Buchbesprechung: Mitten im dunklen Wald

Spannung pur: In Linus Geschkes Kriminalroman „Im Wald der Wölfe“ (erschienen im Ullstein Verlag) knistern nicht nur die Tannenzweige

Cover von Linus Geschke. Im Wald der Wölfe © Ullstein Verlag

Jan Römer, Redakteur eines Kölner Nachrichtenmagazins, zuständig für die Rubrik „Ungelöste Fälle“ hat die Abgeschiedenheit des Thüringer Waldes gesucht, um Abstand zu seinen persönlichen Problemen zu bekommen, aber auch, um die seelischen Belastungen seiner Arbeit um ungelöste Kriminalfälle abzustreifen. In seiner Waldhütte taucht eine blutüberströmte Unbekannte auf und erzählt ihm im Laufe des Abends von
mehreren ungeklärten Morden im Frauenwald, im Volksmund auch Wald der Wölfe genannt. Am nächsten Morgen ist die Unbekannte verschwunden und Jan Römer gefangen von ihrer Geschichte. Er bittet seine Kollegin Stefanie Schneider um Recherche zu der Unbekannten und den Morden der Vergangenheit. Diese eilt an den Ort des Geschehens, begleitet von Römers türkischem Freund Arslan, Eigentümer eines Boxstudios, und dessen Freundin Lara, Psychologiestudentin. Die Vier ermitteln und schnell entwickelt sich ein spannendes Handlungsgeflecht.

Der in Köln lebende, für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und Spiegel online schreibende freie Journalist Linus Geschke lässt seinen vierten Kriminalroman um Jan Römer „Im Wald der Wölfe“ in zwei unterschiedlichen Zeitebenen spielen. Einerseits in der Gegenwart die Ermittlungen des Vierergespanns, spinnt er seine Fäden andererseits
in die Vergangenheit bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Dieser wesentlich kürzere Teil erzählt sehr dicht von politischer Verblendung, von der Verfolgung politischer Flüchtlinge, von Tötungstrieben und den dunklen Seite der Menschen. Geschke schreibt auch über die Folgen negativer Erziehungseinflüsse, die unumkehrbar sind. Die Zeiten vor
und nach dem Mauerfall, NSU und fiktive mögliche Aufklärung über die Machenschaften der Stasi inklusive.

Linus Geschke, mit mehreren Journalistenpreisen für Reisereportagen ausgezeichnet, schildert – kein Wunder – immer wieder sehr einfühlsam die Landschaft des Thüringer Waldes. Fast, als stünde man selbst mitten im dunklen Wald. Der Wolf wird Übervater und Gott. Ein manchmal verworrener Kriminalroman um Symbolik, menschliche Beziehungen
und das Böse im Menschen. Fesselnd von Anfang bis Ende. Empfehlenswert!


Ulrike Mohr im OPUS Kulturmagazin Nr. 75 (September / Oktober 2019) auf S. 149-150.

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