Kritik

  • Nicht zum Leben erweckt – Magali Tosato und Simone Kranz scheitern mit Frank Wedekinds Kindertragödie „Frühlings Erwachen“ am Saarländischen Staatstheater

    Klamaukige, musikalische Zwischenspiele, fernab des Wedekindschen Stückes mit Thorsten Rodenberg (Moritz Stiefel), Michael Wischniowski (Melchior Gabor), Barbara Krzsoka (Martha) und Laura Trapp (Wendla). © Foto: Martin Kaufhold (Saarländisches Staatstheater) Zu Lebzeiten war er der personifizierte Bürgerschreck: Frank Wedekind. Sein Kampf gegen wilhelminische Sexualmoral, gegen die Paukanstalten des Kaiserreichs kulminierte in seiner Kindertragödie „Frühlings Erwachen“, 1896 […]

  • Das Staatstheater Saarbrücken spielt die Märchenoper „Die arabische Prinzessin“: Ein Stück für die Kinderseele

    Wer hat nicht als Kind Märchen gespielt, mit Geschwistern und Freunden und sich auf das ‘Happy End’ gefreut, nachdem die böse Schwiegermutter und überhaupt alles Böse überwunden wurde. Wer hat nicht sich gern Märchen vorlesen lassen, immer wieder die gleiche Geschichte, die möglichst in allen Nuancen so stimmen musste. Märchen lesen und Märchen spielen, das sind die Ingredienzien, die die „Arabische Prinzessin“ ausmachen.

  • „Vincent will Meer“ am Theater am Ring Saarlouis – Zwischen Coming of Age Road Movie und Pathologie

    Gewöhnungsbedürftig ist es, wenn auf der Bühne im Theater am Ring über 90 Minuten hinweg Schimpfworte fliegen, die dem betagten Publikum wohl die Schamesröte ins Gesicht getrieben haben dürften. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen fixen Einfall der Regie, sondern um eine reale Krankheit: das Tourette-Syndrom. Mit eben diesem hat der Protagonist in Florian David Fitz‘ Schauspiel „Vincent will Meer“ zu kämpfen, wenn die motorischen und verbalen Ticks seinen Alltag bestimmen.

  • Kritik zu “La Bohème” am Theater Trier: Das Händchen ist noch immer kalt.

    Giacomo Puccinis „La Bohème“ ist nicht nur ein absoluter Renner im Musiktheater Programm. Die Oper gilt auch als einer der Dauerbrenner, bei denen das Publikum gemeinhin auf einer traditionellen Lesart besteht. Der junge 1973 geborene Regisseur Mikaël Serre ist dafür bekannt, dass er, was nicht nur in der Kunst nötig ist, Traditionen notorisch hinterfragt, gern auch mal berserkerhaft, wie bei seiner Jeanne d`Arc Überschreibung am Maxim Gorki Theater in Berlin. In Trier ist ihm jetzt mit der Inszenierung von La Bohème der Spagat zwischen Wiedererkennung und Gegenwartsbezug eindrücklich gelungen.

  • Prometheus im ‘tutti’ – Das Ballett zum Beethoven-Jahr des Saarländischen Staatstheaters

    Ludwig van Beethovens Ballett „Die Geschöpfe des Prometheus“ wird selten gespielt, noch seltener getanzt. Es war eine gute Idee, dieses Stück als offizielle Feier des Staatstheaters Saarbrücken zum 250. Geburtstag Beethovens auszuwählen, in einer Produktion des Staatsballetts. Es ist ein sehr kraftvolles Stück geworden mit starken Ensemble-Szenen, mit bedeutungsschweren Figuren, mit durchweg stimmiger Choreographie und perfekten Tanzbewegungen. Das Staatsballett hat eine Meisterleistung vollbracht. Eine ‘Tutti’-Performance, die ganz auf die starke Partitur Beethovens bezogen war, und die keinen Zweifel am Heroischen der Figur Prometheus ließ.

  • Buchbesprechung: Mitten im dunklen Wald

    Jan Römer, Redakteur eines Kölner Nachrichtenmagazins, zuständig für die Rubrik „Ungelöste Fälle“ hat die Abgeschiedenheit des Thüringer Waldes gesucht, um Abstand zu seinen persönlichen Problemen zu bekommen, aber auch, um die seelischen Belastungen seiner Arbeit um ungelöste Kriminalfälle abzustreifen. In seiner Waldhütte taucht eine blutüberströmte Unbekannte auf und erzählt ihm im Laufe des Abends von
    mehreren ungeklärten Morden im Frauenwald, im Volksmund auch Wald der Wölfe genannt.

  • Saarländisches Staatstheater: Arthur Millers historisierende „Hexenjagd“ als Mahnung für heute

    Manchmal muss es das volle Programm sein. Schon Arthur Miller schonte mit seinem wortgewaltigen, auch bei uns seit Jahrzehnten zum Klassiker gewordenen Schauspiel „Hexenjagd“ sein Publikum nicht vor ellenlangen Exerzitien. Seine engagierte Kampfansage an McCarthys Kommunistenverfolgung, sicherheitshalber in die graue Vorzeit und in Vokabeln von Hexenverfolgung und Satanismus gepackt, sind eine leider auch heute wieder gültige Auseinandersetzung mit überbordenden Fake News, Vorurteilen und Verschwörungstheorien.

  • Saarländisches Staatstheater: Die Verführung zum HJ-Trommler

    Dramatisierungen nicht zuletzt von Erfolgsromanen haben es oft schwer bei Publikum und Kritik. Diese oder jener wichtige Erzählstrang fehlt bei der Verdichtung, manche Romanfigur hat man sich im eigenen Kopfkino und auf der Bühne doch ganz anders vorgestellt. Kurzum: die Liste der Verrisse ist lang. Nicht so bei Bettina Bruiniers Theaterfassung von „Weh dem, der aus der Reihe tanzt“, Ludwig Harigs schonungslose Aufarbeitung der eigenen Hitlerjungen-Laufbahn im Dritten Reich.

  • Grandiose Judy Garland – Show im Merziger Zeltpalast

    Joachim Arnold hat wieder einmal im Merziger Zirkuszelt mit seiner neuen Produktion, der Judy Garland-Show “End oft he Rainbow” ein gutes Händchen bewiesen. Er riskierte das Wagnis, das tragische Schicksal, die letzten Lebensmonate des großen amerikanischen Showstars Judy Garland im Merziger Zeltpalast als Kammerspiel auf die Bühne zu bringen. Andreas Gergen (Regie und Bühne) inszeniert dieses Musical in gewohnt gekonnter Manier.

  • Rocco del Schlacko: Die Hosen wollen wiederkommen

    „An Tagen wie diesen“… hat er wieder alles richtig gemacht: Thilo Ziegler, seit 21 Jahren Festivalmacher des inzwischen legendären „Rocco del Schlacko“ auf den „Sauwasen“ in Köllerbach-Püttlingen. Was damals als Abitur-Gag einer Pennäler-Klasse mit Rockbands aus der Umgebung begann, ist heute ein millionenschweres Spektakel für die Musikfans längst über den 250-km-Einzugsbereich hinaus. Und auch diesmal hat das Püttlinger Eigengewächs sein Näschen nicht verlassen, um die stetig wachsende Fan-Gemeinde drei Tage und drei Nächte bei Laune zu halten.