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KULTURKALENDER

 

Herausragend im Februar

Dienstag, 31. Januar


Den Raum fassen, die Temperatur des Lichts untersuchen: Die Bildhauerin und Medienkünstlerin Valérie Hendrich, Sarreguemines

Herausragend im Februar: Bildhauerin und Medienkünstlerin Valérie Hendrich, Sarreguemines



Valérie Hendrich, Medienkünstlerin und Bildhauerin

„Gegensätze und Widersprüche, das ist unsere Harmonie“: Für ein Jahr, von März 2011 bis Februar 2012 übernimmt die Saarbrücker Kunsthistorikerin und Galeristin Dr. Ingeborg Besch die Auswahl der monatlichen Rubrik „herausragend“, die Künstlerinnen und Künstler der Großregion in den Mittelpunkt stellt. Der Satz des Malers Wassily Kandinsky leitet ihre Suche nach dem Besonderen, Herausragenden quer durch die Generationen, Techniken, künstlerischen Vorlieben und Notwendigkeiten im Schaffen von Künstlerinnen und Künstler aus dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Lothringen und Luxemburg.

 

Valérie Hendrich: Der Raum hinter den Dingen

 

Dass Bildhauer und Plastiker mit Material, meist der handfesten Art arbeiten, ist eine Selbstverständlichkeit und ist es doch auch nicht. Seit rund 50 Jahren ist auch das Immaterielle zum Werkstoff des Bildhauers und des Plastikers geworden. Das Licht, das einen Raum schafft, die Dunkelheit, die ihn teilt, sind zu seinem Material geworden. Es ist ein schwebendes Paradox, dass gerade das Nicht-Greifbare, das sich jedem Zugriff Verweigernde in eine Form bringen will.

 

Flächen durch das Zusammenspiel von Raum und Licht begrenzen oder erweitern, diesen Arbeitsauftrag hatte sich die Bildhauerin Valérie Hendrich gegeben. Um ihn auszuführen, hatte sie nach ihrem Studium der Bildhauerei in Mulhouse nach seinem Jahr an die Hochschule der Bildenden Künste Saar gewechselt. 1989 war mit dem Plastiker Wolfgang Nestler in der ehemaligen Handwerkergasse der stillgelegten Völklinger Hütte, die 1994 zur Weltkulturerbestätte wurde, eine Dependance der Saarbrücker Kunsthochschule entstanden. Die Nähe zur einstigen Eisenhütte legte die Arbeit mit Eisen und Stahl nahe, doch im Atelier Nestler fanden sich diejenigen zusammen, deren Interesse nach dem Raum ging, unabhängig mit welchen Mitteln er zu schaffen war. Die Werkstatträume des Eisenwerks boten dafür ein ideales Umfeld. Sie waren Partner und Gegner. Sie waren gleichermaßen konkreter Raum und Projektionsfläche für diejenigen, die hier arbeiteten.

 

Für ihre Diplomarbeit hatte sich Valérie Hendrich auf das Zusammenspiel von Fläche, Raum und Licht konzentriert. Über Monate hatte sie eine 16 Quadratmeter große Stofffläche mit kleinen Stichen aus feinem blauen Garn bedeckt bis keine helle Stelle mehr herausstach. Alles war tiefblau, plastisch durch das den Stoff durchwirkende Garn, dessen Unebenheiten das Licht anzogen und eine Veränderung bewirkten. Das Blau changierte, wenn Sonnenlicht darauf fiel zu mattem Weiß und wandelte seine Gestalt.

 

„Mit solchen Phänomen arbeite ich“, sagt Valérie Hendrich und taste sich weiter vor in die Räume, die sich hinter der Fläche aufschlossen, wenn Licht und Schatten in sie eindrangen. Ein Durchbruch in der Wand in einem Raum der Handwerkergasse gab den Blick auf eine rote Stahlwand frei. Durch das einfallende Licht kam auch dieses Rot in den Raum und überzog den Boden. Der Raum, kalt und hart verwandelte sich, sobald man die Fläche betrat zu einer Wärmezone. „Innere Bedingungen zeigen sich zunächst in äußeren und gehen dann in Bewegungen der Luft über in den Raum“, fasste sie ihre Erfahrungen mit Raum und Licht zusammen. Welche Rolle dabei die Lichttemperatur spielte, welche Kraft dabei die in der Hütte allgegenwärtigen kontrastreichen Rot- und Grüntönen entfalteten, arbeitete sie in einer Fotoserie heraus.

