„Der Tod und wir“ über Sterben, Tod und Trauer in Kultur und Gesellschaft

Konzept einer Veranstaltungsreihe von Hospiz Trier und TUFA im Auftrag der Stadt Trier

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Ausstellung Tod, Sterben und Trauer © Foto Saskia Schäfer

 

Konzept einer gemeinsamen Veranstaltungsreihe zu

„Der Tod und wir“

über Sterben, Tod und Trauer in Kultur und Gesellschaft von Hospiz Trier und TUFA im Auftrag der Stadt Trier

Einführung

„Death is a very dull, dreary affair, and my advice to you is to have nothing whatsoever to do with it.” / „Der Tod ist eine trübselige Angelegenheit, und ich rate Ihnen, sich auf keinen Fall darauf einzulassen.”
Ist der Tod wirklich eine trübselige Angelegenheit, auf die man sich keinesfalls einlassen sollte, so wie William Somerset Maugham es sieht? Nein, im Gegenteil. Sterben, Tod und Trauer verdienen als unumgängliche Bestandteile des Lebens gerade besondere Aufmerksamkeit. So sind Sterben, Tod und Trauer vor allem aufgrund ihrer individuellen und gesellschaftlichen, aber auch allgemein kulturellen Bedeutung ein Thema, dem sich das Hospiz Trier und die TUFA mit einer Veranstaltungsreihe gemeinsam widmen möchten. Ziel ist es, einer umfassenden gesellschaftlichen, kulturellen und künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex Sterben, Tod und Trauer einen Raum zu geben.
„Eine Stadt sorgt für ihre sterbenden Menschen“. Mit diesem Selbstverständnis engagiert sich der Hospiz Verein Trier e.V. seit 1996 der Ambulante Hospiz- und Palliativberatungsdienst und das stationäre Hospiz begleiten jährlich über 300 Menschen in ihrer letzten Lebensphase. Zu den Aufgaben des Hospizes gehört es aber auch, den Hospizgedanken in die Gesellschaft zu tragen und die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Themen Sterben, Tod und Trauer mit kulturellen Veranstaltungen zu fördern.
Die Kooperation von Hospiz Trier und TUFA ermöglicht differenzierte, nachdenkliche, unterhaltende, kontroverse, diskursive und werteverhandelnde Blicke auf Sterben, Tod und Trauer. Mehr noch, durch die Verschränkung ihrer jeweiligen Konzepte und Aktivitäten, durch die Verbindung von hospizlichen und soziokulturellen Interessen hoffen Hospiz Trier und TUFA mit ihrer gemeinsamen Initiative einem breiten Publikum unterschiedliche Perspektiven, vielleicht sogar neue Einsichten zu vermitteln.
Programmskizze

