4/10 – Eine kritische Bestandsaufnahme der IKOB Sammlung – Ausstellung vom 3. Juli bis 29. September

Ausstellungseröffnung am Sonntag, 30. Juni um 17 Uhr im IKOB Museum für Zeitgenössische Kunst in Eupen

Blick ins Depot der IKOB-Sammlung, 2016, © Serge Cloot

In Sachen Gleichstellung von Künstlerinnen und Künstlern ist das Jahr 2019 offensichtlich in einigen Kunst- und Kulturinstitutionen ein Jahr des Umdenkens. So zeigt die Tate Modern in London seit April für zwölf Monate ausschließlich Künstlerinnen aus der eigenen Sammlung. Durch den Fokus auf die verhältnismäßig selten ausgestellten Kunstwerken von Frauen, sollen diese stärker repräsentiert und ihr Beitrag zur Kunstgeschichte angemessen gewürdigt werden. Auch außerhalb der bildenden Kunst gibt es solche Projekte. So engagiert das Staatstheater Karlsruhe für die Spielzeit 2018/2019 nur Regisseurinnen. Zu diesem längst überfälligen Umdenken will auch das IKOB einen Beitrag leisten. So unterzogen wir unsere Sammlung einer genaueren Analyse und gingen der Frage nach wie viele Kunstwerke von Frauen und wie viele von Männern stammen. Es zeigte sich, dass genau 40% der Kunstwerke von Künstlerinnen geschaffen wurden. Vier von zehn ist tatsächlich kein schlechter Schnitt im Vergleich zu anderen Museen, deren Quote immer noch bei etwa 25% festgefahren zu sein scheint. So lag zum Beispiel zwischen 2009 und 2011 der Frauenanteil bei Kunsteinkäufen der Museen in Nordrhein-Westfalen gerade einmal bei 28% und nur 22% aller vom Land geförderten Einzelausstellungen waren Ausstellungen von Künstlerinnen. Warum diese niedrige Quote überraschen muß? Weil seit Jahrzehnten der Frauenanteil an den Kunstakademien bei konstant über 60% liegt und auch bei den staatlichen Kunstpreisen zumindest noch Gleichstand zwischen Männern und Frauen herrscht. Sobald es jedoch an die Teilnahme an kommerziellen bzw. professionellen Ausstellungen in Galerien, Museen und Kunstvereinen geht, fällt auf, dass Frauen mit auffälliger Konsequenz ins Hintertreffen geraten. Schaut man sich dann noch die Liste der kommerziell erfolgreichsten Künstlerinnen und Künstler an, so sieht man, dass die Anzahl der weiblichen Topverdienerinnen noch immer verschwindend gering ist.
Da ein Umdenken nur dort stattfinden kann, wo man sich dieser Ungerechtigkeit bewusst wird, ist die Ausstellung 4/10 – Eine kritische Bestandsaufnahme der IKOB Sammlung der bewusste Beginn den Künstlerinnen aus unserer Sammlung fortan inhaltlich in dem Maße gerecht zu werden, wie es ihnen zusteht und ihren Beitrag an der Einzigartigkeit in der (Ost-)belgischen Kunstwelt durch ihre Sichtbarmachung zu fördern. Daher heißt es aktuell: Männer ins Depot, Frauen ins Museum.

Ausgestellt werden Kunstwerke folgender Künstlerinnen:
Marie-France Bonmariage, Ellen Brusselmans, Jeanne-Claude, Johanna Deiglmayr-Buchholz, Delphine Deguislage, Lili Dujourie, Margret Eicher, Karin Frank, Casaluce Geiger, Denise Gilles, Laurence Gonry Maria Hasemeier-Eulenbruch, Vera Hilger, Irmel Kamp, Stefanie Klingemann, Marie-Claire Krell, Sophie Langohr, Andrea Lehnert, Barbara Leisgen, Esther Liégeois, Lilith Love, Sylvie Macías Díaz, Nora Mertes, Beatrice Minda, Krain Missy Paule, Tanja Mosblech, Yvonne Mostard, Sali Muller, Chloé Op de Beeck, Tímea Anita Oravecz, Tinka Pittoors, Andrea Radermacher-Mennicken, Jana Rusch, Bärbel Schulte Kellinhaus, Alice Smeets, Merlin Spie, Catharina van Eetvelde, Marlies Vermeulen (Dear Hunter), Sophie Whettnall, Denyse Willem

Infos: www.ikob.be

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.