Auf den Spuren von Dichtung und Wein

Schloss Vollrads, Greiffenclau-Turm // Copyright: RLF / Sabine Siemon


Auf den Spuren von Dichtung und Wein

Literarische Weinwanderung zu den Rieslingschlössern

von Margret Scharrer

Der Rheingau hat schon so manchem Dichter begeisterte Worte entlockt. Bereits im Mittelalter bezeichnete ihn der franziskanischer Scholastiker Bartholomaeus Anglicus als „Garten der unnennbaren Lust“. Johann Wolfgang von Goethe beschreibt die wunderbare Landschaft und ihre Ausblicke nicht nur in seinen Tagebüchern, sondern auch in „Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit“. Die Landschaft inspirierte ihn dazu, der Vielfalt der Natur in unterschiedlichen künstlerischen Äußerungen nachzuspüren. Heinrich von Kleist sprach vom „Lustgarten der Natur“. Selbst Heinrich Heine, der ansonsten mit satirischen Brechungen nicht sparte, rief aus: „Mon dieu, wenn ich doch so viel Glauben in mir hätte, dass ich Berge versetzen könnte, der Johannisberg wäre just derjenige Berg, den ich mir überall nachkommen ließe.“ Auch Bettina und Clemens Brentano preisen dieses schöne Stück Erde. Gemeinsam mit Goethe wanderte das Geschwisterpaar durch die Weinberge. Der Dichter verbrachte mehrere Wochen auf ihrem Landsitz in Winkel am Rhein, genoss so manchen Becher Wein.

Herrliche Weine, Landschaft, Landsitze und Dichtung sind es, die zur Literarischen Weinwanderung zu den Rieslingschlössern laden. Am 15. September begleiten Heiner Boehncke, künstlerische Leiter des Rheingau Literatur Festivals, und Franz Herke, Winzer und Wanderführer, WeinLesefans auf einer 9 km langen kulinarischen Wanderung vom Hattenheimer Weinprobierstand durch den Rheingau bis Schloss Johannisberg. An markanten Punkten wird verweilt, um Dichterworten und Weingenuss zu frönen. Halt gemacht wird natürlich am Weingut Kaspar Herke und es werden die Weinlagen Oestricher Doosberg und Oestricher Lenchen durchschritten. Auf Schloss Vollrads gibt es einen guten Riesling. Weiter geht es durch den Dachsberg zum Schloss Johannisberg. Verkostet werden Assmannshäuser Höllenberg (Spätburgunder), die Riesling-Weine EINS-ZWEI-DRY, Rüdesheimer Tempel Tropfen oder Rüdesheimer Klosterlay (Kabinett) und der EINS-ZWEI-DRY Rosé (Pinot Noir) der Weingüter Konrad Berg & Sohn, Johannes Leitz, Carl Ehrhard, Altenkirch und Adolf Störzel.


Weinempfehlung

Weingut Leitz, EINS-ZWEI-DRY, Rheingau Riesling trocken 2017 (Preis: ca. 9,- Euro). In der Nase präsentiert sich der EINS-ZWEI-DRY mit exotischer Fruchtfülle und sehr ansprechenden, leichten Hefenoten. Der Jahrgang 2017 zeigt sich ein wenig „opulenter“ als der Vorgänger, steht diesem aber in keinster Weise nach. Im Mund erleben wir ein sehr frisches, erstes Geschmacksmomentum, zu dem sich sehr würzige Nuancen von Pfirsich und Aprikosen präsentieren; die fein eingebundene, lebhafte Säure wird durch reife Mirabellen-Paprika-Noten in Szene gesetzt. Dieser Riesling wirkt durch seine Frische und Eleganz sehr edel und jugendlich, kann aber durchaus als Einsteiger in unsere Riesling-Welt gesehen werden. Der EINS-ZWEI-DRY hat einen guten Extrakt, der gerade in der Basis einen sehr ansprechenden Wein prägt und den Trinkfluss erhöht. Wir können uns diesen Wein als Aperitif mit Muscheln, einer leichten Sushi- / Sashimi-Variation, oder Lachs mit Mango-Sauerkraut vorstellen.

Weitere Informationen unter www.rheingau-literatur-festival.de

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