Ausstellung „Was bin ich? – Berufe in Porzellan” in der Ludwig Galerie Saarlouis

Hutverkäuferin, Niderviller, um 1775 © Thomas Wolf

Das Jubiläumsjahr zum 30-jährigen Bestehen der Ludwig Galerie Saarlouis beginnt mit heiterem Beruferaten. In Kooperation mit der Sammlung Ludwig aus Bamberg und der Peter und Irene Ludwig Stiftung wird durch die Ausstellung ausgewählter Porzellanfiguren ein Einblick in die barocke Spaßgesellschaft des 18. Jahrhunderts gewährt.

Die fein gearbeiteten Standbilder, die bei festlichen Anlässen in Adelshäusern als Tischdekoration dienten, reihen sich durch die Nachbildung von Szenen und Berufen aus niedrigeren Ständen in die Schaulust als Selbstversicherung des Adels und das zeitgenössische Vergnügen an der Kostümierung ein. Bei der Betrachtung der Figuren aus dem damals teuren, da aus China stammenden Material ist Kreativität gefragt, denn viele der dargestellten Berufe existieren schon längst nicht mehr. Das detektivische Auge kann jedoch noch mehr entdecken. Dr. Eva Schnurr, stellvertretende Direktorin der Museen der Stadt Bamberg, empfiehlt beispielsweise einen Blick auf die Strümpfe der jeweiligen Personen: Hängen diese herab oder sind gar nicht vorhanden, handelt es sich sehr wahrscheinlich um Abbilder tatsächlicher Arbeiter*innen – wenn auch romantisiert, ohne Schweiß und Schmutz. Sitzen die Strümpfe stattdessen wie angegossen, handelt es sich um Adlige, die sich zu bestimmten Anlässen verkleideten und die Welt “der Anderen” als Spiel imitierten. Hilfestellung beim genauen Betrachten geben die detailreichen Fotografien von Thomas Wolf, die eigens für die Ausstellung in Saarlouis angefertigt wurden.

Tanja Block im OPUS Kulturmagazin Nr. 78 (März / April 2020)

Ausstellung bis 17.5.

Weitere Informationen: www.ludwig-galerie.saarlouis.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.