„Das Auge soll etwas zu sehen bekommen!“ – Mit Kostümbildnerin Kerstin Jacobssen im Gespräch über ihre Arbeit am Pfalztheater Kaiserslautern

Kerstin Jacobssen © arifoto

Zum neuen Jahr wartet das Pfalztheater Kaiserslautern mit einer spannenden Neuproduktion auf: Für den 25. Januar ist die Premiere von Peter I. Tschaikowskis „Mazeppa“ angekündigt, eine Oper, die man nicht so oft zu sehen bekommt. Für die Inszenierung zeichnet ein anspruchsvolles Team verantwortlich, das sich aus Künstlern des eigenen Ensembles wie Gästen zusammensetzt: Anton Legkii (Musikalische Leitung), Ansgar Haag (Inszenierung), Thomas Dörfler (Bühne), Kerstin Jacobssen (Kostüme), James Sutherland (Choreographie) und Gerhard Polifka (Leitung Chor).

Kerstin Jacobssen wurde eingeladen, die Kostüme zu kreieren. Als ich mit ihr telefoniere, hält sie sich gerade in Meiningen auf, ein Theater mit dem sie zahlreiche Bühnenproduktionen verwirklicht hat: Sogar ein eigenes Stück für Puppentheater, „Ist Greta im Himmel“, ging dort im vergangenen Sommer in den Kammerspielen in Szene. Die gebürtige Hamburgerin ist nicht nur als Kostümbildnerin unterwegs, sie führt auch Regie und von Haus aus ist sie Bühnenbildnerin. „Ich habe das Theater von unterschiedlichen Seiten kennengelernt“, erzählt sie. „Zur Kostümbildnerei bin ich eher zufällig gekommen, man hat mich gefragt, ob ich Bühne und Kostüme für eine Märchenausstattung übernehme.“ So arbeitete sie sich vor zehn Jahren in die Materie ein, befasste sich mit Kostümgeschichte, Stoffbeschaffenheit und Licht.

„Die Größe eines Hauses, Licht und Entfernung der Bühne vom Zuschauerraum sind entscheidend für die Wirkung von Kostümen“, erklärt sie. Die Zusammenarbeit mit dem Pfalztheater ist allerdings neu. Im Dezember wird sie das erste Mal mit den Darstellern zusammentreffen: „Ich freue mich schon sehr darauf, die Stoffe sind bestellt!“ Doch nicht alle Kostüme werden neu genäht, einen Teil entnimmt sie dem Fundus. Besonders für das Konzept von „Mazeppa“ eigne sich dieses Vorgehen. Nicht nur, dass es sich um ein groß besetztes Stück mit Chor handle, zu dem zahlreiche Kostüme benötigt würden, die Handlung solle zudem in die Zeit des aktuellen Ukrainekonflikts versetzt werden: „‚Mazeppa‘ spielt auf dem Dorf. Ich möchte einen Querschnitt der Landbevölkerung der Ukraine zeigen, die quer durch die Altersschichten geht: Alte Leute, wie sie schon immer angezogen waren, junge Leute, die etwas anderes wollen, sich aber zugleich ihrer Herkunft bewusst sind, d.h. auch alte Muster und Folklorekleidung werden zu sehen sein.“ Während der Proben wird sie in Kaiserslautern wohnen, sich jedes einzelnen Darstellers annehmen. Wesentlich ist für Jacobssen: Die Kostüme sollen der Individualität entsprechen und „das Auge etwas zu sehen bekommen“.

Margret Scharrer im OPUS Kulturmagazin Nr. 77 (Januar / Februar 2020), S. 102, in der Rubrik “Bühne”

Weitere Informationen: www.pfalztheater.de

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