizeischutz von Heidelberg nach Mainz gebracht wurde. Zu den Raritäten gehören zudem der Thronsessel aus der Kaiserpfalz in Goslar und die Heiratsurkunde von Otto II. und Kaiserin Theophanu aus dem Jahr 972. Weitere Highlights sind der unter das Unesco Weltdokumentenerbe zählende Codex Egberti aus Trier und die Exemplare der „Goldenen Bulle“. Eine Gesetzessammlung von 1356, die Königswahl und Anzahl der Kurfürsten regelt und die Mitwirkung des Papstes ausschließt. Herausragende Stücke sind zudem der berühmte Cappenberger Barbarossa Kopf aus dem 12. Jahrhundert und das Armreliquar Karl des Großen aus dem Louvre.

Ergänzt wird die Ausstellung durch weitere Korrespondenzorte in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg  und Hessen, die Teil des mittelalterlichen Wirkverbandes waren und ihn durch eigene Ausstellungen weiter erhellen. Ausführlicher Ausstellungsrundgang und weitere Berichte im OPUS Kulturmagazin Nr. 82 (November / Dezember 2020) und in den folgenden Ausgaben.

Info:

Dauer der Ausstellung 9. September 2020 – 18. April 2021

Öffnungszeiten: Di 10-20 Uhr, Mi-So 10-17 Uhr, jeden 3. Freitag 10-21 Uhr

Tickets können online gebucht werden

Kaiser 2020.de, landesmuseum-mainz.de

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Reader erschienen.

 

Eva-Maria Reuther

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.