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KULTURKALENDER

 

Wir sind Old-School

Montag, 15. Juni


Das Künstlerpaar O.W. Himmel und Katharina Krenkel

Himmel und Krenkel - immer auf der Seite der Verbraucher



Direktvermarktung im Geiste des Postpunk

„Ich will Geld verdienen, wie muss ich das angehen.“ Das ist die Frage aller Fragen für diejenigen, die von ihrem Beruf leben wollen. Markus Himmel, Kampfname O.W. Himmel, stellt sie sich als Künstler. Das mag nur dem Ahnungslosen als Tabu oder gar ungehörig erscheinen. Es ist nichts weniger als die Realität, die von vielen – meist von den Künstlern selbst – allzu gerne beiseite geschoben wird. „14 Jahre selbstorganisierte Marketingstrategie jenseits des Mainstreams“ nennt Himmel seinen Diavortrag, mit dem er derzeit in der Republik unterwegs ist. Dias eben, kein Power-Point-Inferno, da kennt Markus Himmel, den die Hochschule der Bildenden Künste Saar Mitte der neunziger Jahre als Diplomkünstler in die Welt entließ, keine Nachsicht mit zeitgenössischen Kommunikationsmitteln.  

"Wir sind Old School" 

„Wir sind Old School“, erklärt er jenseits des Pluralis Majestatis. „Wir“, das sind seine Frau, die ebenfalls in Saarbrücken ausgebildete Objektkünstlerin und Designerin Katharina Krenkel und er, der Objektmacher und Selbstvermarkter aus Profession. Schon während seines Studiums in Saarbrücken bemerkte er die fehlende Infrastruktur. Als Künstler hast du hier keine Chance, also nutze sie. Das „große Manko war auch die große Chance“, stellt er mit Wohnsitz in Püttlingen-Köllerbach rückblickend fest. Das war der Anfang allen Professionalisierens. Himmel entwickelte eine Strategie im Zeichen des „Postpunk“, erklärt der Mann aus Ludwigshafen, der nicht nur alte Schallplatten zu Lampen und Regalen umwandelt, sondern auch in früheren Jahren selbige zu seiner Version des Tanztees auflegte. Oder selbst zum Instrument griff.

"Kunst im Zeichen des Postpunk"

Kunst im Zeichen des Postpunk hieß Recyclen und der gute alte Do-it-yourself-Gedanke, aus dem er seine Strategie der Selbstvermarktung strickte und Netzwerke knüpfte. Besser häkelte. Denn das ist das Geschäft von Katharina Krenkel, die einst mit ihren Nacktanzügen im Magazin „Stern“ auftauchte und heute ganz dem Immateriellen sich verpflichtet hat.  

Neuestes Produkt aus dem Atelier sind die aus weißem Garn gehäkelten Seelen. Zu verkaufen sind auch sie, wobei immer gilt, „Produktionskosten niedrig halten, damit der Ertrag höher ist.“ Linoldrucke gehen in Serie und sind im Abo mit 2 Prozent Skonto für den Barzahler zu haben.  Editionen entstanden, die dem Prinzip der Kombination huldigen. 30 kleine Arbeiten ergeben eine große und folgen einem „modularen System“ lautet eine aktuelle Geschäftsidee aus dem Haus Himmel & Krenkel. Bücher und Schallplatten, die Himmel zu Hauf sammelte, gingen in seine Installationen über oder wurden zu Lampen und Regalen.  

Dauerakquise und Kunst-Zuhause-Abende

Markus Himmel hat seine Lektion gelernt und gibt sie längst als Dozent in Saarbrücken und Karlsruhe an angehende Künstler weiter.  Am Anfang steht dabei immer das Wort. Er sei im Grunde „immer am Baggern“, fasst Markus Himmel den ihn bestimmenden Zustand der Dauerakquise zusammen. Die ist kein Selbstzweck, sondern führt direkt in die Wohnungen von Kunstkäufern. Dort gastiert er mit seinen „Kunst-Zuhause“-Abenden, in denen nach dem Vorbild der Tupperware-Party direkt vor Ort gekauft wird. Neu im Programm ist die Kaffeefahrt, die eine ganze Busladung von Kunden ins Atelier von Himmel & Krenkel bringt, die dort mit Kaffee, Kuchen und Kunst aufwarten. Normal ist das nicht, aber „wir sind nicht kompatibel mit dem System“, weiß Markus Himmel und schuf sich nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage sein eigenes.  

SABINE GRAF  

Mehr zum Thema Strategien künstlerischer Arbeit in der Region ab 1. Juli in OPUS 14    

Kontakt O.W. Himmel unter 0177-3472916