Konzept und Programmgestaltung liegen in den Händen von TUFA und Hospiz Trier, die gemeinsam ein vielfältiges, sparten- und genreübergreifendes Veranstaltungsprogramm anbieten:
Vorträge, Lyrik- und Prosalesungen, auch Poetry Slams, Streitgespräche und Debatten, Theater, Musiktheater und Performances, Konzerte, Ausstellungen und Wettbewerbe im Bereich Gestaltung.
Für die einzelnen Veranstaltungen werden weitere Mitstreiter (und Förderer) angesprochen, die zur Thematik der jeweiligen Veranstaltung einen besonderen Bezug haben.
Vorträge und Lesungen
Geplant sind Veranstaltungen in unterschiedlichen Formaten, die einen Vortragscharakter haben: Vorträge klassischer Art aus den themenrelevanten Bereichen der Wissenschaft (Philosophie, Soziologie, Ethnologie, Theologie, Psychologie, Recht, Wirtschaft, …), aber auch Lesungen von Prosa und Lyrik sowie Poetry Slam.
Für Vorträge und Podiumsdiskussionen werden gezielt die Universität und die Hochschule, Religionsgemeinschaften, aber auch Agnostiker und Atheisten, die Parteien sowie (Standes-) Organisationen der Ärzte, Pfleger und Bestatter angesprochen, um sie ggf. als Partner zu gewinnen.
Thematische Poetry Slams werden in Kooperation mit dem Kulturverein Trier durchgeführt, der eine diesbezüglich eingeführte Institution ist.
Streitgespräche und Debatten
Neben den eher rezeptiven Vortragsformaten soll mit Podiumsdiskussionen ein dialogischer, auch Kontroversen ermöglichender Ansatz verfolgt werden,
Theater, Musiktheater, Performance
Die Theater- und Musiktheaterliteratur bietet zum Thema Sterben, Tod und Trauer einen großen Schatz von Texten und Inszenierungen an. Auch diese Form der kulturellen Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex soll durch professionelle, semi-professionelle und Amateurproduktionen auf die Bühne gehoben werden. Auch wenn dies unter Corona-Bedingungen konzeptionell und organisatorisch schwierig ist werden auch Kinder- und Jugendtheaterstücke angeboten werden.
Konzerte
Schließlich hat auch die Musikliteratur eine Vielzahl kleinerer Formate zu bieten, bei denen es um Sterben, Tod und Trauer geht. Interessante Trauermusik gibt es von vielen Komponisten, von der Klassik bis zur Moderne, in Jazz, wie in Folk und Rockmusik.
Auch hier werden die Veranstalter Partner gewinnen und mit Musikern und Ensembles vor Ort, aber auch, sofern Interesse besteht, mit dem Orchester der Stadt und dem Moselmusikfestival zusammenarbeiten.
Ausstellungen, Gestaltungswettbewerbe
Sterben, Tod und Trauer werden natürlich auch durch die Bildenden Künste aufgegriffen. Die Veranstalter werden deshalb zu kuratierten thematischen Ausstellungen einladen, etwa zum Thema „Totentanz“. Die Angewandten Künste und das Design sind hier aber auch von Bedeutung; deshalb wird es Ausstellungen und Wettbewerbe etwa zur Trauermode, zur Architektur, zur Grabgestaltung und ganz allgemein zur Friedhofsgestaltung geben.
Auch hier wird es Kooperationen geben, insbesondere mit dem Fachbereich Gestaltung der Hochschule Trier und mit den Trierer Kunstvereinen sowie den rheinland-pfälzischen Künstlerverbänden, aber auch mit einschlägigen Unternehmen aus dem Kunsthandwerk.

