Auf Abstand gespielt

Uraufführung von Jakob Noltes „Gespräch mit einer Stripperin“ in der Sparte4 des Saarländischen Staatstheaters

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Die Stripperin, Gemeinsamer Seelen-Striptease, Christiane Motter als Helene und Fabian Gröver als Ivan in der Uraufführung des Schauspiels Gespräch mit einer Stripperin von Jakob Nolte © SST

Bei dem Titel „Gespräch mit einer Stripperin“ ist das Kopfkino sofort im Gang. Und das Spiel mit den Erwartungshaltungen. Im Schauspiel von Jakob Nolte, seit 2014 auf dem Markt und damit gut abgehangen, bis es jetzt in der sparte4 des Saarländischen Staatstheaters in der Inszenierung von Miriam Lustig zur Uraufführung kam, ist das halt so! Gleich zu Beginn ein starkes Bild: Sowohl Helene als auch der sie in den Vogelpark zur Dienstleistung einbestellende Tierpfleger Ivan winden sich lasziv hinter einer Jalousie im Gegenlicht zur einfühlsamen Musik. Fallen jetzt alle Hüllen? Regisseurin Miriam Lustig macht unmissverständlich klar, nicht nur der Tanz der Stripperin Helene Tulpig ist angesagt, auch der schaulustige Ivan Trinko ist bei diesem Striptease gefordert.

80 Minuten Seelen-Striptease sind angesagt, beide sind zahlungspflichtig bei diesem Schlagabtausch zweier Menschen, die ihr Innerstes nach außen kehren, sich aber im nächsten Dialog schon wieder im geschäftsmäßigen, handelsüblichen Smalltalk verlieren. Woran liegt es, wenn der Abend trotzdem nicht so richtig funktionieren will? An den vermeintlich auch diesem Stück aufgezwungenen Corona-Rahmenbedingungen, die statt Nähe Social Distancing verlangen? Auch Christiane Motter und Fabian Gröver spielen nicht nur auf räumlichem Abstand, sondern versuchen, ihre Texte sogleich zu dekonstruieren und in der Schwebe zu halten. So glaubt man sich bisweilen eher in einem kommunikationswissenschaftlichen Oberseminar zu befinden, als im Spiel um unerfüllte Erwartungen, die bis in die dunklen Abgründe des Zusammenlebens führen können. So bleibt der Abend seltsam steril, wie ein Experiment, das stringent nach starren Regeln durchzuführen war. Bezeichnenderweise taute das Publikum erst beim Schlussapplaus auf. Dabei hatte doch jeder so seine eigenen Erwartungen an das Stück.

Burkhard Jellonnek

Info: www.staatstheater.saarland

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