
KULTURKALENDER
Kunst für alle: draußen, aber nicht umsonst
Freitag, 26. JuniKunst im öffentlichen Raum Saarland Band 3 erschienen
1997 war Saarbrücken dran, 1999 schaute das Institut für aktuelle Kunst im Saarland auf die Kunst auf dem Saarbrücker und Homburger Universitätscampus. Jetzt, zehn Jahre später erschien nun eine Publikation, die sich der Kunst im öffentlichen Raum der beiden Städte und den zehn Gemeinden des Landkreises Saarlouis annimmt. Ein Heimspiel möchte man meinen, da das Institut seit 1993 seinen Sitz im sogenannten „Laboratorium“, einem ehemaligen Pulvermagazin aus der Preußenzeit, seinen Sitz hat.
Das Prinzip bleibt dabei wie bei den beiden Vorgängerbänden dasselbe: Aufsätze und Essays stehen der ausführlichen Dokumentation der Kunst im öffentlichen Raum im Landkreis Saarlouis voran und werden von Biografien der dafür verantwortlichen Künstlerinnen und Künstlern beschlossen. Selbstzweck ist das nicht, sondern Ausdruck der Grundfesten des von Jo Enzweiler gegründeten und geleiteten Institut:
Von Anfang an gehörte die Auseinandersetzung mit Kunstobjekten im öffentlichen Raum zu den selbst gesetzten Schwerpunkten der Forschungsarbeit des Instituts für aktuelle Kunst im Saarland. Ausgehend von der Überlegung, dass für ein funktionierendes Gemeinwesen dem öffentlichen Raum eine besondere Bedeutung zukommt, war es naheliegend zu untersuchen, in wie weit Objekte der Bildenden Kunst zur Definition des öffentlichen Raumes beitragen können, ob die heutige Zeit überhaupt die Notwendigkeit des Einsatzes der Kunst er kennt und welche Entwicklungen hier festgestellt werden können. Zur Klärung dieser und ähnlicher Fragen schien es uns unerlässlich, als Forschungsgrundlage eine lückenlose Erfassung aller zugänglichen Beispiele zu erstellen und nach und nach eine für das gesamte Saarland vollständige Übersicht zu publizieren.
Anders als in einer Großstadt wie Saarbrücken oder den beiden aufgrund ihrer Lage überschaubaren Areale in Homburg und Saarbrücken erwies sich die Arbeit an einem über einen räumlich ausgedehnten Bereich weitaus zeitaufwändiger. Dazu kam die personelle und finanzielle Situation des auf Spenden und Zuschüsse bauenden Instituts, welche diesem Projekt längere Unterbrechungen auferlegten.
Was lässt daher ein Institut an einem solchen Vorhaben festhalten? Für Jo Enzweiler ist es die Verantwortung gegenüber Werken, die von Künstlern erarbeitet und mit öffentlichem Geld für die Allgemeinheit umgesetzt wurden. Die Ergebnisse dieser Bemühungen verdienen deshalb ein permanentes öffentliches Interesse, stellt daher Jo Enzweiler fest und leitet daraus den Auftrag des Instituts ab. Es gilt etwas zu bewahren und gleichzeitig dabei die Öffentlichkeit nicht aus ihrer Verantwortung gegenüber den mit ihrem Geld bezahlten Kunstwerken zu entlassen:
Allein witterungsbedingte Einflüsse und aus verändertem sozialem Verhalten erwachsende Aggressivität, der fast allgegenwärtige Vandalismus durch pure Zerstörungslust oder sinnloses Beschmieren und Besprühen fordern von der verantwortungsbewussten Allgemeinheit Bemühungen, den Erhalt und die Pflege der Kunstwerke im öffentlichen Raum zu garantieren und darüber hinaus durch kontinuierliche Betreuung und Aufklärung in der Gesellschaft lebendig zu halten.Dahinter steht der pragmatische Ansatz, Hilfestellung zu geben. Denn laut Gesetz muss bei einem Neubau eines öffentlichen Gebäudes ein bestimmter Prozentsatz der für Kunst im öffentlichen Raum verwendet werden. Verändert sich jedoch die Funktion eines Bauwerkes oder die Zuständigkeit einer Behörde, dann steht oft genug das für den Ort konzipierte Kunstwerk zur Disposition.
Oder fehlen die notwendigen Informationen darüber, so dass gut oder weniger gut gemeinte Veränderungen oder im Falle einer Beschädigung vorgenommene Ausbesserungen Schaden anrichten und die mit einem Kunstwerk verbundene Absicht korrumpieren. Dem gilt das Augenmerk Enzweilers, der mit der Dokumentation eine Handreichung für die Politik und einer breiteren Öffentlichkeit bereit hält:
Kunst im öffentlichen Raum – vor allem Kunst am Bau und im Gebäude – entsteht zumeist in Abhängigkeit zur Funktion seiner Umgebung. Bei einem Besitzerwechsel oder einer Änderung der Zweckbestimmung des Baues – hier ist insbesondere auf die Umstrukturierung des Schulwesens und den damit einher gehenden Leerständen und Umnutzungen von Schulhäusern hinzu weisen – geht oftmals der Bezug zu den verbliebenen, mit dem Bauwerk verankerten Kunstwerken verloren. Für solche Fälle erweist sich die Dokumentation als besonders wichtig, da sie hilft, das Wissen um den ursprünglichen Sinnzusammenhang des Kunstwerkes zu bewahren oder gegebenenfalls wiederzuentdecken und zu vermitteln. Bei den Recherchen, die das Institut für aktuelle Kunst zu den einzelnen Objekten durchgeführt hat, wurde daher neben der Erhebung der Daten zu Künstler, Kunstwerk, Zeit und Ort auch Wert auf die Darlegung des Entstehungszusammenhangs der Kunstwerke gelegt.So kann die Erfassung jeweils über das rein wissenschaftliche Interesse hinaus auch Grundlage für die praktische Erhaltung, Pflege und Vermittlung sein und schließlich Richtschnur für politisches Handeln darstellen.
SABINE GRAF
Kunst im öffentlichen Raum im Saarland, Band 3: Landkreis Saarlouis nach 1945.
Aufsätze und Dokumentation. Herausgegeben von Jo Enzweiler. Bearbeitet von Oranna Dimmig und Claudia Maas. Institut für aktuelle Kunst im Saarland an der Hochschule der Bildenden Künste Saar.
392 Seiten, ca. 650 S/W-Abbildungen, DIN A4, gebunden, Verlag St. Johann GmbH, Saarbrücken 2009
ISBN 3-938070-37-4
Preis 40 Euro