 

Die Fläche hat ihr zweites Gesicht gezeigt und dieser Moment der Drehung, der wie ein Schlüssel im Schloss, einen neuen Raum aufschließt, war der Mechanismus, den sie sich zueigen machte. So war ihr Vorschlag für eine temporäre Arbeit für die Bausstelle vor dem Kunstverein Offenburg im Jahr 1997 „ein Denkmal nicht aus Buchstaben, sondern aus den Vorstellungen, die sich damit verbinden.“ Zeitgebunden und flüchtig, damit war eine Übereinkunft mit den Phänomenen, sei es der aufsteigenden Erinnerung, dem Bilderschatz im Kopf und dem Lauf der Jahreszeiten getroffen.

 

Das, was diese realen Dinge beschienen vom Licht auslösen, zu diesen Phänomene machte sie sich auf. Es waren die Bildern und Räume hinter den Dingen, die im Wechsel des Lichts, in der Veränderung der Tages- und Jahreszeiten, die noch in der Serie der in unterschiedlichen Tönen zusammengestellten Farbkarten aus dem Jahr 2007 aufschien und mit dem bezeichnenden Titel „Das Licht der vier Jahreszeiten bringt meine Wohnung zum Lachen“ immer auch das Empfinden, bedingt durch Licht mitein schloss.

 

„Die Entwicklung einer Idee“, nennt es Valérie Hendrich, in der das Schwebende, Kleine, Verschwindende, für einen Moment aufscheinende sich darstellt. Feststeht dabei nur, dass es hier nicht mehr um das unverrückbare Ergebnis, sondern um Bewegung und Prozess geht. Flächen und Räume verändern sich im Licht, das wurde scheinbar handgreiflich in dem Poesie und Alltag vereinenden Projekt der „Reflexionen über die Saar“, die als Gemeinschaftsarbeit mit dem Designbüro Hullmann & Gimmler Verse aus einem Gedicht von Johannes Kühn an die Uferbefestigungen entlang der Saar montierten. Schaute man direkt darauf waren die in Spiegelschrift gesetzten Worte unleserlich, doch erst im Blick auf die Oberfläche des Wasser ließ sich an hellen Tagen die Botschaft lesen. Wieder griffen Licht und Raum ein und legten frei, was hinter den Dingen stand.

 

Den Wandel des Raums durch das Licht greift ihr aktuelles Filmprojekt auf. Die Wendung zum bewegten Bild erweist sich in dieser Suche nach dem Wandel von Farbe und Raum als konsequent. In der Wintringer Kapelle auf der Höhe um Kleinblittersdorf blenden sich Ort und der Mensch im Raum ineinander. „Ici“, das „Dort“, in dem auch das Wort „Ich“ mitschwingt und in zehn stillen, nur dem im Raum laufenden Licht gewidmeten Minuten kommt diese Suche nach den Übergängen vom Materiellen zum Immateriellen im Schaffen der Bildhauerin zu sich.

 

Es sind Arbeiten im Grenzgebiet, was wörtlich auf die aktuelle Arbeitssituation von Valérie Hendrich bezogen ist. Als Französin, die in Deutschland studiert und direkt hinter der Landesgrenze arbeitet, hat sie mit ihrer Arbeit diesem schwebenden Zustand Dauer gegeben. Alles kreist um Situationen, in denen etwas, das fest und unveränderlich scheint, durch den Einfluss von Licht und Schatten einen neuen Raum öffnet.