Programmvorschau 2020 / 2021 / 2022
Ursprünglich sollte im Mai 2020 mit einer Diskussionsveranstaltung und einer Ausstellung die Veranstaltungsreihe gestartet werden. Das war jedoch aufgrund der Corona-Krise und den dadurch erzwungenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens nicht möglich. Jetzt soll Ende Oktober ein zweiter Versuch unternommen werden, wobei schon in den letzten Monaten einige Veranstaltungen stattgefunden haben, die eigentlich zum Programm gehört hätten, etwa das diesjährige Open Air Kino im Innenhof der TUFA mit einem Programm, dass sich mit dem Thema der Veranstaltungsreihe beschäftigt. Zudem wurde im September an mehreren Terminen im Großen Saal der TUFA das Kindertheaterstück „Ente, Tod und Tulpe“ von Nora Dirisamer nach Wolf Erlbruch aufgeführt.
Programmvorschau für 2021
Am Nachmittag des 7. Januar 2021 wird die Ausstellung „La Mode & La Mort: Faltenspiel“ eröffnet, die bis zum 31. Januar 2021 dauert. Es ist dies eine Ausstellung in Kooperation mit der Hochschule Trier. Das Thema wurde durch Studierende des ersten Semesters der Fachrichtung Modedesign des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Trier unter Betreuung von Dipl. Des. Elvira Kempf umgesetzt. Ein Faltenspiel, das mit Transparenz und Blickdichte, Licht und Schatten, Höhen und Tiefen als modische Umsetzung dem Leben und dem Tod entspricht. Am Abend des 7. Januar 2021 findet im Anschluss an die Eröffnung der Ausstellung dann im Großen Saal der TUFA ein Poetry Slam statt, der in Kooperation mit dem Kulturraum Trier veranstaltet wird.
Voraussichtlich am 28. Februar 2021 sprechen der Soziologe Prof. Dr. Alois Hahn und der Moraltheologe Prof. Dr. Josef Brantl über
DER TOD UND WIR: Erfahrungen und Umgang mit Sterben und Tod.
Moderiert wird das Gespräch durch Dr. Franz-Josef Tentrup, ehemaliger Leiter der Palliativstation des Mutterhauses. Die Diskutanten gehen der Frage nach, ob es das gute Sterben gibt und wenn ja, was es denn wäre. Zudem erörtern sie, wie das Sterben heute erlebt wird und wie ein selbstbestimmter, würdiger Prozess des Sterbens ablaufen könnte. Auch wird es darum gehen, wie mit dem Tod umgegangen, wie ihm begegnet wird durch Rituale, Tabuisierung, Trauergestaltungen und Jenseitsvorstellungen.
Das Kindertheaterstück „Ente, Tod und Tulpe“ von Nora Dirisamer nach Wolf Erlbruch wird noch einmal im Februar oder März wiederaufgenommen. Geplant sind zwei Familienaufführungen, an die sich eine Diskussion mit den Schauspielern und dem Regisseur anschließt.
Vom 5. März bis 18. April 2021 wird die interaktive Ausstellung „Dialog mit dem Ende“ der Körber Stiftung in Zusammenarbeit mit Dialog Social Enterprise aus Hamburg im 2. OG der TUFA gezeigt. Diese Ausstellung wirft Fragen zur eigenen Endlichkeit auf. Menschen mit Nahtoderfahrung, die unheilbar erkrankt oder hochbetagt sind, nehmen in persönlicher Art Bezug zu den zentralen Fragen unserer Existenz. Dabei geht es viel weniger um den Tod als um das Leben und darum, wie wir jeden Moment unseres Lebens bewusst erleben können. Senioren und Menschen in ihrer letzten Lebensphase treten in den Dialog mit dem Publikum ein und überwinden somit die Sprachlosigkeit, die mit Sterben und Tod einhergeht.
Parallel dazu werden in dieser Zeit ebenfalls im 2. OG der TUFA Arbeiten von Studierenden des Fachs Architektur der Hochschule Trier gezeigt, bei denen es um Friedhofsarchitektur und Friedhofsgestaltung geht. Studenten des Masterstudiengangs entwickeln auf der Grundlage eines internationalen Vergleichs nach neuen Ausdrucks- und Gestaltungsformaten der Bestattungskultur. Die Ergebnisse ihrer Arbeiten werden in der Ausstellung gezeigt,
Am Wochenende des 25./26. April 2021 wird es wieder Kindertheater geben, und zwar „Die Besten Beerdigungen der Welt“ nach dem schwedischen Bilderbuch von Ulf Nilsson, übersetzt von Ole Könnecke. Und im Juni 2021 ist geplant, Eugene Ionescos „Der König stirbt“ im Großen Saal der TUFA aufzuführen.
Im November 2021 wird das Bürgertheaterstück „Der Tod und ich“ von Judith Kriebel aufgeführt. Im Zentrum des Stücks stehen Interviews und Lebensgeschichten. Solche von professionellem Personal, das beruflich mit dem Tod zu tun hat. Sterbebegleiter*innen, Bestatter*innen, Palliativmediziner*innen, Friedhofsgärtner*innen und vielen mehr. Aber auch von Menschen, die Angehörige und Freund*innen verloren haben. Von solchen, die dem Tod von der Schippe gesprungen sind und solchen, die sich nach ihm sehnen. Von allen, die eine Geschichte zu erzählen haben von Leben und Sterben in Zeiten der Pandemie. Erarbeitet und auf die Bühne gebracht wird das Stück von den Mitspielern unter der Anleitung von Judith Kriebel, die auch die Regie übernimmt. Die Premiere ist für den 30. Oktober 2021 geplant.
Schließlich soll es eine kuratierte Totentanz-Ausstellung zu Beginn des Jahres 2022 geben. Dazu werden die Mitglieder aller Trierer Kunstvereine eingeladen, Beiträge einzureichen. Hinzu sollen auch Beiträge von Künstlern aus der Großregion kommen.
Das Programm „Der Tod und wir“ wird aber weiter laufen. Es wird weitere Vortragsveranstaltungen in verschiedenen Formaten zu unterschiedlichen Themen geben. Angedacht sind Veranstaltungen zu Trauerritualen von Christen, Juden, Muslimen, Buddhisten, … aus ethnologischer und theologischer Sicht oder zum Tod im Spiegel der Religionen, zu neuen Formen insbesondere religionsungebundener Trauer nach dem Ende des Ritenmonopols der Religionsgemeinschaften, oder -tendenziell kontroverser- zum Tod in eigener Verfügung als Fluch oder Segen, zu unterschiedlichen Sterbeentscheidungen wie künstlicher Ernährung, Sterbefasten, terminaler Sedierung und Suizid, zum rechtlichen Rahmen des Sterbens.
Gedacht ist auch an Vorträge von Leichenrednern in Kooperation mit der Bestatter-Innung Trier, von Kunsthistorikern etwa zum Thema Totentanz oder über Grabgestaltung gestern, heute, morgen, von Bildhauern/Hochschullehrern über Grabsteingestaltung, oder an Lesungen von Schriftstellern mit eigenen Texten oder Lesung von Texten durch einen Schauspieler.

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