Der Strich der Liebhaber

Schwerpunktthema in der Graphischen Sammlung des Landesmuseums

Caspar Dietrich von Fürstenberg, Mainzer Dompropst, Der Raucher mit der Kerze, um 1660, © GDKE RLP, Landesmuseum Mainz

 

(red.) In international bedeutenden Museen sind sie nur selten zu finden. Der Forschung sind sie weitgehend unbekannt und an Informationen über die Schöpfer dieser Werke kommt man nicht selten nur über Umwege. Sich selbst bezeichneten sie als „Dilettanten“, was sich aus dem Italienischen für „Liebhaber“ ableitet. Manche ihrer künstlerischen Ergebnisse sind beachtliche Kunstwerke. Das Landesmuseum Mainz der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) widmet ihnen unter dem Titel „Der Strich der Liebhaber – Dilettantinnen und Dilettanten aus drei Jahrhunderten“ ab sofort ein Schwerpunktthema in der Graphischen Sammlung; darunter sind Werke von Goethe, von Mainzer Kurfürsten, aber auch von weitgehend unbekannten Persönlichkeiten. Das Museum verfügt über einen bemerkenswerten Bestand an Arbeiten von sogenannten Dilettanten des 18. und frühen 19. Jahrhunderts. Viele davon sind hier in der Region beziehungsweise in den benachbarten Kunstzentren ihrer Zeit entstanden.

„Die meisten ihrer Werke waren nie für den Kunsthandel gedacht, es waren Freundesgaben – und dies ist einer der Unterschiede zu den Arbeiten professioneller Künstler“, so Gernot Frankhäuser, der das Schwerpunktthema kuratiert und erläutert, was ihre Werke museumsreif macht: „Die Liebhaberkünstler der Goethe-Zeit haben oft ein erstaunliches Niveau erreicht.“ Zudem spiegele das europäische Phänomen des „Dilettantismus“ einen gesellschaftlichen Wandel wider. „Der Unterscheid zwischen akademisch ausgebildeten Berufskünstlern und den Amateuren wurde noch deutlicher, zugleich forderten die Hobby-Künstler gewissermaßen ein, dass zum Beispiel Kunstunterricht an allgemeinbildenden Schulen zu erteilen sei. Und auch der moderne Kunstbetrieb mit öffentlichen Ausstellungen aktueller Kunst wurde maßgeblich von deren ´Liebhabern´ begründet und gefördert“, so Frankhäuser.

Zum Auftakt bis zum 30. August stehen Werke im Mittelpunkt, die meist in unserer Region entstanden sind. Neben Mainzer Domherren und Damen der Frankfurter Gesellschaft ist z.B. auch Johann Wolfgang Goethe mit einer Radierung vertreten, die gerade vom Verein der Freunde des Landesmuseums erworben werden konnte. Da die meisten Liebhaberkünstler gerne nach Vorlagen arbeiteten, werden zudem zum Vergleich Werke von damals bewunderten Berufskünstlern ausgestellt.

Im Herbst wird es dann um Geistliche, Juristen und Privatiers gehen, die das Mainzer Stadtbild um 1800 im Bild festgehalten haben. Im Dezember schließlich wird das Ehepaar Braun im Mittelpunkt stehen, die als „romantisches Paar“ der Biedermeierzeit das kulturelle Leben der Stadt Mainz maßgeblich geprägt haben.

Landesmuseum Mainz, Große Bleiche 49-51.

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