Sabine Graf

 

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Biographie

geboren 1973 in Forbach

1993-1994 Studium der Freien Kunst an der école des beaux arts, Mulhouse bei Prof. Tual

1995-1999 Studium der Freien Kunst/Plastik bei Prof. Wolfgang Nestler und Prof. Maria Nordman an der Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken

1999 Diplom und Meisterschülerin von Prof. Wolfgang Nestler

2011 Atelier im Schloss Falkenhorst, Kleinblittersdorf lebt und arbeitet in Frankreich und Deutschland.

Mehr Information unter http://www.valeriehendrich.com

 

Preise/Auszeichnungen/Stipendien

2011, Filmförderung für das Kurzfilm "Streiflichter" 10 Min., Saarland Medien GmbH, Saarbrücken

 

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl)

2011: - 1001 Zeichnung reloaded in den Schaufenstern, 6.-20. November 2011 - 1001 Zeichnung reloaded. Zeichenmarathon zum Mitmachen. 24.-25. September 2011; loopingstar Videofestival, Studioblau des Saarländischen Künstlerhauses, Saarbrücken, "double star" Videoinstallation, Kabinett Antik, St. Johanner Markt 18, Saarbrücken

2010: „1001 Zeichnung - Zeichenmarathon“, Galerie N.N., Nauwieser Neunzehn, Saarbrücken; „Das Blaue Band. Gespiegelter Fluss – Reflexionen über die Saar”, gemeinsam mit Designbüro Harald Hullmann & Jörg Gimmler, Saarufer, Saarbrücken, Völklingen, Sarreguemines, Hanweiler und Grosbliederstroff; „angezettelt!” 25 Jahre Saarländisches Künstlerhaus - Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken

2008: „Gosz Rausch 3” Do you believe in Gosz, Museum Gosz, Saarbrücken 2008 „SEITE B”, Museum Gosz, Saarbrücken

2007: „Gosz Rausch 2” 10 x 15, Galerie Gosz Saarbrücken; „100 Bilder für Monschau”, Ein Kunstprojekt von Wolfgang Nestler, Monschau

2006: „Gosz Rausch“Weihnachten in der Galerie Gosz, Galerie Gosz,Saarbrücken

2004: „kopf treibt blüte”, schaubar ausstellungsraum für kunst, architektur, design, saarbrücken -

2003: Tischgalerie, Institut für aktuelle Kunst, Saarlouis

2002: Tischgalerie, Handwerkergasse, Völklingen; „zuhause”, Wohnraumprojekt, Saarbrücken zusammen mit Nina Jäger

2000: Städtisches Museum, Gelsenkirchen

1999: „projekt hügel”, Krakòv (P) 1999 Kunsthalle, Überherrn

1997: Hindenburg-Turm, Riegelsberg; Chun Chon galerie, Seoul; Kunstverein Offenburg/Mittelbaden; Museum Katharinenhof, Kranenburg

1996: „Reflexionen”, Historisches Museum Saar Bibliographie,

 

Veröffentlichungen

Kunstlexikon Saar, Laboratorium, Institut für aktuelle Kunst im Saarland 2010

„Das blaue Band– die Saarachse”, Saarland Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr 2010 „angezettelt!”

25 Jahre Saarländisches Künstlerhaus - Saarländisches Künstlerhaus, Saarbrücken 2010;

 „sichtbar machen“, Staatliche Kunstschulen im Saarland 1924-2004 Verlag St. Johann, Saarbrücken 2006;

„zuhause“, Wohnraumprojekt, Hg. Nina Jäger Saarbrücken 2002 -

„Form zeigt sich“, Hochschule der Bildenden Künste Saar, Atelier Handwerkergasse im Weltkulturerbe Völklinger Hütte, Monschau 2002;

 „diplom '99“, Hg. Walli Höfinger, Hochschule der Bildenden Künste Saar,Saarbrücken 1999;

 „Projekt Hügel“, Lipnica Murowana/Krakòv, Hg. saoz, Krakòv (P) 1999;

„Wiersze“, Malgorzata Jurczak/Valérie Hendrich, Hg. saoz, Krakòv (P) 1999

„Hochschule der Bildenden Künste Saar Saarbrücken“, 1999/2000, Verlag St. Johann GmbH, Saarbrücken

„Der Freiheit ein Denkmal“, Hg. Kunstverein Offenburg/Mittelbaden 1997