Déjà-vu“, eine glänzende Doolittle und der Kampf mit dem Rhythmus Lerner-Loewes „My Fair Lady“ am Saarbrücker Staatstheater

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Die Saarbrücker Inszenierung von Frederick Loews „My Fair Lady“ führte geradewegs in die Verfilmung des Musicals mit Rex Harrison und Audrey Hepburn. Higgins’ Wohnung und sein Mobiliar sehen frappant nach der bekannten Filmkulisse aus (Bühnenbild: Dirk Becker), und die Kostüme, etwa beim Pferderennen in Ascot, sind eine fast genaue Kopie der Filmkleider und Hüte (Kostüme: Christof Cremer). Auch die Treppen und selbst die Bewegungen der Protagonisten sind Stilkopien. Viele Zuschauer im Saal werden sich erinnert haben, und ihre so herzliche Reaktion zeigte, dass sie über dieses ‘Déjà-vu“ sehr erfreut waren.

Überragend in diesem Ambiente, Herdis Anna Jónasdóttir als Eliza Doolittle, spielerisch überzeugend, sängerisch perfekt und auch als Sprecherin im Berliner Dialekt und in Hochsprache mitreißend – eine wunderbare Verkörperung dieser Rolle. Dem stand Tobias Licht – hier als kantiger Prof. Higgins – kaum nach. Seine Musicalstimme verband sich schön mit Elizas ausgebildetem Sopran. Die Führung der Personen (Regie: Thomas Winter), ihre Übergänge vom Sprechen ins Singen, die Ensembleszenen, all das war sehr überzeugend. Das konnte man von der Musik nicht durchgehend sagen (Dirigent: Stefan Neubert). Das Orchester tat sich schwer mit dieser eigentlich so leichtgewichtigen Partitur. Die  Einsätze waren (vor allem im ersten Akt) nicht präzise, Rhythmen wurden verstolpert und die Koordination von Sängern und Orchester war gelegentlich nicht gut. Das hatte auch mit der Verstärkung der Stimmen zu tun, die ein Segen für die Dialoge war, beim Singen aber für ganz leichte Verschiebungen sorgte.

Man hatte das Gefühl, es fehlten noch einige Bühnenproben. Diese Musik bekommt ihre Faszination, wenn rhythmisch alles exakt ist und die Einsätze präzise kommen. Dass das Orchester das kann, hat die Aufführung der „West Side Story“ im vergangenen Jahr gezeigt. Die kleinen Stolpersteine haben allerdings das Gesamtbild einer unterhaltsamen und letztlich mitreißenden Aufführung nicht wirklich geschadet.

Friedrich Spangemacher

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