Biennale der neuen Musik

Eine vielversprechende Gemeinschaftsinitiative in der Metropolregion

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Gruppenfoto der Organisator innen. Hintere Reihe, von links nach rechts Ernst Bloch (Plakat), Immacolata Amodeo (Ernst-Bloch-Zentrum der Stadt Ludwigshafen), Raphael Rösler (Theater Heidelberg), Sidney Corbett (Gesellschaft für Neue Musik Mannheim), Jakob Kotzerke (Nationaltheater Mannheim), Robert Montoto (Kulturbüro der Metropolregion Rhein Neckar), sitzend, von links nach rechts Dominique Mayr (Klangforum Heidelberg), Beat Fehlmann (Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz) © Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, Foto Judith Schor

Die Initiative kam völlig unerwartet im Kontext unseres Alltags während der letzten Monate, der wesentlich durch Zählen der Ansteckungen und Todesfälle bestimmt war und noch immer ist. Dessen ungeachtet erscheint sie überaus attraktiv und hat fraglos Perspektive. Die Rede ist von der vor kurzem gegründeten Biennale der Neuen Musik in der Metropolregion Rhein-Neckar, die unmittelbar vor dem Start in ihre erste Auflage im Juni und Juli 2021 in Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg steht – in der Hoffnung auf freundliches Einverständnis der Coronaviren, muss wohl hinzugefügt werden.

Um die Idee des Festivals der Moderne zu verwirklichen, hatten sich die Musikinstitutionen der Region zusammengeschlossen: das Mannheimer Nationaltheater, die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz und das Ernst-Bloch-Zentrum (beide in Ludwigshafen ansässig), das Klangforum Heidelberg und die Gesellschaft für Neue Musik Mannheim, deren Vorsitzender, der Mannheimer Musikhochschulprofessor und Komponist Sidney Corbett, dieses Zukunftsprojekt gemeinsam mit auf den Weg brachte. Im Mittelpunkt der Biennale wird jeweils ein Vertreter der Philosophie, der Literatur oder der Wissenschaft mit Wurzeln in der Region stehen, dessen Ideenwelt sich die Musik versuchen soll zu nähern. Für die erste Auflage wurde der in Ludwigshafen geborene Philosoph Ernst Bloch ausgewählt: ein außergewöhnlich profunder Musikkenner, in dessen Denken die Musik eine exponierte Stellung einnahm. Blochs „Prinzip Hoffnung“, seine „konkrete Utopie“, die dem Festival als Motto dient, ist heute von absoluter Aktualität. „Musik“, meint Immacolata Amodeo, Leiterin des Ernst-Bloch-Zentrums, „beinhaltet jenes utopische Potential, welches gerade in unserer Gegenwart, im Zeitalter der Industrialisierung und der Globalisierung, neue Wege aufzeigt und dazu beitragen kann, alternative Lebensentwürfe zu entwickeln. Damit wird Ernst Bloch zu einer visionären Figur, deren Denken bis heute seine Gültigkeit behalten hat.“

Beat Fehlmann, Intendant der Staatsphilharmonie, fügt hinzu, dass das Feld für das Festival bereitet sei, um neueste musikalische Entwicklungen zu präsentieren mit Ausstrahlung über die Region hinaus. Es verstehe sich von selbst, dass nicht nur Solist/inn/en und Musikformationen der Metropolregion, sondern auch renommierte externe Klangkörper wie etwa das Ensemble Modern beim Festival ihre Visitenkarte abgeben. Besonders gespannt darf man den Auftritten der fabelhaften jungen chinesischen Geigenvirtuosin Tianwa Yang, des aus Pirmasens stammenden Meistercellisten Julian Steckel und der brillanten estnischen Dirigentin Anu Tali entgegenblicken. Insgesamt werden elf Veranstaltungen angeboten, mit zwölf Uraufführungen, einer Erstaufführung und Begleitprogrammen aus Vorträgen, Workshops und Vermittlungsformaten. Zu letzteren gehört auch ein Wettbewerb für Künstlergemeinschaften aus Komponisten, Librettisten und Theatermachern. Mit dem Preis verbunden ist ein Auftrag zur Komposition und Gestaltung einer Kammeroper auf der Basis von Albert Camus‘ Erzählung „Der Fremde“, die am Mannheimer Nationaltheater uraufgeführt werden soll. Der zweite Preis ist dem Auftrag für eine kammermusikalische Komposition gewidmet.

Gabor Halasz im OPUS Kulturmagazin Nr. 83 (Januar/Februar 2021) in der Rubrik Musik

Weitere Informationen: www.biennale-neue-musik.de

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